{"id":290,"date":"2014-01-10T21:56:18","date_gmt":"2014-01-10T21:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/ein-neues-regime-fuer-die-kunstfoerderung\/"},"modified":"2014-01-10T21:56:18","modified_gmt":"2014-01-10T21:56:18","slug":"ein-neues-regime-fuer-die-kunstfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/ein-neues-regime-fuer-die-kunstfoerderung\/","title":{"rendered":"Ein neues Regime f\u00fcr die Kunstf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p>10.03.2006 &#8212; <span class=\"txt-m-black\">Dass das aktuelle Kunstschaffen aus den gleichen staatlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen wie die Pflege des Kulturgutes gespiesen wird, ist ein historischer Irrtum. Die Fehlkonstruktion wird vom geplanten Schweizer Kulturf\u00f6rderungsgesetz zum Leidwesen von K\u00fcnstlern, Politikern und dem Mann von der Strasse aufrechterhalten.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong><span class=\"txt-m-black\">10.03.2006 &#8212; <span class=\"txt-m-black\">Dass das aktuelle Kunstschaffen aus den gleichen staatlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen wie die Pflege des Kulturgutes gespiesen wird, ist ein historischer Irrtum. Die Fehlkonstruktion wird vom geplanten Schweizer Kulturf\u00f6rderungsgesetz zum Leidwesen von K\u00fcnstlern, Politikern und dem Mann von der Strasse aufrechterhalten.<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Mit dem Entwurf zu einem zuk\u00fcnftigen Kulturf\u00f6rderungsgesetz (KFG) werden in der Schweiz die kulturpolitischen Weichen neu gestellt. Eckpfeiler sind Instrumente zur Qualit\u00e4tskontrolle und klar definierte \u00abPlanziele\u00bb, die laut dem KFG-Vorschlag in Etappen von vier Jahren erreicht werden sollen. <\/p>\n<p> Dar\u00fcber zeigen sich beileibe nicht alle gl\u00fccklich; die Vernehmlassung hat unter den Kulturschaffenden selber ein Unbehagen deutlich gemacht. Sie bef\u00fcrchten \u2013 sicher nicht zu Unrecht \u2013, dass der daraus resultierende Papierkram die t\u00e4gliche Arbeit ungeb\u00fchrlich b\u00fcrokratisieren und dringend ben\u00f6tigte Ressourcen binden wird.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Entwurf zum KFG (Bundesamt f\u00fcr Kultur):<br \/> <a href=\"http:\/\/www.bak.admin.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.bak.admin.ch <\/a><br \/> Stellungnahme des Basler Studienzentrums Kulturmanagement:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.kulturmanagement.org\/index.php?id=151\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.kulturmanagement.org <\/a><br \/> Institut f\u00fcr Elektronische Musik Graz<br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=56\">Interview mit Robert H\u00f6ldrich<\/a> <br \/> Eine Codex-flores-Umfrage zum KFG (im pdf-Format) findet sich<br \/> <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2006\/CodexfloresUmfrageJan06.pdf\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> <br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Die Planziele und Qualit\u00e4tskontrollen sind Ausdruck modischer Theorien des New Public Managements; sie machen den KFG-Entwurf an der Oberfl\u00e4che angreifbar. Der Entwurf l\u00f6st aber auch ein weitaus tiefer liegendes Kernproblem nicht \u2013 eine Misere, die sich regelm\u00e4ssig in heftigen \u00f6ffentlichen Debatten \u00e4ussert: die Unvereinbarkeit der Ziele von Staat und Kunstschaffenden.<\/p>\n<p> Mit hartn\u00e4ckiger Regelm\u00e4ssigkeit entz\u00fcndet sich der Streit an Projekten wie der staatlich gef\u00f6rderten Pariser Hirschhorn-Ausstellung oder an Kunst im \u00f6ffentlichen Raum \u2013 aktuelle Beispiele aus dem Schweizer Politalltag bilden das \u00abgelbe Haus\u00bb in Flims und die Marmorskulpturen von Rudolf Rempler in Schlieren. Auch die heftigen Auseinandersetzungen um das Kunstwerk \u00abRuan\u00bb des chinesischen K\u00fcnstlers Xiao Yu in Kunstmuseum Bern, das als Ausgangsmaterial unter anderem den Kopf eines menschlichen F\u00f6tus verwendet, sind noch in bester Erinnerung.<\/p>\n<p> Zu der Misere tragen beide Seiten bei. Auf der einen der \u00abentr\u00fcstete B\u00fcrger\u00bb oder sein Repr\u00e4sentant in Form des Parlamentariers, der sich 364 Tage im Jahr nicht um das aktuelle Kunstschaffen k\u00fcmmert und am 365. meint, er k\u00f6nne \u00fcber komplexe \u00e4sthetische Fragen am Stammtisch urteilen. Auf der andern der Kunstschaffende, welcher der lebendigen politischen Auseinandersetzung 365 Tage im Jahr vornehm fernbleibt und dennoch den Anspruch erhebt, spezielle Antennen zur Analyse sozialer und politischer Machtverh\u00e4ltnisse und wirtschaftlicher Sachfragen zu haben.<\/p>\n<p> <strong>Die Funktionen von Kunst und Kultur<\/strong><\/p>\n<p> Die Basis des KFG, eine Definition der Unesco, scheint auf den ersten Blick vern\u00fcnftig, umfassend und angemessen: \u00abAls Kultur gelten die K\u00fcnste, sowie die Werte, Werke und G\u00fcter aller Art, die unser Herkommen bezeugen, damit zum Verst\u00e4ndnis der Gegenwart beitragen und mithelfen die Zukunft zu gestalten.\u00bb<\/p>\n<p> Der Rundumschlag ist allerdings zu grob: Beil\u00e4ufig werden da n\u00e4mlich die \u00abWerte, Werke und G\u00fcter aller Art, die unser Herkommen bezeugen\u00bb und \u00abzum Verst\u00e4ndnis der Gegenwart beitragen\u00bb \u2013 mithin das sogenannte Kulturgut \u2013 und die eigentliche Kunst, also das aktuelle Werden k\u00fcnftigen Kulturgutes \u00fcber einen Leisten geschlagen.<\/p>\n<p> Um etwas genauer festzustellen, dass und wo denn in dieser Konstruktion der Wurm sitzt, lohnt sich ein Blick auf die Funktionen, welche Kultur und Kunst im \u00f6ffentlichen Leben innehaben. Grob gesagt sind dies vier: <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<ol>\n<li type=\"square\">Sie bietet Unterhaltung.<\/li>\n<li type=\"square\">Sie pflegt und konserviert das ideen- und sozialgeschichtliche Erbe des Landes.<\/li>\n<li type=\"square\">Sie bringt die Identit\u00e4t und Charakteristiken einer nationalen, regionalen oder ideellen Gemeinschaft zum Ausdruck.<\/li>\n<li type=\"square\">Sie ist ein Forschungsprojekt der experimentellen Wahrnehmungs- und Sozialpsychologie und der Emotionsforschung.\n<\/li>\n<\/ol>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Zwar bestehen zwischen allen diesen Funktionen vielfache Querverbindungen und \u00dcberlagerungen. Es m\u00fcssen aber auch folgenreiche Unvereinbarkeiten diagnostiziert werden. Die am schwersten wiegende besteht zwischen den ersten drei und der vierten, in welcher unschwer der Grund f\u00fcr den st\u00e4ndigen Konflikt zwischen Kunst und \u00abVolkseele\u00bb zu erkennen ist: Die ersten drei Punkte definieren das, was man gemeinhin unter <em>Kultur<\/em> versteht. Der vierte ist das Anliegen der von der Kultur in Aufgabe und Wesensart zu unterscheidenden <em>Kunst<\/em>.<\/p>\n<p> K\u00fcnstler verstehen sich in der Regel nicht als Vertreter einer bestimmten nationalen, regionalen oder ideellen Gemeinschaft (wenn sie ihr Schaffen ab und zu dennoch als Referenz an eine solche verstehen, versuchen sie damit meistens missratene Werke und Mangel an Inspiration zu rechtfertigen). Vielmehr sehen sie sich gew\u00f6hnlich in Opposition zu allen Arten von Zusammenrottungen: Um der Lebendigkeit und Offenheit einer Gemeinschaft Willen setzen sie sich oft sogar bewusst \u00fcber deren explizite und implizite Regeln hinweg.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 350px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060308kultur2.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Hier wird \u00fcber die k\u00fcnftige Kulturf\u00f6rderung entschieden: Bundeshaus Bern.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Kunstschaffen macht erst der Zahn der Zeit zu dem, was Stil und Identit\u00e4t einer sozialen Gemeinschaft pr\u00e4gt. Und noch einmal sp\u00e4ter erst werden ihre materialen Manifestationen zum Kulturgut, das gepflegt und konserviert werden will.<\/p>\n<p> K\u00fcnstler und Kulturschaffende unterscheiden sich deutlich voneinander. Kulturschaffende verwalten bestehende und gesicherte G\u00fcter. Die \u00f6konomischen, sozialen und intellektuellen Bedingungen von Kunstschaffenden decken sich nicht mit den ihrigen, sondern weitgehend mit denjenigen von Wissenschaftlern, die in der experimentellen und theoretischen Grundlagenforschung t\u00e4tig sind. Mit diesen teilen sie auch zunehmend die inhaltlichen Interessen.<\/p>\n<p> Die K\u00fcnstler zeichnen sich als diejenigen Grundlagenforscher aus, die selbst die letzten Winkel der menschlichen Erlebniswelten auszuleuchten versuchen und damit unter anderem verhindern, dass gewisse Grunderfahrungen tabuisiert und Lebensbereiche aus der bewussten pers\u00f6nlichen und sozialen Wahrnehmung ausgeklammert werden. Solche Abspaltungen f\u00fchren immer zu irrationalen Reaktionen. Der zentrale Anspruch aktueller Kunst besteht also (und bestand schon immer) darin, mehr \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen Wahrnehmung, Emotion und pers\u00f6nlicher Identit\u00e4t zu erfahren. <\/p>\n<p> Auf den Punkt bringt dies der amerikanische Philosoph Nelson Goodman, der in seinem Buch <em>Weisen der Welterzeugung<\/em> expliziert, dass \u00abdie K\u00fcnste als Modi der Entdeckung, Erschaffung und Erweiterung des Wissens \u2013 im umfassenden Sinn des Verstehensfortschritts \u2013 ebenso ernst genommen werden m\u00fcssen wie die Wissenschaften und dass die Philosophie der Kunst mithin als wesentlicher Bestandteil der Metaphysik und Erkenntnistheorie betrachtet werden sollte.\u00bb (das Zitat charakterisiert \u00fcbrigens auch das inhaltliche Programm unseres Magazins.)<\/p>\n<p> <strong>Kunst muss nicht gef\u00e4llig sein<\/strong><\/p>\n<p> Hier nun findet sich die entscheidende Reibungsfl\u00e4che zwischen dem Staat und seinen Steuerzahlern und den K\u00fcnstlern. Um diesem Auftrag, der existentielle Neugier nicht nur toleriert, sondern geradezu fordert, Gen\u00fcge zu leisten, ist es n\u00e4mlich zum Beispiel nicht nur v\u00f6llig in Ordnung, sondern erw\u00fcnscht, dass auch menschlicher Kot, abgesaugtes Fett aus Sch\u00f6nheitskliniken, Leichenteile und so weiter zu Materialien sch\u00f6pferischer Entdeckungen werden. Die \u2013 keineswegs klare \u2013 Grenze setzt bloss das Strafgesetzbuch. Es ist aber auch v\u00f6llig in Ordnung, derartige Kunstwerke, Performances und Provokationen als ekelerregend, abstossend und h\u00e4sslich zu empfinden und sich zu weigern, sich mit ihnen zu identifizieren.<\/p>\n<p> Der staatspolitische \u00abClash of Cultures\u00bb resultiert also aus der Tatsache, dass die F\u00f6rderung des zeitgen\u00f6ssischen Kunstschaffens aus dem gleichen Topf gespiesen wird, wie die Pflege des Kulturschaffens, das als Ausdruck nationaler Werte dienen soll.<\/p>\n<p> Die einzige L\u00f6sung besteht darin, das aktuelle Kunstschaffen (den Punkt vier des Aufgabenkataloges) aus der Kulturf\u00f6rderung auszuscheiden und einer gemeinsamen F\u00f6rderstrategie mit der wissenschaftlichen Grundlagenforschung zuzuf\u00fchren. Ein solcher Kurzschluss k\u00f6nnte sowohl f\u00fcr die Wissenschaft wie auch die Kunstschaffenden eine entscheidende Bereicherung darstellen. Letztere neigen n\u00e4mlich nicht selten dazu, ihr Schaffen als \u00abForschungsunternehmen\u00bb zu deklarieren, das zwar offene Fragen der Wahrnehmungspsychologie und Emotionsforschung aufgreift. Ihr Theoretisieren bewegt sich jedoch nicht minder h\u00e4ufig auf dem Niveau veralteter hermeneutischer oder naiv-metaphysischer Konzepte. Allzu oft offenbaren sie, dass sie viele Entwicklungen der zeitgen\u00f6ssischen Wissenschaftstheorie nicht kennen, die eigentlich interessanten Fragen gar nicht zu stellen verm\u00f6gen und sich damit selber um die echten Inspirationen betr\u00fcgen.<\/p>\n<p> Modelle einer solchen Zusammenarbeit lassen sich finden: Zu einem fruchtbaren Dialog zwischen Wissenschaft und K\u00fcnstlern, der solche Unzul\u00e4nglichkeiten ausmerzt, kommt es zum Beispiel am Institut f\u00fcr elektronische Musik der Kunstuniversit\u00e4t Graz (IEM), wo so hochkar\u00e4tige Komponistinnen und Komponisten wie Olga Neuwirth oder Peter Ablinger und erstklassige Forscher und Ingenieure sich gegenseitig in ihrer Arbeit stimulieren.<\/p>\n<p> Dass die Forderung nach einer Zusammenfassung von Wissenschaft und aktuellem Kunstschaffen in einem F\u00f6rdertopf gerade heute aufgestellt werden kann, hat auch historische Gr\u00fcnde: Vor wenigen Jahrzehnten, als Grundlagenforschung ihr Interesse noch weitgehend auf Ph\u00e4nomene der anorganischen Ebene \u2013 Physik der Elementarteilchen, Kosmologie, Materialkunde, Chemie und so weiter \u2013 fokussierte, mag die N\u00e4he des Kunstschaffens zur wissenschaftlichen Innovation noch beinahe ausschliesslich auf kreative Aspekte beschr\u00e4nkt geblieben sein: Sowohl der Wissenschaftler als auch der K\u00fcnstler nutzten vergleichbare Strategien, um neues intellektuelles Land zu erobern. Die Wissenschaftstheoretiker waren, wie das obige Goodman-Zitat aus dem Jahr 1978 zeigt, bereits zur Einsicht gekommen, dass keine prinzipiellen Unterschiede zwischen den \u00abWeisen der Welterzeugung\u00bb von Kunst und Wissenschaft besteht.<\/p>\n<p> <strong>Mehr und mehr inhaltliche Gemeinsamkeiten<\/strong><\/p>\n<p> Mit der st\u00fcrmischen Entwicklung bildgebender Verfahren in der Medizin und dem Erstarken der Neurowissenschaften decken sich heute aber nicht mehr bloss die <em>Methoden<\/em> der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und des Kunstschaffens, sondern auch der <em>Gegenstand des Interesses<\/em> \u2013 n\u00e4mlich die Funktionsweise unseres Denk- und Wahrnehmungsapparates. In gewisser Weise \u00e4hneln die \u00e4usseren Bedingungen der Gegenwart denjenigen der Renaissance, die &#8211; vor allem in der Person Leonardo da Vincis &#8211; auf \u00e4hnliche Weise k\u00fcnstlerische und wissenschaftliche Fragen synthetisierte und damit zu einer der authentischsten und produktivsten Epochen der europ\u00e4ischen Ideen- und Geistesgeschichte geriet.<\/p>\n<p> Kunst und Wissenschaft m\u00fcssten deshalb vermehrt zur Einsicht kommen, dass sie auch politisch gleiche Interessen verfolgen: Sie verteidigen ein Erkenntnisstreben, das nicht an einen unmittelbaren \u00f6konomischen Nutzen gebunden ist und auch keinem kurzfristigen Leistungsauftrag verpflichtet sein kann. Und sie leisten eine unverzichtbare Arbeit, die bloss von potenten privaten Stiftungen, grossen Konzernen und der \u00f6ffentlichen Hand alimentiert werden kann.<\/p>\n<p> Es w\u00e4re deshalb angezeigt, die Kunstf\u00f6rderung und mithin den Punkt vier des Aufgabenkataloges aus der Kulturf\u00f6rderung auszugliedern und der F\u00f6rderung wissenschaftlicher Grundlagenforschung zu subsumieren, damit alle Dinge am richtigen Ort w\u00e4ren. Wenn es dann noch gel\u00e4nge, den Dialog zwischen K\u00fcnstlern und Wissenschaftlern aktiv zu bef\u00f6rdern, st\u00fcnde einer zeitgem\u00e4ssen, zukunftsgerichteten und \u00f6konomisch interessanten Industrie der Erkenntnis und einer nicht minder zeitgem\u00e4ssen Kulturf\u00f6rderungspolitik ohne periodische Geh\u00e4ssigkeiten nichts mehr im Wege. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><br \/><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.03.2006 &#8212; <span class=\"txt-m-black\">Dass das aktuelle Kunstschaffen aus den gleichen staatlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen wie die Pflege des Kulturgutes gespiesen wird, ist ein historischer Irrtum. 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