{"id":270,"date":"2014-01-10T11:05:58","date_gmt":"2014-01-10T11:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/die-callas-und-eine-legendaere-kreuzfahrt\/"},"modified":"2014-01-10T11:05:58","modified_gmt":"2014-01-10T11:05:58","slug":"die-callas-und-eine-legendaere-kreuzfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/die-callas-und-eine-legendaere-kreuzfahrt\/","title":{"rendered":"Die Callas und eine legend\u00e4re Kreuzfahrt"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/061117callas.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>17.11.2006 &#8212;<\/em> Maria Callas ist in mancherlei Hinsicht ein Ph\u00e4nomen. So unbestritten ihre aussergew\u00f6hnliche Bedeutung als grosse S\u00e4ngerin, so interessant ist der Weg, den sie bis an die Spitze des Kulturlebens ihrer Zeit zur\u00fcckgelegt hat. Entscheidenden Anteil daran hatte ihr Mann Giovanni Battista Meneghini, der sie mit viel Geschick vermarktete und aus dem urspr\u00fcnglich etwas pummeligen M\u00e4dchen eine Stil-Ikone der Nachkriegszeit formte. Die Beziehung der beiden \u2013 eine Mischung aus Liebesgeschichte, Sch\u00fclerin-Lehrer-Verh\u00e4ltnis und Zweckb\u00fcndnis \u2013 handelte sich denn auch den \u00dcbernamen \u00abdie Firma\u00bb ein.<\/p>\n<p> Das letztlich ungl\u00fcckliche Liebesleben der Callas und ihre Rolle als Glamour-Girl der f\u00fcnfziger Jahre k\u00f6nnten Stoff bieten f\u00fcr unz\u00e4hlige Studien \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge von Hochkultur, Gesellschaftsleben, wirtschaftliche Macht und Weltpolitik in der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg. Ricci Tajanis Buch \u00abMaria Callas \u2013 The Cruise \u201959 \u2013 Biografie einer Reise\u00bb entfaltet dieses Panorama zwischen britischen Politlegenden, monegassischem Adel, bedeutenden Opernh\u00e4usern, dem griechisch-t\u00fcrkischen Konflikt um Zypern und Reedersfamilien als ersten Vorreitern einer globalisierten Wirtschaft anhand einer Art Gesellschaftschronik. Es erz\u00e4hlt die auch von der damaligen Klatschpresse genauestens mitverfolgte Episode einer \u2013 besser: <em>der<\/em> \u2013 Kreuzfahrt mit der Yacht \u00abChristina\u00bb, die das Ehepaar Callas, den ehemaligen britischen Premier Winston Churchill und Aristoteles Onassis als Gastgeber sowie eine \u00fcppige Entourage von Monte Carlo nach Istanbul und wieder zur\u00fcck f\u00fchrte.<\/p>\n<p> Das sorgf\u00e4ltig und ansprechend gelayoutete und mit reichem Fotomaterial aus der Zeit versehene Buch \u2013 einzig die Bildlegenden geben etwas sp\u00e4rlich und manchmal bloss verwirrlich Auskunft \u00fcber die Fotos \u2013 erz\u00e4hlt eine Chronique scandaleuse. Es zeichnet die Begegnung nach, die letztlich zur inneren Abwendung der Callas von ihrem Mann und zur aufkeimenden Leidenschaft f\u00fcr den Landsmann Onassis f\u00fchrt, der ihr innerlich zwar ebenfalls verf\u00e4llt, sich sp\u00e4ter aber nie zur Heirat entschliessen kann. Diesen \u00abCoup\u00bb landet nicht die S\u00e4ngerin, sondern \u2013 wie die Geschichte uns lehrt \u2013 die Witwe des amerikanischen Pr\u00e4sidenten John F. Kennedy. <\/p>\n<p> Zu dem Prolog einer der grossen Prominenten-Romanzen des 20. Jahrhunderts entwirft Tajanis Buch keineswegs ein tiefblickendes Psychodrama, vielmehr breitet es eine F\u00fclle an teils oberfl\u00e4chlich belanglosen, teils spektakul\u00e4r anmutenden Details des Gesellschaftslebens an Bord und den Zwischenstation an Land aus, das einem den Eindruck vermittelt, als intimer Zaungast selber an der Reise teilzunehmen. Dass sich Churchill in der Bar Ginetta in Portofino einen Ap\u00e9ritif genehmigt und die Callas auf Capri Schuhe kaufen geht, wird da im gleichen gepflegt-anekdotischen Stil ausgebreitet wie der angesichts der Zypernkrise politisch brisante Besuch des t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten an Bord der griechischen \u00abChristina\u00bb. \u00dcber Musik und das musikalische Credo der Callas ist hingegen praktisch nichts zu erfahren.<\/p>\n<p> So ist der Bildband in erster Linie das Dokument einer versunkenen Epoche aus mediterranem Glamour, echten Diven und Wirtschaftsmagnaten, die im sich demokratisierenden Europa eine Zeitlang die Rolle der politisch und gesellschaftlich an Bedeutung verlierenden K\u00f6nigsh\u00e4user \u00fcbernahmen und tats\u00e4chlich ein Hauch an Leben auf dem Olymp verstr\u00f6mten \u2013 bevor die einbrechende Massenkultur und der Massentourismus dieser Exklusivit\u00e4t ein Ende setzte. <em>(wb)<\/em> <\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><em> <span class=\"txt-s-black\">Ricci Tajani: Maria Callas \u2013 The Cruise &#8217;59 \u2013 Biografie einer Reise, 176 Seiten, mit zahlreichen Schwarzweissaufnahmen. 2006 Schott Music Mainz, Bestellnummer ED 20009, ISBN 3-7957-0569-X.<\/span><\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.11.2006 &#8212; Maria Callas ist in mancherlei Hinsicht ein Ph\u00e4nomen. 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