{"id":3283,"date":"2017-07-12T09:18:58","date_gmt":"2017-07-12T09:18:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/07\/12\/unvereinbare-aesthetische-grundhaltungen\/"},"modified":"2017-07-12T09:18:58","modified_gmt":"2017-07-12T09:18:58","slug":"unvereinbare-aesthetische-grundhaltungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/07\/12\/unvereinbare-aesthetische-grundhaltungen\/","title":{"rendered":"Unvereinbare \u00e4sthetische Grundhaltungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">08.07.2017 &#8212; Das Musikleben pr\u00e4gt ein fundamentales zwischenmenschliches Missverst\u00e4ndnis. Es ist Folge unterschiedlicher, ja gar kontr\u00e4rer Grundhaltungen zwei sozialer Kulturen gegen\u00fcber der Musik: Die eine k\u00f6nnte man als Sich-selber-Ausstellen bezeichnen, die andere als Sich-selber-Zur\u00fcckstellen. Erstere hat kreative, disruptive, aber auch narzisstische Z\u00fcge, letztere identit\u00e4tsfestigende, Werte vergewissernde, aber auch abgrenzende Z\u00fcge. Zu den ersteren geh\u00f6ren die urbanen Jugendkulturen, die diversen Star- und Geniekulte und die elit\u00e4ren Avantgardeszenen, zu den letzteren Volksmusikszenen, traditionelle b\u00fcrgerliche Musikvereine und die Kirchenmusik.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">08.07.2017 &#8212; Das Musikleben pr\u00e4gt ein fundamentales zwischenmenschliches Missverst\u00e4ndnis. Es ist Folge unterschiedlicher, ja gar kontr\u00e4rer Grundhaltungen zwei sozialer Kulturen gegen\u00fcber der Musik: Die eine k\u00f6nnte man als Sich-selber-Ausstellen bezeichnen, die andere als Sich-selber-Zur\u00fcckstellen. Erstere hat kreative, disruptive, aber auch narzisstische Z\u00fcge, letztere identit\u00e4tsfestigende, Werte vergewissernde, aber auch abgrenzende Z\u00fcge. Zu den ersteren geh\u00f6ren die urbanen Jugendkulturen, die diversen Star- und Geniekulte und die elit\u00e4ren Avantgardeszenen, zu den letzteren Volksmusikszenen, traditionelle b\u00fcrgerliche Musikvereine und die Kirchenmusik.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> Im Grunde genommen wollen beide Kulturen dasselbe: Sie verstehen Musik als Botschafterin von Frieden und Vers\u00f6hnung \u2012 als ein Mittel, die W\u00fcrde des Menschen zu sichern und gegen jegliche Form der Barbarei zu verteidigen. Erstere sehen dieses Ziel dadurch gew\u00e4hrt, dass gesellschaftliche Ketten gebrochen werden, dem Individuum pers\u00f6nliche Selbstenfaltung zugestanden wird und F\u00e4higkeiten, die das Durchschnittliche \u00fcbersteigen, zum Bl\u00fchen gebracht werden. Die andern sehen die Ziele erf\u00fcllt in der Feier der Gemeinschaft, die Unterschiede in den Hintergrund r\u00fcckt und Solidarit\u00e4t, Dienst an der Gesellschaft und Zuverl\u00e4ssigkeit festigt. <\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Tragischerweise werfen sich die Repr\u00e4sentanten der einen und der andern Kultur gegenseitig Selbstbezogenheit und R\u00fccksichtslosigkeit vor und sehen sich selber jeweils als Verfechter von Toleranz und gesellschaftlicher Offenheit. Die urbanen Avantgardisten, die mit engem Blick ihr eigenes selbstdeklariertes innovatives Treiben zum Massstab des Relevanten machen und Identit\u00e4tsfestigendes als volkst\u00fcmelei abtun, wirken dabei genauso hinterw\u00e4lderisch wie Traditionalisten, die Kulturerbe mit starren Regelwerken jegliche Lebendigkeit austreiben. Die aktuelle Populismusdebatte verst\u00e4rkt diese Tendenzen.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Kennzeichen einer offenen Gesellschaft: Nicht die Positionen und Lebensentw\u00fcrfe z\u00e4hlen, sondern die F\u00e4higkeit, Lebendiges von Erstarrtem zu unterscheiden, ersterem ungeachtet eigener \u00dcberzeugungen Raum zu geben und ihm mit Wertsch\u00e4tzung zu begegnen. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">08.07.2017 &#8212; Das Musikleben pr\u00e4gt ein fundamentales zwischenmenschliches Missverst\u00e4ndnis. Es ist Folge unterschiedlicher, ja gar kontr\u00e4rer Grundhaltungen zwei sozialer Kulturen gegen\u00fcber der Musik: Die eine k\u00f6nnte man als Sich-selber-Ausstellen bezeichnen, die andere als Sich-selber-Zur\u00fcckstellen. Erstere hat kreative, disruptive, aber auch narzisstische Z\u00fcge, letztere identit\u00e4tsfestigende, Werte vergewissernde, aber auch abgrenzende Z\u00fcge. Zu den ersteren geh\u00f6ren die urbanen Jugendkulturen, die diversen Star- und Geniekulte und die elit\u00e4ren Avantgardeszenen, zu den letzteren Volksmusikszenen, traditionelle b\u00fcrgerliche Musikvereine und die Kirchenmusik.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-3283","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3283","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3283"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3283\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3283"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3283"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3283"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}