{"id":299,"date":"2014-01-10T22:08:45","date_gmt":"2014-01-10T22:08:45","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/komponieren-ist-auch-handwerk\/"},"modified":"2014-01-10T22:08:45","modified_gmt":"2014-01-10T22:08:45","slug":"komponieren-ist-auch-handwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/komponieren-ist-auch-handwerk\/","title":{"rendered":"Komponieren ist auch Handwerk"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">30.04.2010 &#8212; Der 1975 geborene David Philip Hefti ist einer der meistgefragten Schweizer Komponisten seiner Generation. Im Codex-flores-Interview gibt er Auskunft \u00fcber sein k\u00fcnstlerisches Selbstverst\u00e4ndnis und die Realit\u00e4ten des heutigen Musikbetriebs.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>30.04.2010 &#8212; Der 1975 geborene David Philip Hefti ist einer der meistgefragten Schweizer Komponisten seiner Generation. Im Codex-flores-Interview gibt er Auskunft \u00fcber sein k\u00fcnstlerisches Selbstverst\u00e4ndnis und die Realit\u00e4ten des heutigen Musikbetriebs.<\/strong><\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center><\/center><center><\/center><center><\/center><center><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><em><strong>Codex flores:<\/strong> Wie ist Komponieren heute noch m\u00f6glich, wo in der Musik schon alles gesagt zu sein scheint?<\/em><br \/> <strong>David Philip Hefti:<\/strong> Das ist eine Frage, die jeden Komponisten stark besch\u00e4ftigt. Vermutlich ist es sogar die Frage schlechthin. Ich habe einen Weg beschritten, der zu einer eigenst\u00e4ndigen Sprache gef\u00fchrt hat, ohne die Traditionen zu verleugnen \u2013 allerdings auch ohne sie zu zitieren. Es gibt Kollegen, die wieder beginnen, in C-Dur zu komponieren. Das ist f\u00fcr mich unvorstellbar. Die Auseinandersetzung mit Bach, Brahms, Sch\u00f6nberg und andern grossen Komponisten ist f\u00fcr mich aber \u00fcberaus wichtig.<\/p>\n<p> <em>In einigen Ihrer Werke f\u00e4llt eine Neigung zur Zahlenmystik auf, die Verwandtschaft mit Alban Bergs \u00c4sthetik zeigt.<\/em><br \/> Dies ist in meinen fr\u00fchen Werken besonders ohrenf\u00e4llig. Es gab auch eine Zeit, da klangen meine Sch\u00f6pfungen, als h\u00e4tte Anton Webern auch schlechte Musik geschrieben. Fr\u00fcher musste f\u00fcr mich alles klar durchstrukturiert sein. Ich war ein strenger Kontrapunktiker. Davon befreie ich mich mehr und mehr. Meine Kompositionen sind heute freier, organischer und ab und zu bewusst inkonsequent.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Der Weblink<\/strong><br \/> <a href=\"http:\/\/www.davidphiliphefti.com\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.davidphiliphefti.com<\/a><br \/> <span class=\"txt-s-black\">David Philip Heftis Webseite.<\/span><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <em>Wie w\u00fcrden Sie sie heute charakterisieren?<\/em><br \/> Ich suche sehr gerne neue Kl\u00e4nge, ohne mich an bestimmten Vorbildern zu orientieren. Es gab eine Zeit, da habe ich nur mit konventionellen T\u00f6nen und ganz wenigen zeitgen\u00f6ssischen Techniken gearbeitet. Ich glaubte damals, meine Sprache gefunden zu haben. Genau in diesem Moment hat sich meine Tonsprache aber wieder radikal ver\u00e4ndert. Das Alban-Berg-Element ist geblieben; hinzugekommen ist aber eine breite Palette an zeitgen\u00f6ssischen Spieltechniken. Noch sp\u00e4ter hat es einen weiteren Sprung gegeben: Ich habe begonnen, die Harmonik zu verfeinern und mit Mikrot\u00f6nen zu arbeiten. Mittlerweile entwickelt sich meine Musiksprache etwas langsamer \u2013 aber st\u00e4ndig \u2013 weiter.<\/p>\n<p> <em>Haben Sie daf\u00fcr allgemeinere \u00e4sthetische Motive?<\/em><br \/> Es interessiert mich, Illusionen zu erzeugen. Sie sollen verhindern, dass man sofort nachvollziehen kann, wie ein Klang zustandekommt; es gef\u00e4llt mir, wenn etwas ganz anders klingt, als es erzeugt wird. Mich faszinieren die Sinnlichkeit von Kl\u00e4ngen und das Kantable. Zudem ist mir die klangliche Transparenz einer Partitur ausgesprochen wichtig.<\/p>\n<p> <em>Haben Sie f\u00fcr Ihren Kompositionsstil ein griffiges Etikett?<\/em><br \/> Er ist sicher avantgardistisch. Ich mag fein schattierte Kl\u00e4nge und das ganze Spektrum an zeitgen\u00f6ssischen Spieltechniken. Es ist f\u00fcr mich aber sehr schwierig, meinen eigenen Stil verbal zu charakterisieren.<\/p>\n<p> <em>Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Komponisten mit zwei wichtigen Begriffen aufger\u00e4umt: Sch\u00f6nheit und Ausdruck. Angesagt war reine Struktur. Zur ungefilterten Emotionalit\u00e4t haben zeitgen\u00f6ssische Komponisten immer noch ein gebrochenes Verh\u00e4ltnis. Ist Sch\u00f6nheit ein Kriterium f\u00fcr Sie?<\/em><br \/> Mit dem Begriff Sch\u00f6nheit kann ich weniger anfangen als mit demjenigen des Ausdrucks. Mir ist noch nie vorgeworfen worden, meine Musik h\u00e4tte zu wenig Ausdruck, im Gegenteil.<\/p>\n<p> <strong>Komponieren als Beruf und Berufung<\/strong><\/p>\n<p> <em>Sie sind ein versierter Selbstvermarkter. Das ist in der Regel keine herausragende Eigenschaft Deutschschweizer Komponisten.<\/em><br \/> Das habe ich schon \u00f6fters geh\u00f6rt. Es kann sein, dass das vor zehn Jahren tats\u00e4chlich zugetroffen hat. Heute habe ich einen sehr guten Verlag und eine Homepage, die laufend aktualisiert wird. Das gen\u00fcgt. Die Zeiten der Selbstvermarktung sind gl\u00fccklicherweise vorbei.<\/p>\n<p> <em>Was macht der Verlag f\u00fcr Sie?<\/em><br \/> Er sorgt daf\u00fcr, dass alle St\u00fccke, die ich geschrieben habe, problemlos weltweit erh\u00e4ltlich sind. Das ist das Entscheidende. Fr\u00fcher hatten Verlage auch Agenturfunktion. Das ist heute nicht mehr so. Es ist aber schwierig zu sagen, weshalb ich Auftr\u00e4ge erhalte. Dass ich bei dem und dem Verlag bin, kann schon auch eine Rolle spielen.<\/p>\n<p> <em>Kann man vom Komponieren leben?<\/em><br \/> Ich kann davon leben, allerdings nur dank zweier radikaler Einschr\u00e4nkungen: Ich verzichte auf Luxus \u2013 also auch auf Ferien \u2013, und ich habe keine Familie. Ich muss nur mich selber \u00fcber die Runden bringen, was nicht sehr aufwendig ist. Zudem ist meine Partnerin berufst\u00e4tig und deshalb materiell von mir unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p> <em>Kein Nebenerwerb als Dozent?<\/em><br \/> Ich habe fr\u00fcher an der Musikhochschule Z\u00fcrich unterrichtet, was ich aber wieder aufgegeben habe, um mich ganz dem Komponieren widmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> <em>Komponieren ist eine relativ einsame T\u00e4tigkeit. Wie balanciert man sich da aus?<\/em><br \/> Vor allem durch die Zusammenarbeit mit den Interpreten. Musik schreiben ist schon sehr einsam. Niemand kann helfen. Die Momente mit den Interpreten geniesse ich deshalb umso mehr. Auch privat habe ich einen sch\u00f6nen Freundeskreis.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"110\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>\u00abHeute kann man keine Skandale mehr provozieren. Ich will aber auch niemanden erziehen. Meine Musik soll in erster Linie Klang und frei von jeder Programmatik sein.\u00bb <\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"200\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100305hefti2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <em>Sie dirigieren auch.<\/em><br \/> Ja, aber weniger als fr\u00fcher. Das Komponieren ist mein Standbein. Ich dirigiere, um das Gef\u00fchl f\u00fcrs Interpretieren lebendig zu halten. Es ist mir wichtig, dass ich auch Interpret bin.<\/p>\n<p> <em>Das heisst, Sie haben genug Kompositionsauftr\u00e4ge?<\/em><br \/> Ja, es kommen mehr Anfragen, als ich ber\u00fccksichtigen kann. Von dreien lehne ich etwa zwei \u2013 vorwiegend aus Zeitgr\u00fcnden \u2013 ab, da ich leider langsam arbeite. Jede Anfrage freut und ehrt mich sehr, weshalb ich niemals leichtfertig absage. Aber der Tag hat nur 24 Stunden und deshalb ist es besonders schmerzlich, einen interessanten Auftrag aus Zeitgr\u00fcnden ablehnen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p> <em>Die Auftr\u00e4ge kommen einfach?<\/em><br \/> Ja.<\/p>\n<p> <em>Schreiben sie auch ohne Auftr\u00e4ge, aus eigenem Interesse, etwa wie Bach die Kunst der Fuge.<\/em><br \/> Nein. Die Auftr\u00e4ge, die ich akzeptiere, sind f\u00fcr mich sehr anregend. Ich lehne Auftr\u00e4ge ab, die ich uninteressant finde. Wenn ich aber Lust habe, f\u00fcr eine bestimmte Besetzung zu schreiben, dann streue ich das unter den Interpretenkollegen; oft kommt dann auch ein entsprechender Auftrag.<\/p>\n<p> <em>Und Wettbewerbe?<\/em><br \/> Bei Wettbewerben m\u00fcssen St\u00fccke eingereicht werden, die noch nie aufgef\u00fchrt worden sind. Sobald ein St\u00fcck gedruckt ist, f\u00e4llt es ebenfalls aus dem Reglement. Das ist bei mir oft der Fall. Es ist deshalb eher Gl\u00fcck, dass ich bisher an so vielen Wettbwerben teilnehmen konnte. Inzwischen bin ich aber fast schon zu alt, um noch zu den Kandidaten zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p> <em>Sie haben aber einige Wettbewerbe gewonnen.<\/em><br \/> Ich bin vielleicht ein Sonderfall, weil ich fr\u00fch in internationalen Wettbeweben Erfolg hatte und deshalb nicht prim\u00e4r auf nationalen Zuspruch fixiert gewesen bin. Meine Karriere hat aber auch viel mit Gl\u00fcck und Zufall zu tun. Ich helfe selber vor allem mit Kontinuit\u00e4t in der Arbeit nach.<\/p>\n<p> <strong>Entspanntes Verh\u00e4ltnis zu Interpreten und Publikum<\/strong><\/p>\n<p> <em>Erleben sie auch Formen der radikalen Ablehnung im Konzertsaal?<\/em><br \/> Nein. Das ist aber vermutlich eine Generationenfrage. Heute kann man keine Skandale mehr provozieren. Ich will aber auch niemanden erziehen. Meine Musik soll in erster Linie Klang und frei von jeder Programmatik sein. Wenn diese Kl\u00e4nge aber im Zuh\u00f6rer etwas ausl\u00f6sen, ihn zu Gedanken anregen oder sogar eine subjektive Botschaft zu \u00fcbermitteln scheinen, dann freut mich das ausserordentlich. Das ist aber nicht der Zweck meiner Musik.<\/p>\n<p> <em>Was dann?<\/em><br \/> Meine Musik hat im Grunde genommen \u00fcberhaupt keinen Zweck. Fr\u00fcher wollte ich etwas bewegen. Ich habe geglaubt, man k\u00f6nne mit Musik die Welt verbessern. Davon bin ich aber schnell weggekommen. Ich hoffe dennoch, das Publikum mit meiner Musik zum Nachdenken zu animieren und seine Phantasie zu stimulieren.<\/p>\n<p> <em>Aber irgendetwas will man als Komponist ja erreichen. Einen Fortschritt machen oder was auch immer.<\/em><br \/> Auf der kommunikativen Ebene ist das sicher so. Musik ist eine Sprache und daher betrachte ich meine St\u00fccke als Dialog zwischen den Interpreten und mir und in zweiter Linie mit dem Publikum. Selbstverst\u00e4ndlich strebe ich auch einen Fortschritt an. Meine Werke sollen immer durchdachter und gleichzeitig organischer werden \u2013 das ist kein Widerspruch! Sie sollen schlicht immer reifer werden, wobei die Qualit\u00e4tsskala nach oben offen ist. Deshalb betrachte ich Komponieren als lebenslangen Prozess. Beim j\u00fcngsten St\u00fcck habe ich jeweils das Gef\u00fchl, das sei das beste, was ich je geschrieben habe. Aus der zeitlichen Distanz scheint die Entwicklungslinie aber nicht linear.<\/p>\n<p> <em>Kein Buhlen ums breite Publikum?<\/em><br \/> Nein.<\/p>\n<p> <em>Also L\u2019art pour l\u2019art?<\/em><br \/> Es gibt zwei Dimensionen, eine professionelle und eine pers\u00f6nliche. Die Publikumsreaktion ber\u00fchrt mein kompositorisches Selbstverst\u00e4ndnis nicht. Als Mensch hingegen ist man sehr empfindlich. Musik schreiben ist eine intensive Auseinandersetzung mit sich selber. Auch die Arbeit mit dem Interpreten ist mir wichtig. L&#8217;art pour le dialogue, wenn man so will&#8230;<\/p>\n<p> <em>Bach hatte noch f\u00fcr Gott komponiert.<\/em><br \/> Ich komponiere f\u00fcr die Interpreten, das kann ich klar sagen.<\/p>\n<p> <strong>Kommunikative Prozesse in der Erabeitung der Musik<\/strong><\/p>\n<p> <em>Es gibt also einen kommunikativen Prozess mit den Musikern.<\/em><br \/> Bevor ich die erste Note schreibe, arbeite ich mit dem Interpreten zusammen, besuche seine Konzerte oder lasse ihn mir vorspielen. W\u00e4hrend des Kompositionsprozesses denke ich an den Interpreten und sehe ihn vor meinen geistigen Augen die Musik schon spielen. Wenn er das St\u00fcck dann zun\u00e4chst als unspielbar betrachtet, widerspreche ich ihm. Ich habe ja bereits gesehen, wie er es spielt&#8230;<\/p>\n<p> <em>K\u00f6nnen Sie damit alle \u00fcberzeugen? Haben Interpreten St\u00fccke schon abgelehnt?<\/em><br \/> Nein, noch nie. Ich hatte auch das grosse Gl\u00fcck, dass ich von Beginn weg hervorragende Interpreten hatte. Ohne sie w\u00e4re ich nicht, was ich heute bin, dessen bin ich mir bewusst. Am Arbeitspult mache ich ja im Grunde genommen Grafik, nicht Musik. Erst durch die Interpreten wird das Werk lebendig.<\/p>\n<p> <em>Wann ist ein Werk gelungen?<\/em><br \/> Das habe ich mir noch nie \u00fcberlegt. Ich weiss ja, wie meine Kompositionen klingen, wenn ich sie niederschreibe. Das Urteil der Interpreten ist mir schon sehr wichtig. Ein St\u00fcck ist f\u00fcr mich vielleicht gelungen, wenn es den Interpreten Freude macht, oder wenn es sie dazu bringt, technische und musikalische Probleme zu bew\u00e4ltigen, die sie zuvor als unl\u00f6sbar angesehen haben.<\/p>\n<p> <em>Geben sie den Interpeten in dieser Hinsicht immer auch eine Chance?<\/em><br \/> Ich weiss von jedem einzelnen Ton, dass er erzeugbar ist, weil ich ihn entweder selber spielen kann, oder weil mir ein Interpret gezeigt hat, dass er realisierbar ist. Gerade bei Orchesterwerken ist diese Gewissheit ungeheuer wichtig. Selbstverst\u00e4ndlich kann jeder Interpret auf meine Hilfe und Unterst\u00fctzung z\u00e4hlen. Die notwendige und oft sehr lange \u00dcbezeit kann ich ihm aber nicht abnehmen.<\/p>\n<p> <em>Es geht also darum, Ausdrucksgrenzen zu erweitern.<\/em><br \/> Sicher. Das erweitern jeglicher Grenzen interessiert mich. Und sollte es sogar einmal gelingen, eine Grenze zu \u00fcberschreiten, kann das sehr begl\u00fcckend sein.<\/p>\n<p> <strong>Alles Komponieren ist Probleml\u00f6sen<\/strong><\/p>\n<p> <em>Kann man Komponieren vielleicht als eine Art Probleml\u00f6sen verstehen?<\/em><br \/> Das Denken in dieser Kategorie ist mir sehr nahe. Tats\u00e4chlich setze ich mir mit jedem St\u00fcck ein Problem, das ich zu bew\u00e4ltigen versuche. Damit beginnt alles. Das Problem \u2013 oder besser: die Grundidee \u2013 kann musikalischer, menschlicher, philosophischer oder politischer Natur sein, allerdings wird das Publikum nie davon erfahren.<\/p>\n<p> <em>Komponieren Sie am Klavier?<\/em><br \/> Nein. Ich \u00fcberpr\u00fcfe h\u00f6chstens sehr komplizierte Akkorde am Klavier. Nur schon bei der Arbeit mit Viertelt\u00f6nen n\u00fctzt einem das Klavier ja nicht mehr.<\/p>\n<p> <em>Sie wissen genau, wie ihre Werke klingen, ohne sie je geh\u00f6rt zu haben?<\/em><br \/> Das zuverl\u00e4ssige innere Ohr entwickelt jeder Komponist mit der Zeit. Ich komponiere schon \u00fcber zwanzig Jahre. Zu Beginn meiner Laufbahn habe ich Kl\u00e4nge ausget\u00fcftelt, die dann im Konzert ganz anders t\u00f6nten, als ich mir vorgestellt hatte. Diese Situation ist der beste Lehrmeister! Heute gibt es f\u00fcr mich keine unliebsamen \u00dcberraschungen mehr.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"360\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100305hefti3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"360\"><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>\u00abIch erarbeite ein neues Werk mit den Interpreten akribisch, so dass es an der Urauff\u00fchrung genauso klingt, wie ich es mir vorstelle.\u00bb <\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <em>Der Interpret setzt Ihre Intentionen auch immer angemessen um?<\/em><br \/> Im Prinzip ja. Es ist aber interessant, wie unterschiedlich eine Komposition klingen kann, wenn zwei verschiedene Dirigenten sie auff\u00fchren, ohne dass einer davon der Partitur untreu w\u00e4re.<\/p>\n<p> <em>Gibt es oft Gelegenheit dazu, diese Erfahrung zu machen? In der Neuen Musik hat man das Gef\u00fchl, es gebe kaum Interpretationsgeschichte. Werke werden nach der Urauff\u00fchrung nicht oft nachgespielt.<\/em><br \/> Das ist tats\u00e4chlich ein Problem. Es ist mit ein Grund, weshalb heutige Komponisten alles sehr genau notieren. Der Interpret hat ja kaum Erfahrungswerte mit seiner Musik.<\/p>\n<p> <em>Wie viele ihrer Werke werden von andern Interpreten nachgespielt?<\/em><br \/> Relativ viele. Es ist aber folgende Tendenz bei vielen Veranstaltern festzustellen: Sie wollen Urauff\u00fchrungen und zeigen kein Interesse an Zweit- oder Drittauff\u00fchrungen, die f\u00fcr jeden Komponisten \u00e4usserst wichtig w\u00e4ren. Ich habe demgegen\u00fcber das Gl\u00fcck, dass meine St\u00fccke immer wieder und von verschiedenen Interpreten gespielt und nachgespielt werden. Daf\u00fcr bin ich dankbar.<\/p>\n<p> <em>Da sind Sie in einer gl\u00fccklichen Situation. Im Grunde genommen hilft n\u00e4mlich erst eine Interpretationsgeschichte, Bedeutung und Qualit\u00e4t eines Werkes einzusch\u00e4tzen. Fehlt sie, fehlt ein entscheidendes Qualit\u00e4tskriterium.<\/em><br \/> Nicht nur das. Ich erarbeite ein neues Werk mit den Interpreten akribisch, so dass es an der Urauff\u00fchrung genauso klingt, wie ich es mir vorstelle. Danach greife ich aber nicht mehr in die Interpretation ein. Mein erstes Streichquartett etwa ist vom gleichen Quartett oft gespielt worden. Es war sehr interessant zu verfolgen, wie sich das Werk dabei ver\u00e4ndert hat. Der Interpretationsanteil ist immer gr\u00f6sser und reifer geworden.<\/p>\n<p> <em>Trotz der peniblen Notation, die Sie erw\u00e4hnt haben?<\/em><br \/> Ich habe tats\u00e4chlich den Eindruck, ich lasse mit der sehr genauen Notation kaum Wahlm\u00f6glichkeiten. Es zeigt sich aber, dass gerade dieses enge Korsett dem Interpreten mehr Freiheit gibt. Das t\u00f6nt paradox, aber es ist eine Erfahrung, die ich immer wieder mache.<\/p>\n<p> <em>Zw\u00e4nge m\u00fcssen ja nicht schlecht sein. Die massiven \u00f6konomischen Zw\u00e4nge, denen sich Komponisten manchmal ausgesetzt sehen, scheinen Sie auch zu befl\u00fcgeln und eine innere Festigkeit und Ihr handwerkliches K\u00f6nnen zu st\u00e4rken.<\/em><br \/> Ich lege viel Wert aufs Handwerk. Schon in meiner Jugend habe ich f\u00fcr das Schulorchester geschrieben und so gelernt, mit dem Orchesterapparat umzugehen. Ideen hat jeder. Die grosse Kunst ist es aber, diese in ein Notenbild zu bringen, und zwar so, dass sie der Interpret angemessen umsetzen kann.<\/p>\n<p> <em>Geh\u00f6rt das nicht zum elementaren R\u00fcstzeug eines professionellen Tonsetzers?<\/em><br \/> Ich finde, der handwerkliche Anteil am Komponieren wird heute untersch\u00e4tzt; er ist sogar ein wenig verp\u00f6nt. Mir ist er aber sehr wichtig. Ich bekomme immer wieder Partituren zugeschickt, denen interessante Gedanken zugrundeliegen. Die sind jedoch handwerklich oft zu unsauber umgesetzt, als dass die Idee auch wirklich fassbar w\u00e4re. An den Hochschulen wird das Handwerk heute oft stark vernachl\u00e4ssigt. Es geht vor allem darum, m\u00f6glichst verr\u00fcckte Einf\u00e4lle zu haben. Auf die Umsetzung wird viel weniger Wert gelegt.<\/p>\n<p> <em>Machen Sie sich Gedanken \u00fcber ihre Zukunft. Gibt es eine Karriereplanung?<\/em><br \/> Karriereplanung nicht, Gedanken schon. Ich habe nat\u00fcrlich auch Zukunfts\u00e4ngste, da ich Kollegen gesehen habe, die eine gute Laufbahn hatten, und von einem Tag auf den andern waren sie nicht mehr gefragt. Da habe ich schon grossen Respekt vor der Zukunft. Aus diesem Grund plane ich relativ weit voraus. Ich habe aber vieles erreicht und bilde mir ein, auch einem m\u00f6glichen Karriereende eher gelassen entgegenzusehen. Das w\u00fcrde mich seelisch nicht zerst\u00f6ren. Aufh\u00f6ren ist aber heute kein Thema. Wenn ich am Morgen aufstehe, habe ich sofort Kl\u00e4nge im Kopf. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">30.04.2010 &#8212; Der 1975 geborene David Philip Hefti ist einer der meistgefragten Schweizer Komponisten seiner Generation. 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