{"id":3225,"date":"2017-05-22T06:53:55","date_gmt":"2017-05-22T06:53:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/05\/22\/klavierkonzerte-in-kammermusik-versionen\/"},"modified":"2017-05-22T06:53:55","modified_gmt":"2017-05-22T06:53:55","slug":"klavierkonzerte-in-kammermusik-versionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/05\/22\/klavierkonzerte-in-kammermusik-versionen\/","title":{"rendered":"Klavierkonzerte in Kammermusik-Versionen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/1302224.jpg\" border=\"0\" width=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">20.05.2017 &#8212; Es war im 19. Jahrhundert \u00fcbliche Praxis, Orchesterwerke in abgespeckter Version anzubieten. Bedient wurden damit die Hausmusiker. Auf solche Bearbeitungen aus dem Jahr 1877 des heute praktisch vergessenen Leipziger Komponisten Richard Hofmann gehen etwa Einspielungen der beiden Chopin-Konzerte auf CD zur\u00fcck, welche die kanadische Pianistin Janina Fialkowska vor gut zehn Jahren mit den Chamber Players of Canada vorgelegt hat. Diejenige zum ersten Klavierkonzert in e-Moll op.11 dient nun auch dem in Z\u00fcrich t\u00e4tigen Pianisten See Siang Wong und dem durch den Kontrabassisten Szymon Marciniak verst\u00e4rkten G\u00e9meaux Quartett \u2012 als Basis f\u00fcr eine Gegen\u00fcberstellung eines Chopin-Konzertes im Taschenformat mit einer Bearbeitung von Beethovens viertem Klavierkonzert in G-Dur op. 58. Letzteres wurde um 1880 vom Augsburger Vinzenz Lachner geschrumpft. Auch dessen eigenes kompositorisches Werk ist weitestgehend der Vergessenheit anheimgefallen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/1302224.jpg\" border=\"0\" width=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">20.05.2017 &#8212; <\/span>Es war im 19. Jahrhundert \u00fcbliche Praxis, Orchesterwerke in abgespeckter Version anzubieten. Bedient wurden damit die Hausmusiker. Auf solche Bearbeitungen aus dem Jahr 1877 des heute praktisch vergessenen Leipziger Komponisten Richard Hofmann gehen etwa <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/index.php\/component\/content\/article\/9-im-gespraech\/265-chopins-konzerte-als-intime-kammermusik\">Einspielungen der beiden Chopin-Konzerte auf CD<\/a> zur\u00fcck, welche die kanadische Pianistin Janina Fialkowska vor gut zehn Jahren mit den Chamber Players of Canada vorgelegt hat. Diejenige zum ersten Klavierkonzert in e-Moll op.11 dient nun auch dem in Z\u00fcrich t\u00e4tigen Pianisten See Siang Wong und dem durch den Kontrabassisten Szymon Marciniak verst\u00e4rkten G\u00e9meaux Quartett \u2012 als Basis f\u00fcr eine Gegen\u00fcberstellung eines Chopin-Konzertes im Taschenformat mit einer Bearbeitung von Beethovens viertem Klavierkonzert in G-Dur op. 58. Letzteres wurde um 1880 vom Augsburger Vinzenz Lachner geschrumpft. Auch dessen eigenes kompositorisches Werk ist weitestgehend der Vergessenheit anheimgefallen.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">F\u00fcr einen Orchestersatz gelten andere Regeln als f\u00fcr Kammermusik: Das eine ein \u00d6lgemalde, wo auch dick aufgetragen werden kann, das andere eine Zeichnung, die einen subtilen, delikaten Federstrich voraussetzt. Chopins Orchesterbegleitungen in den Klavierkonzerten sind schon so etwas wie ein past\u00f6ser, \u00fcber weite Strecken eher blasser Malgrund f\u00fcr das virtuose Piano, oder auch gleich nichtssagend. Was aber schon schwach angelegt ist, verliert in der vegetarischen Version der solistischen Besetzungen noch mehr. Antworten, die das Orchester in Vollbesetzung auf Statements des Soloinstrumentes mit der Zur\u00fcckhaltung eines anonymen Stichwortgebers t\u00e4tigt, k\u00f6nnen in einer solistischen Fassung deplatziert oder gar anmassend wirken; die \u00e4sthetische H\u00f6he des Solisten ist in diesem falschen Rollenspiel f\u00fcr den Orchesterfiguranten gar nicht zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Schon der Orchestersatz Chopins wirkt etwas unentschlossen oder bloss harmlos kolorierend. In der reduzierten Fassung verst\u00e4rkt sich der fade Beigeschmack, nicht nur wenn ein einzelnes Streichinstrument etwa eine Hornfanfare ersetzen sollte: Wo das Orchester vollklingend im Tutti dem sich aufplusternden Klavierpart Gegenrede h\u00e4lt, wirkt die solistische Besetzung bloss def\u00e4tistisch. Dass das Klavier ab und an einspringt, um die fehlenden Bl\u00e4ser zu markieren (ein vermutlich schon zeitgen\u00f6ssischer Kunstgriff), wirkt so auch eher wie ein untauglicher Versuch, zu retten, was nicht zu retten ist.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Als Strategie, die auch im Beethoven-Konzert angewandt wird, \u00fcberzeugt das Markieren der Bl\u00e4serstimmen durch das Klavier nicht wirklich: Das Soloinstrument scheint die Rolle nur lustlos zu \u00fcbernehmen. Beethovens eingest\u00e4ndigerer Orchestersatz h\u00f6rt sich in der ausged\u00fcnnten Fassung aber interessanter an als sein chopinsches Gegenst\u00fcck. Zwar wird auch in diesem Fall auf Wirkung angelegten Tutti-Stellen die Spitze gebrochen. Daf\u00fcr finden sich in der Interpretation des G\u00e9meaux Quartetts spannende, typisch kammermusikalische Klangumsetzungen \u2012 zum\u00a0 Beispiel im zugleich harschen wie fahlen, vibratolosen Streicher-Unisono des zweiten Satzes.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Der Pianist und die Streicher agieren auf der vorliegenden CD musikantisch auf hohem Niveau. In der Umdisposition mit Schlagseite zugunsten des Klaviers schaffen sie ein intelligentes klangliches Gleichgewicht. Sie wecken damit aber auch die Neugier, ob man die gestellte Aufgabe konzeptionell nicht noch radikaler angehen und dabei weitere verborgene Schichten und Strukturen der Werke extrahieren k\u00f6nnte. Es handelt sich um Aufnahmen von Juli und Oktober 2013 im Radiostudio Z\u00fcrich. Der Sender SRF 2 Kultur amtet auch als Koproduzent. <em>(wb)<\/em>\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<\/strong><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Chopin, Piano Concerto No.1, Beethoven, Piano Concerto No. 4 \u2012 The Chamber Versions. See Siang Wong (Klavier), G\u00e9meaux Quartett, Szymon Marciniak (Kontrabass), RCA Red Seal (Sony Music), 2017.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/1302224.jpg\" border=\"0\" width=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">20.05.2017 &#8212; Es war im 19. Jahrhundert \u00fcbliche Praxis, Orchesterwerke in abgespeckter Version anzubieten. Bedient wurden damit die Hausmusiker. Auf solche Bearbeitungen aus dem Jahr 1877 des heute praktisch vergessenen Leipziger Komponisten Richard Hofmann gehen etwa Einspielungen der beiden Chopin-Konzerte auf CD zur\u00fcck, welche die kanadische Pianistin Janina Fialkowska vor gut zehn Jahren mit den Chamber Players of Canada vorgelegt hat. Diejenige zum ersten Klavierkonzert in e-Moll op.11 dient nun auch dem in Z\u00fcrich t\u00e4tigen Pianisten See Siang Wong und dem durch den Kontrabassisten Szymon Marciniak verst\u00e4rkten G\u00e9meaux Quartett \u2012 als Basis f\u00fcr eine Gegen\u00fcberstellung eines Chopin-Konzertes im Taschenformat mit einer Bearbeitung von Beethovens viertem Klavierkonzert in G-Dur op. 58. Letzteres wurde um 1880 vom Augsburger Vinzenz Lachner geschrumpft. 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