{"id":256,"date":"2014-01-10T10:54:45","date_gmt":"2014-01-10T10:54:45","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/fruehwerke-piazzollas-erstmals-eingespielt\/"},"modified":"2014-01-10T10:54:45","modified_gmt":"2014-01-10T10:54:45","slug":"fruehwerke-piazzollas-erstmals-eingespielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/fruehwerke-piazzollas-erstmals-eingespielt\/","title":{"rendered":"Fr\u00fchwerke Piazzollas erstmals eingespielt"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070601piazzolla.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>01.06.2007 &#8212;<\/em> Der argentinische Bandoneon-Virtuose und Komponist Astor Piazzolla ist als Sch\u00f6pfer des <em>Tango Nuevo<\/em> zu Weltruhm gelangt. Ironischerweise d\u00fcrfte es gerade diesem Ruhm zuzuschreiben sein, dass seine orchestralen Werke mit Wurzeln im nationalen Volksgut und der Neoklassik ungleich weniger Resonanz gefunden haben. Der W\u00fcrttembergischen Philharmonie Reutlingen und dem argentinischen Dirigenten Gabriel Castagna ist es deshalb vorbehalten geblieben, erst eineinhalb Dezennien nach Piazzollas Tod Schl\u00fcsselwerke seines musikalischen Werdeganges zum ersten Mal auf Tontr\u00e4ger einzuspielen. <\/p>\n<p> Hinderlich an der Verbreitung der sinfonischen Arbeiten Piazzollas ist wohl eben die Tatsache, dass dem Tango \u2013 im Gegensatz zu den meisten popul\u00e4ren Musikstilen \u2013 Blechbl\u00e4ser sowie Schlagzeug und Perkussion fremd sind, aber es genau diese Orchestergruppen sind, die im 20. Jahrhundert einen ungeahnten Aufschwung erfahren haben. <\/p>\n<p> Wohl hat Piazzolla immer wieder mit Schlagwerk und Rohrblattinstrumenten experimentiert, so richtig gelungen ist ihm die Fusion mit dem Tango aber nie; die seiner Musik wohl angemessensten Besetzungen blieben letztlich kammermusikalische Formationen aus Streichern, Klavier, Gitarre und selbstverst\u00e4ndlich Bandoneon. Perkussive Effekte wie das Klopfen auf Resonanzk\u00f6rper und Instrumentenh\u00e4lse oder spezielle Techniken der Streicherb\u00f6gen blieben dabei zwar wichtiges, aber nicht strukturtragendes, sondern kolorierendes Beiwerk.<\/p>\n<p> Dass Piazzolla aber selbst vor seiner Lehrzeit bei der franz\u00f6sischen Lehrerin Nadja Boulanger mit Perkussion und Bl\u00e4sern sehr wohl umzugehen wusste, beweist die Sinfonia Buenos Aires, mit der er 1951 einen wichtigen Wettbewerb gewann und die unter der Stabf\u00fchrung keines Geringeren als Igor Markewitch uraufgef\u00fchrt wurde. Das Manuskript der Sinfonia, von der erst eine Fassung mit zwei Bandoneons aufgenommen worden ist (vom Orquesta de Radio del Estado unter Bruno Bandini) ist Castagna von Piazzollas Sohn Daniel anvertraut worden. <\/p>\n<p> Das impulsive und sehr expressive dreis\u00e4tzige Werk hantiert geschickt mit viel Blech, viel Perkussion und vielen Synkopen. Im Melodischen neigt es daf\u00fcr streckenweise etwas zum Trivialen. Den Umgang des Komponisten mit reinen Bl\u00e4sers\u00e4tzen illustriert der zweite Satz, der sich wie eine Fortsetzung des Bandoneonspiels mit den Mitteln der Blasmusik anf\u00fchlt. <\/p>\n<p> Texturell \u00e4hnlich behauen ist das von Jos\u00e9 Carli stimmig orchestrierte dreieinhalbmin\u00fctige \u00abMar del Plata 70\u00bb, das auf der CD der Reutlinger ebenfalls als Ersteinspielung vorliegt. Die Grenzen des Einsatzes neoklassizistischer Orchesterfarben zeigt sich hingegen im Arrangement der \u00abCuatro Estaciones Porte\u00f1as\u00bb, die in der letzten, schlicht und geschlossen anmutenden Quintettversion Piazzollas zur vollen Bl\u00fcte gelangt sind. Die aus dem Jahr 1989 stammende Orchesterfassung von Carlos Franzetti ist ebenfalls noch nie auf Tontr\u00e4ger eingespielt worden. Sie ist zwar spannend anzuh\u00f6ren, aber doch etwas \u00fcberladen und in den aus der Kammermusikversion liebgewonnenen satztechnischen Details naturgem\u00e4ss eingeebnet.<\/p>\n<p> Mit auf der Silberscheibe findet sich schliesslich eine Einspielung des Konzertes f\u00fcr Bandoneon, Streichorchester und Perkussion, dem der versierte Solist Juan Jos\u00e9 Mosalini in allen Teilen bestens gerecht wird. <\/p>\n<p> Alles in allem haben das wendige Orchester und der Dirigent Castagna, der f\u00fcr Authentizit\u00e4t und vitalen Zugriff sorgt, mit dieser CD ein ungew\u00f6hnliches, wichtiges und l\u00e4ngst f\u00e4lliges Dokument geschaffen, an dem kein Piazzolla-Liebhaber vorbeigehen d\u00fcrfte \u2013 stehe er nun als Tango-Aficionado der harten Sorte diesen Orchesterfarben eher skeptisch gegen\u00fcber oder nehme er als Liebhaber der lateinamerikanischen Neoklassik des 20.Jahrhunderts die willkommene Gelegenheit wahr, den eigenen Horizont substantiell zu erweitern. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Piazzolla Vol. 2 (Sinfonia Buenos Aires, Mar del Plata 70, Cuatro Estaciones Porte\u00f1as, Concerto for Bandoneon, String Orchestra and Percussion), Juan Jos\u00e9 Mosalini (Bandoneon), Gabriel Castagna (Leitung), W\u00fcrttembergische Philharmonie Reutlingen, Chandos, Chan 10419.<\/span> <\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.06.2007 &#8212; Der argentinische Bandoneon-Virtuose und Komponist Astor Piazzolla ist als Sch\u00f6pfer des Tango Nuevo zu Weltruhm gelangt. 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