{"id":3275,"date":"2017-07-05T10:01:28","date_gmt":"2017-07-05T10:01:28","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/07\/05\/avital-meets-avital\/"},"modified":"2017-07-05T10:01:28","modified_gmt":"2017-07-05T10:01:28","slug":"avital-meets-avital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/07\/05\/avital-meets-avital\/","title":{"rendered":"Avital meets Avital"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/170701avitals.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"99\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>01.07.2017 &#8212; Der israelische Mandolinenspieler Avi Avital mit urspr\u00fcnglich marokkanischen Wurzeln ist unbestritten ein exzellenter Musiker. Sein Namensvetter mit \u00e4hnlicher Familiengeschichte, der Jazz-Kontrabassist Omer Avital, nicht minder. Rekombinationen mediterraner, j\u00fcdischer und volksnaher Tanz- und Gebrauchsmusik und Jazz sind en vogue. Auch das Album \u00abAvital meets Avital\u00bb reiht sich hier organisch ein. Auf einzelnen Titeln werden die beiden von Yonathan Avishai am Klavier, dem Perkussionisten Itamar Doari und dem Akkordeonisten Uri Sharlin erg\u00e4nzt. Man nimmt beim Abh\u00f6ren gef\u00e4llige Klangmixturen und Rhythmen zur Kenntnis; vom kompositorisch eher unverbindlichen Dahinfliessen allerdings schon fast ein wenig erm\u00fcdet spitzt man dann unversehens beim letzten Titel die Ohren: ein vergleichsweise schlichtes Duo, das aber deutlich mehr zu sagen haben scheint als alles Vorangehende.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/170701avitals.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"99\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>01.07.2017 &#8212; Der israelische Mandolinenspieler Avi Avital mit urspr\u00fcnglich marokkanischen Wurzeln ist unbestritten ein exzellenter Musiker. Sein Namensvetter mit \u00e4hnlicher Familiengeschichte, der Jazz-Kontrabassist Omer Avital, nicht minder. Rekombinationen mediterraner, j\u00fcdischer und volksnaher Tanz- und Gebrauchsmusik und Jazz sind en vogue. Auch das Album \u00abAvital meets Avital\u00bb reiht sich hier organisch ein. Auf einzelnen Titeln werden die beiden von Yonathan Avishai am Klavier, dem Perkussionisten Itamar Doari und dem Akkordeonisten Uri Sharlin erg\u00e4nzt. Man nimmt beim Abh\u00f6ren gef\u00e4llige Klangmixturen und Rhythmen zur Kenntnis; vom kompositorisch eher unverbindlichen Dahinfliessen allerdings schon fast ein wenig erm\u00fcdet spitzt man dann unversehens beim letzten Titel die Ohren: ein vergleichsweise schlichtes Duo, das aber deutlich mehr zu sagen haben scheint als alles Vorangehende.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das R\u00e4tsel l\u00f6st ein Blick ins Booklet: Es ist die einzige Nummer des Albums, der nicht melodisches Material aus der Feder von Omer oder Avi Avital zugrundeliegt, sondern eine Komposition des 1997 verstorbenen und in seiner Wahlheimat Israel hochgesch\u00e4tzten Moshe Vilenski. Das Aha-Erlebnis offenbart das Grundproblem solcher eklektischer Unternehmen: Sie untersch\u00e4tzen in der Regel die fundamentale Bedeutung der melodischen Rafinesse f\u00fcr die expressive Qualit\u00e4t solcher Crossover-Projekte. <\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> Im Gegensatz zur europ\u00e4ischen Kunstmusik des 20. Jahrhunderts, die Eing\u00e4ngigkeit und Expressivit\u00e4t im Melodischen als billige Melodienseligkeit oder gar verbrauchtes (nach Adorno gar \u00abfalsches\u00bb) Material diskreditierte, liegt die Tiefe und Genialit\u00e4t volksnaher Stile in Melodien, die sich \u00fcber Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte abschliffen und verfeinerten. Ein Zusammenmixen solcher Stile ist in der Regel nur m\u00f6glich, indem die sperrig-genialen Linien eingegl\u00e4ttet, banalisiert und nicht selten in ein allzu simplizistisches harmonisches Prokrustesbett gelegt werden, denn zum differenzierten Ausarbeiten harmonischer Originalit\u00e4t und Hintersinnigkeit reicht die Zeit bei Treffen viel besch\u00e4ftigter Musiker aus verschiedenen Welten auch nicht. <\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> Die meisten werden \u2012 das scheint uns auch f\u00fcr \u00abAvital meets Avital\u00bb der Fall \u2012 bloss in den Vorzimmern m\u00f6glicher Neubehausungen der Stilmixe realisiert. Erst wer in m\u00fchsamer und geduldiger Kleinarbeit die Horizontalen der zu verschmelzenden Idiome synthetisiert oder gleichwertig neu erfindet, d\u00fcrfte in die inneren Zimmerfluchten des neu zu zimmernden Hauses und damit zu g\u00fcltigen Resultaten gelangen. Unser schnelllebiges Musikgesch\u00e4ft scheint dazu allerdings nicht die besten Voraussetzungen zu bieten. <em>(wb) <\/em><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<\/strong> Avital meets Avital, Deutsche Grammophon, 2017<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2017\/170701avitals.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"99\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>01.07.2017 &#8212; Der israelische Mandolinenspieler Avi Avital mit urspr\u00fcnglich marokkanischen Wurzeln ist unbestritten ein exzellenter Musiker. Sein Namensvetter mit \u00e4hnlicher Familiengeschichte, der Jazz-Kontrabassist Omer Avital, nicht minder. Rekombinationen mediterraner, j\u00fcdischer und volksnaher Tanz- und Gebrauchsmusik und Jazz sind en vogue. 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