{"id":318,"date":"2014-01-11T07:57:35","date_gmt":"2014-01-11T07:57:35","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-zukunft-elektronischer-musik\/"},"modified":"2014-01-11T07:57:35","modified_gmt":"2014-01-11T07:57:35","slug":"die-zukunft-elektronischer-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-zukunft-elektronischer-musik\/","title":{"rendered":"Die Zukunft elektronischer Musik"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">17.06.2005 &#8212; Am Treffen \u00abnext generation\u00bb der deutschen Studios f\u00fcr elektronische Musik in Karlsruhe (eine Zusammenfassung des Abschlusspanels findet sich <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=199\">hier<\/a>) stand die Zukunft der elektroakustischen Musik zur Diskussion. Allgemein wurde beklagt, dass der finanzielle und k\u00fcnstlerische Spielraum immer enger wird.<\/p>\n<p> Man kann eine tiefsch\u00fcrfende \u00e4sthetische Diskussion \u00fcber die Geringsch\u00e4tzung ihrer \u00c4sthetik lostreten, die sicher ihre Berechtigung hat. Man kann das Problem auch von einem ganz pragmatischen Standpunkt aus betrachten, ohne dabei ein Werturteil zu f\u00e4llen: Elektroakustische Musik in der Tradition der europ\u00e4ischen Avantgarde vermag bloss ein exklusives Gr\u00fcppchen von Rezipienten zu interessieren. Im Vergleich dazu sind die Mittel, die zur Produktion aufgewendet werden m\u00fcssen, \u00fcberaus opulent: Studios sind nach wie vor teuer \u2013 nicht mehr allzusehr in der eigentlichen Studioelektronik als in bauakustischen Vorkehrungen \u2013 und nehmen, gerade auch in den neueren Entwicklungen hin zur r\u00e4umlichen Inszenierung eben viel Raum ein.<\/p>\n<p> Ungl\u00fccklicherweise pflegen nicht wenige Vertreter der Gattung auch noch gesellschafts- und kulturpolitisch Positionen, die Aussenstehenden elit\u00e4r scheinen m\u00f6gen. Es gen\u00fcgt ihnen nicht, einfach interessante Musik zu machen und die handwerklichen Mittel der Musik auf originelle Weise zu erweitern. Es werden auch gesinnungsethische Barrieren errichtet und kaum aktiv Ankn\u00fcpfungspunkte mit der popul\u00e4ren und Subkulturszene gesucht. <\/p>\n<p> Ein interessantes Projekt in die richtige Richtung w\u00e4re das Webradio der Degem (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr elektroakustische Musik) das anl\u00e4sslich des Treffens in Karlsruhe gestartet worden ist (<a href=\"http:\/\/biblio.zkm.de\/DegemWebradio\/radio.htm\" target=\"\u201cblank\u201c\" rel=\"noopener noreferrer\">biblio.zkm.de\/DegemWebradio\/radio.htm<\/a>), wenn es nicht bloss koventioneller Didaktik im Stil akademischer Hochschulvorlesungen fr\u00f6nen w\u00fcrde. Eine nicht unwesentliche Randbedingung sorgt dar\u00fcber hinaus daf\u00fcr, dass man damit im exklusiven kleinen Kreis bleibt: Aus \u00aburheberrechtlichen Gr\u00fcnden\u00bb k\u00f6nnen maximal 25 H\u00f6rer gleichzeitig den Stream abrufen. <\/p>\n<p> \u00c4hnliche Barrieren werden bei den Konzerten mit elektroakustischer Musik aufgerichtet: Man verharrt in einem klassischen Konzertsetting, mit Raumgestaltungen, Abl\u00e4ufen und Ritualen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen: Konzertstuhlung, Raumabdunkelung, Braves Stillsitzen, Dunkelgewandete Interpreten oder Exponenten, seriell abgearbeitete Konzertprogramme und Applaudieren mittels H\u00e4ndeklatschen. <\/p>\n<p> Ironischerweise bleibt die elektroakustische Musik damit in ihrer Art der Vermittlung weit hinter moderneren Ans\u00e4tzen von Kulturp\u00e4dagogik und -management zur\u00fcck \u2013 auf schon fast demonstrativ b\u00fcrokratischem und uninspiriertem Niveau. \u00abIronischerweise\u00bb, weil die elektroakustische Musik, die inhaltlich tats\u00e4chlich viel Spannendes zu sagen (beziehungsweise zu klingen) hat, ja ansonsten mit dem avantgardistischen Anspruch auftritt, Medien zu verbinden und als Schaltstelle verschiedenster Szenen zu fungieren. <\/p>\n<p> Man k\u00f6nnte sich vorstellen, dass die in dieser Art von Musik angelegte Multidisziplinarit\u00e4t sich auch auf die Vermittlungsaspekte ausweiten liesse. Weshalb also nicht einmal die Zusammenarbeit mit Ausbildungsst\u00e4tten von Radiojournalisten suchen und diesen ein Projekt Webradio schmackhaft machen? Weshalb nicht konsequent und systematisch Alternativen zum fantasielosen Konzertsetting entwickeln, etwa mit Klanginterventionen dort wo Menschen unt\u00e4tig warten m\u00fcssen: An Haltestellen, auf Flugh\u00e4fen, im Zahnarztwartezimmer, wo man die grauenhaften Bohrger\u00e4usche ironisch brechen k\u00f6nnte, in Telefonwarteschleifen, in \u00f6ffentlichen Bed\u00fcrfnisanstalten&#8230; Zahlreiche weitere Gebiete liessen sich vermutlich finden, um elektroakustische Musik unters Volk zu bringen: akustische Signaletik oder Stimmungskulissen f\u00fcr Sportanl\u00e4sse, mit denen die immer besorgniserregender werdende Verrohung der Sitten bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnte. Man kann davon ausgehen, dass Bayern M\u00fcnchen oder Schalke 04 die Stadionanlage zur Verf\u00fcgung stellen w\u00fcrden.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang B\u00f6hler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 17.06.2005 &#8212; Am Treffen \u00abnext generation\u00bb der deutschen Studios f\u00fcr elektronische Musik in Karlsruhe (eine Zusammenfassung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-318","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/318","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=318"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/318\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=318"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=318"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=318"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}