{"id":3210,"date":"2017-05-06T12:17:40","date_gmt":"2017-05-06T12:17:40","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/05\/06\/das-trio-rafale-spielt-fruehwerke\/"},"modified":"2017-05-06T12:17:40","modified_gmt":"2017-05-06T12:17:40","slug":"das-trio-rafale-spielt-fruehwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/05\/06\/das-trio-rafale-spielt-fruehwerke\/","title":{"rendered":"Das Trio Rafale spielt Fr\u00fchwerke"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/170506rafale.jpg\" border=\"0\" width=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>06.05.2017 &#8212; Es gab mal eine Zeit, da wurden k\u00fcnstlerische Lebenswerke auch als biografische Entwicklungslinien verstanden \u2012 als Wege von rebellischen, \u00e4sthetisch vielleicht k\u00fchnen, aber noch nicht vollendeten Willens\u00e4usserungen \u00fcber Perioden authentischer Produktivit\u00e4t bis hin zu reifen, gerne auf Wesentliches reduzierten Alterswerken. Komponistenlaufbahnen werden bis weit ins 20. Jahrhundert als Reife- und Entfaltungsprozesse verstanden. Jung Verstorbene, etwa Purcell, Pergolesi, Mozart oder Schubert, muss dabei posthum als \u00abFr\u00fchvollendeten\u00bb ein abgerundetes Gesamtwerk zugeschrieben werden. Dem Requiem eines 35-j\u00e4hrigen verleiht man dann wie im Falle Mozarts den Status eines todesnahen \u00abAlters\u00bb-Werkes. Einfach abgebrochene Werklinien oder Weisheitsverweigerungen \u2012 man denke etwa an Rossinis \u00abGefolterten Walzer\u00bb \u00abasthmatische Et\u00fcde\u00bb oder \u00abFehlgeburt einer Polka-Mazurka\u00bb \u2012 sperren sich allerdings gegen solche virtuellen Komplettierungen von Biografien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/170506rafale.jpg\" border=\"0\" width=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>06.05.2017 &#8212; Es gab mal eine Zeit, da wurden k\u00fcnstlerische Lebenswerke auch als biografische Entwicklungslinien verstanden \u2012 als Wege von rebellischen, \u00e4sthetisch vielleicht k\u00fchnen, aber noch nicht vollendeten Willens\u00e4usserungen \u00fcber Perioden authentischer Produktivit\u00e4t bis hin zu reifen, gerne auf Wesentliches reduzierten Alterswerken. Komponistenlaufbahnen werden bis weit ins 20. Jahrhundert als Reife- und Entfaltungsprozesse verstanden. Jung Verstorbene, etwa Purcell, Pergolesi, Mozart oder Schubert, muss dabei posthum als \u00abFr\u00fchvollendeten\u00bb ein abgerundetes Gesamtwerk zugeschrieben werden. Dem Requiem eines 35-j\u00e4hrigen verleiht man dann wie im Falle Mozarts den Status eines todesnahen \u00abAlters\u00bb-Werkes. Einfach abgebrochene Werklinien oder Weisheitsverweigerungen \u2012 man denke etwa an Rossinis \u00abGefolterten Walzer\u00bb \u00abasthmatische Et\u00fcde\u00bb oder \u00abFehlgeburt einer Polka-Mazurka\u00bb \u2012 sperren sich allerdings gegen solche virtuellen Abrundungen von Biografien.<\/span>\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Gibt es so etwas wie typische Eigenheiten oder gar notwendige Eigenschaften eines Fr\u00fchwerkes? Die Frage stellt auch das Schweizer Klaviertrio Rafale, das auf seiner CD \u00abFr\u00fchwerke\u00bb Kammermusik von Schostakowitsch (Trio Nr.1, c-Moll), Henze (Kammersonate), Rachmaninow (Trio \u00e9l\u00e9giaque) und Debussy (Trio in G) b\u00fcndelt und mit einem (als eine Art Feldforschung zum Thema?) sozusagen bewusst provozierten neuen Fr\u00fchwerk erg\u00e4nzt: Das Trio hat dem 32-j\u00e4hrigen Solothurner Jannik Giger (einem Sch\u00fcler von Dieter Ammann in Luzern sowie Michel Roth und Erik O\u00f1a in Basel) eigens einen Werkauftrag erteilt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Zu Gigers \u00abCaprice\u00bb schreibt das Trio, es sei gepr\u00e4gt vom \u00abstarken Drang einer inneren Energie nach Entladung\u00bb, auf der \u00abSuche nach dem Ungeb\u00e4ndigten\u00bb, mit der er es schaffe, \u00abjegliche Konventionen \u00fcber den Haufen zu werfen.\u00bb Da stellt sich (wie bei den andern Werke auf der CD nat\u00fcrlich auch) die Frage, wie weit ein junger Komponist in einer Art Rollenprosa eigene oder fremde Erwartungen an seine Jugendlichkeit zu erf\u00fcllen versucht \u2012 und vielleicht gerade darin sich eine noch nicht ausgebildete Souver\u00e4nit\u00e4t, einfach sich selber zu sein, offenbart. M\u00f6glicherweise ist dies <\/span><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">auch <\/span><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">eine Eigenheit, die Fr\u00fch- oder Jugendwerke speziell auszeichnet. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Man kann die Frage nach Authentizit\u00e4t, Qualit\u00e4t und Reife von Fr\u00fchwerken auch beiseite lassen. Ein gutes Argument zur Rechtfertigung des Programms der CD hat das Trio n\u00e4mlich, wenn es feststellt, dass \u00ab&#8217;Jugendwerke&#8216; relativ selten ihren Platz im Konzertbetrieb erhalten\u00bb, wie es im Booklet zu bedenken gibt. Und daf\u00fcr verdankenswerterweise eine Lanze bricht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das Trio Rafale ist mit internationalen Preisen bereits hochdotiert. Es hat 2014 im Londoner Kammermusiktempel Wigmore Hall deb\u00fctiert, 2015\/16 in der Berliner Philharmonie und 2016 am Lucerne Festival. 2016 ist es auch ins Mentoring-Programm des Beethoven-Hauses Bonn aufgenommen worden. Sein eigenes Fr\u00fchwerk hat es so wohl nun mehr oder weniger hinter sich. Es d\u00fcrfte sich lohnen, seine Weiterentwicklung (Reifephase?) aufmerksam mitzuverfolgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><br \/><span style=\"font-size: x-small;\"><strong>Info:<\/strong> Fr\u00fchwerke\/Youthful Passion, Werke von Schostakowitsch (Trio Nr.1, c-Moll), Henze (Kammersonate), Rachmaninow (Trio \u00e9l\u00e9giaque), Jannik Giger (Caprice) und Debussy (Trio in G). Trio Rafale (Maki Wiederkehr, Klavier; Daniel Meller, Violine; Flurin Cuonz, Violoncello), Coviello Classics 2017, aufgenommen im August 2015 im Radiostudio Z\u00fcrich. \u00a0\u00a0<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/170506rafale.jpg\" border=\"0\" width=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>06.05.2017 &#8212; Es gab mal eine Zeit, da wurden k\u00fcnstlerische Lebenswerke auch als biografische Entwicklungslinien verstanden \u2012 als Wege von rebellischen, \u00e4sthetisch vielleicht k\u00fchnen, aber noch nicht vollendeten Willens\u00e4usserungen \u00fcber Perioden authentischer Produktivit\u00e4t bis hin zu reifen, gerne auf Wesentliches reduzierten Alterswerken. Komponistenlaufbahnen werden bis weit ins 20. Jahrhundert als Reife- und Entfaltungsprozesse verstanden. Jung Verstorbene, etwa Purcell, Pergolesi, Mozart oder Schubert, muss dabei posthum als \u00abFr\u00fchvollendeten\u00bb ein abgerundetes Gesamtwerk zugeschrieben werden. Dem Requiem eines 35-j\u00e4hrigen verleiht man dann wie im Falle Mozarts den Status eines todesnahen \u00abAlters\u00bb-Werkes. 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