{"id":33,"date":"2014-01-06T10:09:35","date_gmt":"2014-01-06T10:09:35","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/die-orgel-lernt-atmen\/"},"modified":"2014-01-06T10:09:35","modified_gmt":"2014-01-06T10:09:35","slug":"die-orgel-lernt-atmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/die-orgel-lernt-atmen\/","title":{"rendered":"Die Orgel lernt atmen"},"content":{"rendered":"<p>02.07.2004<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Im Rahmen des Forschungsprojektes \u00abInnov-Organ-um\u00bb t\u00fcfteln die Musikhochschulen von Bern und Z\u00fcrich und die technischen Fachhochschule Biel an einer Weiterentwicklung der Ausdrucksm\u00f6glichkeiten der Kirchenorgel. Nach f\u00fcnf Jahren Entwicklungsarbeit haben sie diesen Fr\u00fchling mit einem \u00abPrototyp III\u00bb das erste produktiv verwendbare Instrument pr\u00e4sentiert.<\/strong><\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/020704orgel01.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" \/><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Der geistige Vater des Projektes ist der Bieler Stadtorganist Daniel Glaus, der in Bern, Freiburg im Breisgau und Paris Komposition und Orgel studiert hat. Er litt \u00abseit er Orgel spielte darunter, dass das hochkomplexe und teure System die Qualit\u00e4t der Pfeifen nur ganz rudiment\u00e4r ausnutzen kann\u00bb und entwarf im Geist ein Instrument, das \u00e4hnlich wie moderne Synthesizer den Ton zu modulieren erlaubt, auch nachdem eine Taste bereits angeschlagen ist. <\/p>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/020704orgel05.jpg\" border=\"0\" width=\"204\" height=\"161\" style=\"float: right; margin: 8px;\" \/>1997\/98 f\u00fchrte Glaus erste Sondierungsgespr\u00e4che mit Vertretern der Berner und Z\u00fcrcher Fachhochschulen, die ihn schliesslich in Kontakt mit Daniel Debrunner, einem Spezialisten f\u00fcr Steuerungslektronik und passionierten Orgelliebhaber, brachte. Zu ihnen stiessen schliesslich auch die Orgelbauer Peter Kraul (Herwangen-Sch\u00f6nbach, Deutschland) und Johannes R\u00f6hrig (Neuenburg). Das Forschungsprojekt, das sie 1999 vorlegten, nimmt von einer m\u00f6glichen Parallele zu modernen elektronischen Instrumenten Abstand. Ihr Ziel ist es, die expressiven M\u00f6glichkeiten der Pfeifenorgel mit den technischen Mitteln des 17. und 18 Jahrhunderts anzugehen. Im Zentrum der Forschungen stehen M\u00f6glichkeiten, mit Hilfe des Tastendrucks die Luftzufuhr zu den Pfeifen und damit den Klang differenziert steuern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Im Jahr 2000 entsteht ein erster Prototyp mit drei Tasten, doppelter Windversorgung f\u00fcr ein normales Schwanzventilsystem und ein dazukoppelbares Kegelventilsystem. Das technische Herzst\u00fcck der Versuchsanordnung ist ein hochsensibles mechanisches Ventil, mit dem die Luftzufuhr zu einer Pfeife nicht einfach an- und ausgeschaltet wird, sondern \u00fcber die Tastatur stufenlos von \u00abkeine Luft\u00bb bis \u00abmaximale Luftzufuhr\u00bb geregelt werden kann. <br \/><\/span><\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/020704orgel03.jpg\" border=\"0\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Im 2001 folgt der Prototyp II, nun mit 25 Tasten, 75 Pfeifen, Traktur\u00fcbersetzungen und einem Mechanismus um Kegel- und Schwanzsysteme zu koppeln. Am Schweizerischen Tonk\u00fcnstlerfest 2002 in Biel erklingt die erste Komposition \u00ad \u00abSpisui\u00bb \u00ad f\u00fcr das neue Instrument. Geschrieben worden ist sie von J\u00fcrg Lindenberg, einem Kompositionssch\u00fcler von Daniel Glaus. <\/p>\n<p> Ab 2002 wird das Projekt auch vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterst\u00fctzt. Der Prototyp III wird gebaut. Dabei handelt es sich um ein vollst\u00e4ndiges Instrument mit f\u00fcnf Oktaven, f\u00fcnf Registern, 443 Pfeifen, diversen Hebelz\u00fcgen und Fusstritteinrichtungen zum Ver\u00e4ndern der Einstellungen, drei Manualen und Pedal.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/020704orgel04.jpg\" border=\"0\" style=\"float: right; margin: 8px;\" \/>\u00a0Die Register sind: Achtfuss Prinzipal und Gedackt, Vierfuss Fl\u00f6te, Quinte, Terz und ein spezieller Pfeifentyp ohne Labien. Sein Ton \u00e4hnelt mehr demjenigen einer Windharfe als dem einer traditionellen Orgelpfeife. <\/p>\n<p> Das erste Manual steuert Kegelventile und ist besonders f\u00fcr experimentelle Musik geeignet. Das dritte Manual repr\u00e4sentiert die traditionelle Spielweise und das mittlere dient der Kopplung der beiden andern. Die Luftzufuhr zu den Pfeifen kann nicht nur \u00fcber die Manuale, sondern auch mit den F\u00fcssen differenziert geregelt werden. Man bedient dazu zwei B\u00e4lge, mit der die Grundst\u00e4rke der Windzufuhr skaliert wird. <\/p>\n<p> Der (transportierbare) Prototyp III steht seit Februar dieses Jahres im Grossen Konzertsaal der Hochschule der K\u00fcnste Bern. Ein vierter Prototyp soll als Hauptorgel in die Stadtkirche Biel Eingang finden.<\/span><\/p>\n<p> Daniel Glaus ist von den bisherigen Resultaten mehr als befriedigt. In einer Pressedokumentation zum Prototyp III schreibt er: \u00abNun ist es m\u00f6glich, auf dem ganzen Tonumfang, auf Manualen und Pedal mit einfachen mechanischen Mitteln einen unendlichen Reichtum an Klangfarben und Nuancen hervorzuzaubern. Mit wenigen Hebelz\u00fcgen kann der Charakter der Spieltraktur v\u00f6llig ver\u00e4ndert werden: von hart spuckend, fast perkussiv, xylophonartig bei geringstem Tastentiefgang bis zu sehr weich mit grossem Tastentiefgang f\u00fcr romantische, ineinanderfliessende \u00dcberlegati.\u00bb Nun will sich das Team unter anderm auf die Suche nach Komponisten machen, die f\u00fcr die Avantgarde-Orgel Werke schreiben m\u00f6chten.<br \/><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/020704orgel02.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" \/><br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>02.07.2004 \u00a0 Im Rahmen des Forschungsprojektes \u00abInnov-Organ-um\u00bb t\u00fcfteln die Musikhochschulen von Bern und Z\u00fcrich und die technischen Fachhochschule Biel an&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-33","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-systematische-musikwissenschaften","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}