{"id":2613,"date":"2015-10-25T12:10:12","date_gmt":"2015-10-25T12:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/10\/25\/eine-dritte-aufklaerung-tut-not\/"},"modified":"2015-10-25T12:10:12","modified_gmt":"2015-10-25T12:10:12","slug":"eine-dritte-aufklaerung-tut-not","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/10\/25\/eine-dritte-aufklaerung-tut-not\/","title":{"rendered":"Eine dritte Aufkl\u00e4rung tut not"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>23.10.2015 \u2013 Einst erkl\u00e4rte uns die Kirche als Autorit\u00e4t die Welt. Sie bestimmte die Gesetze, nach denen wir ein ihrem Glauben zufolge gottgef\u00e4lliges Leben zu leben hatten. Sie tat dies nicht aufgrund besserer Argumente und der von Neugier gen\u00e4hrten Erfahrung dem\u00fctiger Weltenergr\u00fcnder. Sie tat es aufgrund metaphysischer Besserwisserei. Derer, die beeindrucken, weil sie dringlich zu predigen verstehen \u2012 und beschw\u00f6ren, in Sorge um die Welt zu sein, die ohne ihre gn\u00e4dige Zuwendung in S\u00fcnd\u2018 und Leid versinken w\u00fcrde. Die Aufkl\u00e4rer des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts r\u00fcttelten am morschen Geb\u00e4ude und wiesen ihren Mitmenschen den Weg aus der selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>23.10.2015 \u2013 Einst erkl\u00e4rte uns die Kirche als Autorit\u00e4t die Welt. Sie bestimmte die Gesetze, nach denen wir ein ihrem Glauben zufolge gottgef\u00e4lliges Leben zu leben hatten. Sie tat dies nicht aufgrund besserer Argumente und der von Neugier gen\u00e4hrten Erfahrung dem\u00fctiger Weltenergr\u00fcnder. Sie tat es aufgrund metaphysischer Besserwisserei. Derer, die beeindrucken, weil sie dringlich zu predigen verstehen \u2012 und beschw\u00f6ren, in Sorge um die Welt zu sein, die ohne ihre gn\u00e4dige Zuwendung in S\u00fcnd\u2018 und Leid versinken w\u00fcrde. Die Aufkl\u00e4rer des sp\u00e4ten 18. Jahrhunderts r\u00fcttelten am morschen Geb\u00e4ude und wiesen ihren Mitmenschen den Weg aus der selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Dann erkl\u00e4rten uns die Intellektuellen die Welt. Sie bestimmten die Regeln,\u00a0 nach denen wir ein ihrer Dialektik zufolge gerechtes Leben zu leben h\u00e4tten. Sie taten dies nicht aufgrund besserer Argumente und der praktischen Erfahrung der Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie tat es aufgrund metaphysischer Dialekterei. Derer, die beeindrucken, weil sie elit\u00e4re komplexe Tiefgr\u00fcndigkeit vorzuspiegeln verstehen und gleichzeitig beteuern, f\u00fcr die Machtlosen da zu sein. Die ohne Klassenkampf von Weltkapital und globalen Konzernen im Elend gehalten w\u00fcrden. Die Aufkl\u00e4rer des 20. Jahrhunderts r\u00fcttelten an ihren Luftschl\u00f6ssern und wiesen der Zivilgesellschaft den Weg aus der Verblendung ideologischer Heilsverk\u00fcndungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Nun erkl\u00e4ren uns bloss noch die K\u00fcnstler die Welt. Sie bestimmen die Attit\u00fcden, nach denen wir ein ihrer Hellsicht zufolge politisch korrektes Leben zu f\u00fchren h\u00e4tten. Sie tun dies nicht aufgrund besserer Argumente und pragmatischen Wissens, erworben auf der Ochsentour praktischer politischer T\u00e4tigkeit. Sie tun es aufgrund eines diffusen Bewusstseins moralischer \u00dcberlegenheit. Derer, die ihre Selbstgewissheit aus der Selbstvergewisserung innerhalb der eigenen Gilde n\u00e4hren. Derer, die zu verstehen glauben, weil die Gleichgesinnten sie best\u00e4rken und ihren Wutreden applaudieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die Aufkl\u00e4rer des 21. Jahrhunderts sollten an diesen Wichtigtuereien r\u00fctteln und feststellen, dass Kunst- und Kulturschaffen zum politischen Diskurs nichts beizutragen haben. Die Welt wird dank Spekulieren, Theoretisieren, Deuten und psychologischem, soziologischem oder tiefenpsychologischem Analysieren von Schriftstellern, Theatermacherinnen, Musikern und Bildenden K\u00fcnstlerinnen nicht besser. Eher das Gegenteil.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Sie wird besser dank Sachverstand, politischer Knochenarbeit und dem Eingest\u00e4ndnis, dass wir viele ihrer Mechanismsen schlicht nicht durchschauen. Das hindert uns dann auch daran, wohlklingende, aber bloss realit\u00e4tsfremde Thesen und Polemiken ernst zu nehmen. Nichtwissen gilt es auszuhalten. Keine St\u00e4rke eitler Geistexperten.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>23.10.2015 \u2013 Einst erkl\u00e4rte uns die Kirche als Autorit\u00e4t die Welt. Sie bestimmte die Gesetze, nach denen wir ein ihrem Glauben zufolge gottgef\u00e4lliges Leben zu leben hatten. Sie tat dies nicht aufgrund besserer Argumente und der von Neugier gen\u00e4hrten Erfahrung dem\u00fctiger Weltenergr\u00fcnder. Sie tat es aufgrund metaphysischer Besserwisserei. Derer, die beeindrucken, weil sie dringlich zu predigen verstehen \u2012 und beschw\u00f6ren, in Sorge um die Welt zu sein, die ohne ihre gn\u00e4dige Zuwendung in S\u00fcnd\u2018 und Leid versinken w\u00fcrde. Die Aufkl\u00e4rer des sp\u00e4ten 18. 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