{"id":280,"date":"2014-01-10T11:13:38","date_gmt":"2014-01-10T11:13:38","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/barenboim-west-eastern-divan-orchestra\/"},"modified":"2014-01-10T11:13:38","modified_gmt":"2014-01-10T11:13:38","slug":"barenboim-west-eastern-divan-orchestra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/barenboim-west-eastern-divan-orchestra\/","title":{"rendered":"Barenboim West-Eastern Divan Orchestra"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060703barenboim.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>03.07.2006 &#8212;<\/em> Das West-Eastern Divan Orchestra ist 1999 von Daniel Barenboim und dem 2003 verstorbenen pal\u00e4stinensischen Literaturhistoriker Edward Said gegr\u00fcndet worden und ist in zweifacher Hinsicht ein erstaunliches Ensemble: Zum einen musizieren hier pal\u00e4stinensische, irsaelische, syrische, \u00e4gyptische und andere semitische Instrumentalisten eintr\u00e4chtig nebeneinander, zum andern r\u00fchrt die Begeisterung f\u00fcr das Projekt beileibe nicht bloss von der Tatsache, dass hier \u2013 fern aller Sozialromantik \u2013 praktische Friedensarbeit betrieben, sondern auch musikalisch Ausserordentliches geleistet wird. Die Dokumentation \u00abBarenboim West-Eastern Divan Orchestra\u00bb von Warner Classics bietet auf einer CD und einer DVD mit Filmmaterial einen differenzierten und spannenden Einblick in die Arbeit des Generalmusikdirektors der Berliner Staatsoper und dem enthusiastischen Nachwuchs aus dem Nahen Osten.<\/p>\n<p> Auf der CD findet sich eine Aufnahme eines Konzertes, welches das Orchester 2004 in der Genfer Victoria Hall realisiert hat, mit Tschaikowskys 5.Sinfonie, der Ouvert\u00fcre zu Verdis \u00abLa forza del destino\u00bb und dem Valse Triste von Sibelius. Die Tschaikowsky-Sinfonie und die Verdi-Ouvert\u00fcre k\u00f6nnen von der DVD auch als Filmdokument betrachtet werden. Da stellt man \u2013 nebenbei bemerkt \u2013 fest, dass sich in dem nah\u00f6stlichen Orchester gegen alle Klischees an Horn, Posaune und grosser Trommel Frauen finden. Die Bemerkung sei erlaubt, dass dies in manchen alteurop\u00e4ischen Orchestern noch keineswegs zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit geh\u00f6rt\u2026<\/p>\n<p> Auf der DVD findet sich auch der Dokumentarfilm \u00abLessons in Harmony\u00bb, den Isabel Iturriagagoitia und Paul Smaczny \u00fcber die Probenarbeit des Orchesters gedreht haben, unter anderem mit Szenen aus Vortr\u00e4gen Saids und Barenboims zur politischen Situation im Nahen Osten und einer sensiblen Ann\u00e4herung an einen gemeinsamen Besuch der deutschen, israelischen und arabischen Orchestermitglieder im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald. <\/p>\n<p> Ebenfalls den Weg auf die DVD gefunden hat ein knapp eineinhalbst\u00fcndiges Gespr\u00e4ch zwischen Barenboim und Said. Da stellt man sehr schnell fest, dass nicht Gutmenschentum, sondern die Musik und die unbedingte Verpflichtung zur Weltklasse-Qualit\u00e4t beim Musizieren den Kern des Projektes ausmachen. Es sind aber auch interessante Details aus der praktischen Erfahrung der beiden zu entnehmen, etwa die Bemerkung Saids, dass das Orchester beileibe nicht nur eine Konfrontation zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis darstellt, sondern ebenso zwischen libanesischen und israelischen Pal\u00e4stinensern, die sich zum Teil offenbar genauso fremd sind, und die Einsicht, dass es eine F\u00fclle hervorragender musikalischer Talente im arabischen Raum gibt, die allerdings aufgrund staatlicher Gleichg\u00fcltigkeit kaum zur Entfaltung gelangen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> In dem Gespr\u00e4ch reihen sich Reflektionen zu dem Besuch der arabischen Studenten in Buchenwald nahtlos an Betrachtungen zum wagnerschen Klangideal. Das Staunen dar\u00fcber, dass keine einzige Uni im arabischen Raum j\u00fcdische Geschichte thematisiert, geht fliessend \u00fcber in die Frage, ob der Beckmesser der \u00abMeistersinger\u00bb eine antisemitische Figur ist (nach Ansicht Barenboims ist dies nicht der Fall), weshalb sich in Beethovens Neunter Ankl\u00e4nge an Milit\u00e4rmusik finden und was die offene Harmonik Wagners mit dem j\u00fcdischen Talmud verbindet. Dabei entsteht in keinem Moment der Eindruck von eitlen Causerien oder Salonphilosophie (auch wenn als Ort des Gespr\u00e4ch ironischerweise ein Weimarer Salon dient). <\/p>\n<p> Worum es im West-Eastern Divan Orchestra im Kern geht, illustriert Barenboims am\u00fcsante Bemerkung, dass die Musiker ja alle aus dem Orient k\u00e4men und er es deshalb als seine Aufgabe ansehe, sie ein wenig zu \u00abdesorientieren\u00bb. Wer viel \u00fcber den arabisch-israelischen Konflikt, Friedensprojekte in schwierigstem Umfeld, aber auch \u00dcberraschendes und Intelligentes zur Musik Beethovens, Wagners und der \u00e4gyptischen S\u00e4ngerin Um Kultsum erfahren will, der ist mit der Warner-Dokumentation wahrlich gut bedient. <em>(wb)<\/em> <\/p>\n<p><em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\"> Barenboim West-Eastern Divan Orchestra, Tschaikowskys 5. Sinfonie, Ouverture zu Verdis \u00abLa forza del destino\u00bb, Sibelius: Valse Triste, DVD-Dokumentation mit Dokumentarfilm \u00abLessons in Harmony\u00bb, einem Gespr\u00e4ch zwischen Barenboim und Said sowie einer Aufnahme des Genfer Konzertes des Orchesters, Warner Classics 2564 62190-2.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>03.07.2006 &#8212; Das West-Eastern Divan Orchestra ist 1999 von Daniel Barenboim und dem 2003 verstorbenen pal\u00e4stinensischen Literaturhistoriker Edward Said gegr\u00fcndet&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-280","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=280"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/280\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}