{"id":262,"date":"2014-01-10T10:59:38","date_gmt":"2014-01-10T10:59:38","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/klavierkonzert-beethovens-mit-sechs-kadenzen\/"},"modified":"2014-01-10T10:59:38","modified_gmt":"2014-01-10T10:59:38","slug":"klavierkonzert-beethovens-mit-sechs-kadenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/klavierkonzert-beethovens-mit-sechs-kadenzen\/","title":{"rendered":"Klavierkonzert Beethovens mit sechs Kadenzen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070309rische.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>09.03.2007 &#8212;<\/em> Im Grunde genommen ist die sogenannte \u00abKadenz\u00bb ein funktionales Unding. Die Leerstelle gegen Ende des Kopfsatzes eines klassisch-romantischen Solokonzertes sollte dem Solisten urspr\u00fcnglich die Gelegenheit bieten, seine Virtuosit\u00e4t frei improvisierend unter Beweis zu stellen. Nach Beethovens epochalen Konzerten wird dieses St\u00fccklein Freiheit jedoch nicht mehr gew\u00e4hrt: Sp\u00e4tere Komponisten f\u00fcllen die L\u00fccke selber \u2013 wenn auch h\u00e4ufig im urspr\u00fcnglichen Sinn der Virtuosenschau. <\/p>\n<p> Aber auch die in den Beethoven-Konzerten noch vorhandene Leerstelle wurde nach der Zeit des Bonner Meisters nicht mehr improvisatorisch gef\u00fcllt. Vielmehr schrieben sich Solisten bis in die heutige Zeit ihre eigenen Varianten, die in Notenform separat k\u00e4uflich sind. Mit der Umdeutung von einer interpretatorischen zu einer kompositorischen Aufgabe ist die Kadenz zu einer Art Struktur- und Ausdrucksstudie \u00fcber Themen und Stimmung des jeweiligen Konzertes umfunktioniert worden. Nicht mehr der Virtuose (allein) steht damit im Vordergrund, sondern die Meditation \u00fcber eine musikalische Form aus dem \u00e4sthetischen Verst\u00e4ndnis sp\u00e4terer Epochen. <\/p>\n<p> Zu Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 existieren mehr als zwanzig solcher Kleinode, viele davon mit einer eigenen bewegten Geschichte. So galt eine der \u00e4ltesten lange Zeit als Werk Brahms\u2019, bis sich herausstellte, dass sie aufs Konto des Pianisten Ignaz Moscheles geht. Und auch der zu seinen Lebzeiten weitgehend ignorierte Klaviertitan Charles Valentin Alkan hat einen Beitrag geleistet \u2013 einer, der Solisten \u00fcberbordende Kraftakte abverlangt, so als wolle sich der Verkannte mit Gewalt ins Bewusstsein der Welt rufen. <\/p>\n<p> Anr\u00fchrend ist aber auch die Kadenz Viktor Ullmanns. Sie entstand zwei Wochen vor dessen Tod im Konzentrationslager Auschwitz und legt Zeugnis ab von einem Bekenntnis zur deutschen Musik in einem absurd-unangemessenen Moment.<\/p>\n<p> Der Pianist Michael Rische und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Marcus Bosch haben mit der vorliegenden CD den wunderbaren Einfall realisiert, dem H\u00f6rer das Konzert wahlweise mit sechs verschiedenen Kadenzen anzudienen. Neben den Einsch\u00fcben aus den Federn von Moscheles, Alkan und Ullmann k\u00f6nnen mit Hilfe der Programmtaste eines CD-Spielers die Varianten von Beethoven und Erwin Schulhoff sowie eine solche von Michael Rische selber angesteuert werden. <\/p>\n<p> Setzt die Kadenz Beethovens naturgem\u00e4ss den Massstab, erweist sich Risches eigene Sch\u00f6pfung mit Mitteln wie rhythmischen Brechungen \u2013 etwa einem Metrum aus drei Viertel- plus einer Sechszehntel-Note \u2013 und seriellen Verfahren als Reflexion der Avantgarde des 20.Jahrhunderts. Dies alles verbl\u00fcffenderweise ohne aus der klassischen Totalit\u00e4t wegzubrechen. <\/p>\n<p> Die Aufnahmen f\u00fcr die CD wurden im Februar 2005 in der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem realisiert, und zwar von einem Team von Deutschlandradio Kultur. Rische spielt einen Fazioli, Modell F308. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Beethoven Piano Concert No. 3, Six Cadences by Beethoven, Moscheles\/Brahms, Alkan, Schulhoff, Ullmann, Rische, Arte Nova Classics 82876 82586 2.<\/span><\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.03.2007 &#8212; Im Grunde genommen ist die sogenannte \u00abKadenz\u00bb ein funktionales Unding. 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