{"id":31,"date":"2014-01-06T10:05:43","date_gmt":"2014-01-06T10:05:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/escom5-interview-klaus-ernst-behne\/"},"modified":"2014-01-06T10:05:43","modified_gmt":"2014-01-06T10:05:43","slug":"escom5-interview-klaus-ernst-behne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/escom5-interview-klaus-ernst-behne\/","title":{"rendered":"Escom5: Interview Klaus-Ernst Behne"},"content":{"rendered":"<p>16.09.2003<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Escom5 findet in Hannover in einer Zeit heftiger politischer Auseinandersetzungen um die Finanzierung von Kunst und Kultur statt. Im Codex-flores-Interview erkl\u00e4rt Klaus-Ernst Behne, was das Besondere an der Musikhochschule Hannover ist, welche Bedeutung die Konferenz f\u00fcr das Haus hat und welche Konsequenzen die Sparpl\u00e4ne der Regierung h\u00e4tten.<\/strong> <\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Codex flores<\/strong>: Ihre Hochschule gleicht im Moment einem Bienenhaus.<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-m-black\"><strong>Klaus-Ernst Behne<\/strong>: Die grosse Resonanz der gegenw\u00e4rtigen Escom-Tagung ist f\u00fcr mich \u00fcberw\u00e4ltigend. Ich bin erstaunt und erfreut dar\u00fcber, wie viele sich angemeldet haben, aber auch \u00fcber die thematische Vielfalt. Es l\u00e4sst sich ein durchwegs sehr hoher wissenschaftlicher Standard beobachten.<\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-s-black\">In den Themen oder der Pr\u00e4sentation? <\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-m-black\"> Der Standard ist im Bereich der Forschung selber sehr hoch, aber auch in der Art und Weise, wie die einzelnen Beitr\u00e4ge dargeboten werden.<\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-s-black\">Was f\u00fcr eine Bedeutung hat die Konferenz f\u00fcr die deutsche Musikpsychologie? <\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">Sie gibt den deutschsprachigen Kollegen die Gelegenheit, sich international darzustellen und darauf hinzuweisen, welche schon \u00fcber hundert Jahre alten Traditionen es hierzulande gibt. Das Fach Musikpsychologie ist ja im Wesentlichen im deutschsprachigen Raum entstanden, geschaffen von Pers\u00f6nlichkeiten wie von Helmholtz, Stumpf, Riemann, Kurth und R\u00e9v\u00e9sz. Womit ich aber die Leistungen eines Carl Seashore etwa keineswegs schm\u00e4lern will.<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-s-black\">Und wenn man nach vorne blickt?<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">Aufgrund der grossen Resonanz der Konferenz w\u00fcrde ich davon ausgehen, dass das Fach in den n\u00e4chsten zehn Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen wird. In der medizinisch orientierten Forschung, in den Disziplinen, die sich mit den Transfereffekten musikalischer Aktivit\u00e4ten besch\u00e4ftigen oder der Sozialpsychologie der Musik &#8211; um nur drei Bereiche zu nennen &#8211; kann man heute auf ein gro\u00dfes Literaturspektrum blicken. Das ist gunds\u00e4tzlich anders als vor zwanzig Jahren.<\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-s-black\">Wird sich auch etwas in den methodischen Ans\u00e4tzen der deutschen Musikpsychologie \u00e4ndern, die bis jetzt ja erkl\u00e4rtermassen stark soziologisch orientiert war? <\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-m-black\">Ich w\u00fcrde die Geschichte der deutschsprachigen Systematischen Musikwissenschaft nicht auf den soziologischen Bereich einengen. Man sieht eine grosse Methodenvielfalt.<\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-s-black\">Die deutschen Vertreter des Faches polemisieren aber auch hier an der Konferenz in moderater Form gerne gegen die wissenschaftlichen Moden, die von den USA zu uns ausstrahlen. <\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-m-black\">Nat\u00fcrlich wird auch bei uns heute die von den USA gepr\u00e4gte Form der Forschung betrieben, die zugegebenermassen bisweilen sehr partikular ist. Wie in den andern Wissenschaften aber auch, muss man manchmal ganz hart an den Details arbeiten. Dann sollte man aber wieder zur\u00fccktreten k\u00f6nnen und versuchen, einen ganzheitlichen Ansatz zu finden.<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-s-black\">Das wird dann auch getan?<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">Die Konferenz f\u00f6rdert das Bewusstsein f\u00fcr die Qualit\u00e4t ganzheitlicher Ans\u00e4tze auch bei unseren amerikanischen Kollegen. Ich glaube, sie fahren mit der Einsicht nach Hause, dass jeder, der \u00fcber das Musizieren und das Musikleben vern\u00fcnftige Aussagen machen will, einen solchen ganzheitlichen Ansatz in irgendeiner Form realisieren muss.<\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-s-black\"> Die Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Hannover widerspiegelt diese Vielfalt der Ans\u00e4tze in einzigartiger Weise. Wie ist es dazu gekommen und welche Perspektiven hat das Haus? <\/p>\n<p><\/span> <span class=\"txt-m-black\">Mitte der Siebzigerjahre wurde hier in Hannover eine Professur f\u00fcr Musikpsychologie ausgeschrieben, die ich \u00fcbernehmen durfte. Dar\u00fcber hinaus haben neben der Historischen Musikwissenschaft auch die Musikethnologie, die Musikphysiologie, die Musikermedizin und die Medienwissenschaft ihren Standort bei uns. Wir sind also in der gl\u00fccklichen Lage, dass wir ein vergleichsweise grosses Spektrum abdecken k\u00f6nnen und sich auch eine entsprechende Forschung entwickelt hat. Von daher lag es nahe, die Escom-Koferenz in Hannover durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-s-black\"> Die Vielfalt ist aber auch gef\u00e4hrdet. In Deutschland l\u00e4uft gegenw\u00e4rtig ein grosse Debatte um die Finanzierung von Kultur. Was sind die Konsequenzen f\u00fcr die Hochschule, wenn die geplanten K\u00fcrzungen tats\u00e4chlich realisiert werden?<\/p>\n<p> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">Die \u00f6ffentliche Debatte konzentriert sich in Niedersachsen im Moment auf das Theater und die Staatsoper. Die Musikhochschule ist aber auch betroffen. Wir werden in den n\u00e4chsten Wochen erfahren, in welchem Ausmass bei uns gespart werden soll. Es schweben Zahlen im Raum, die be\u00e4ngstigend sind und bedeuten w\u00fcrden, dass ganze Bereiche geschlossen werden m\u00fcssten. Vor diesem Hintergrund ist es nicht ung\u00fcnstig, dass eine solche Fachkonferenz stattfindet. Sie soll ja gerade auch das Bewusstsein daf\u00fcr sch\u00e4rfen, weshalb es so wichtig ist, dass Menschen musizieren.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.09.2003 Escom5 findet in Hannover in einer Zeit heftiger politischer Auseinandersetzungen um die Finanzierung von Kunst und Kultur statt. 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