{"id":314,"date":"2014-01-11T07:54:58","date_gmt":"2014-01-11T07:54:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/rueckblick-saw-you-in-frankfurt\/"},"modified":"2014-01-11T07:54:58","modified_gmt":"2014-01-11T07:54:58","slug":"rueckblick-saw-you-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/rueckblick-saw-you-in-frankfurt\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick (saw you in Frankfurt)"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"104\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">11.04.2005 &#8212; Das Internet ist fester Bestandteil der Musikbranche geworden. Nicht nur wegen der illegalen und mittlerweile legalen Downloads von Musik und damit der Funktion als neuem Distributionskanal f\u00fcr das immaterielle Gut Musik. Auch eine Dienstleistungsindustrie beginnt sich zu entwickeln. Auf der Musikmesse Frankfurt 2005 fanden sich erste fortgeschrittene Angebote, etwa eine Datenbank f\u00fcr Notenmaterial mit H\u00f6rbeispielen (<a href=\"http:\/\/www.notendatenbank.net\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.notendatenbank.net <\/a>) oder die Produktdatenbank <a href=\"http:\/\/www.musikweb24.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musikweb24.de<\/a>, die allerdings erst Mitte des kommenden Septembers starten soll.<\/p>\n<p> Auf der andern Seite stiessen wir in Frankfurt \u2013 vor allem bei Gespr\u00e4chen mit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern von kleineren und mittleren Traditionsbetrieben \u2013 auf teils harsche Ablehnung, wenn wir unser unentgeltliches Magazin vorzustellen versuchten (ohne dabei irgendetwas verkaufen zu wollen!) Die Reaktionen deuten darauf hin, dass das Web in diesen Kreisen zum Teil als Niedergang aller authentischen Kultur verstanden wird und ein fundamentaler Unwille besteht, sich damit vertraut zu machen. <\/p>\n<p> Bei den grossen Traditionsverlagen wiederum war zwar Offenheit gegen\u00fcber dem neuen Medium zu sp\u00fcren, dezidierte Internetstrategien sind aber kaum auszumachen \u2013 viele der entsprechenden Webauftritte sind halbherzig sowie technisch und in Sachen Usability suboptimal. Die Marketingaktivit\u00e4ten sind vor allem r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt und darauf bedacht, die gewachsenen Traditionen in \u00c4sthetik und handwerklicher Kultur von Druckerzeugnissen zu betonen. <\/p>\n<p> Real existierende Verlagswelt und virtuelle Distributionskan\u00e4le sind jedoch keine gegenseitige Bedrohung. Genausowenig wie exzellenter Druck und liebevoll gestaltete B\u00fccher obsolet w\u00fcrden, ist das Internet Ausdruck von marktschreierischer Oberfl\u00e4chlichkeit. Das Medium an und f\u00fcr sich ist wertneutral, und die Nutzung unterscheidet sich deutlich von derjenigen traditioneller Medien. Den Verlagen, welche die Komplementarit\u00e4t dieser Welten verstehen, steht die Zukunft offen. Diejenigen, welche die Augen vor den Entwicklungen verschliessen, verpassen hingegen eine einmalige Chance, einen Kanal f\u00fcr die eigenen Anliegen zu nutzen, der eben gerade in hohem Masse Autonomie und Raum zur Kreativit\u00e4t bietet. <\/p>\n<p> Auffallend war in Frankfurt auch, dass die neuen Technologien f\u00fcr die sogenannten E-Musikbereiche vor allem von asiatischen Anbietern erschlossen werden. Auch hier halten sich die Europ\u00e4er allzu vornehm zur\u00fcck, m\u00f6glicherweise im Glauben, Tablet-PC als Notentr\u00e4ger oder verspielte Varianten von Midi-Instrumenten seien bloss das Ding der popul\u00e4ren Musikmoden wie Turntabling und Raves. <\/p>\n<p> Auch der Mentalit\u00e4tsunterschied zwischen E- und Popmusik war offensichtlich, wenn man von der Halle 5 mit ihren brummenden, stampfenden und irisierenden Synthesizerkl\u00e4ngen in die Halle 6 der Violin- und Blasinstrumentemacher wechselte. Angesichts der handwerklichen Meisterschaft vieler traditioneller Anbieter sind Stolz und Skepsis gegen\u00fcber der hektischen Welt von DJ und elektronischem Soundmix nachvollziehbar. Traditionsbetriebe, die sich weigern, die M\u00f6glichkeiten des Internet f\u00fcr Marketing und Kommunikation in Eigenreige \u00fcberhaupt nur zu evaluieren, verpassen aber m\u00f6glicherweise eine Chance, sich in der Wahrung der eigenen Werte selber zu st\u00e4rken. Das Web ist ja wie gesagt an und f\u00fcr sich wertfrei, und sein Charakter wird von denen bestimmt, die es f\u00fcr ihre Zwecke nutzen.<\/p>\n<p> Zur Musikmesse findet sich <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=183\">hier<\/a> ein Bericht <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang B\u00f6hler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 11.04.2005 &#8212; Das Internet ist fester Bestandteil der Musikbranche geworden. 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