{"id":3306,"date":"2017-08-31T04:24:07","date_gmt":"2017-08-31T04:24:07","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/08\/31\/verarmt-das-feuilleton-immer-mehr\/"},"modified":"2017-08-31T04:24:07","modified_gmt":"2017-08-31T04:24:07","slug":"verarmt-das-feuilleton-immer-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/08\/31\/verarmt-das-feuilleton-immer-mehr\/","title":{"rendered":"Verarmt das Feuilleton immer mehr?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">23.08.2017 &#8212; Tamedia hat angek\u00fcndigt, die Redaktionen ihrer Tageszeitungen \u2013 unter anderem \u00abTages Anzeiger\u00bb, \u00abBund\u00bb und \u00abBerner Zeitung\u00bb \u2013 zu fusionieren. Dies weckt Bef\u00fcrchtungen, die traditionelle Printberichterstattung zur Kultur k\u00f6nnte gef\u00fchlt noch mehr verarmen. Insbesondere Kulturinstitutionen in St\u00e4dten wie Bern, die (mit den Tamedia-Bl\u00e4ttern \u00abBund\u00bb und \u00abBerner Zeitung\u00bb) fast ausschliesslich von Titeln eines Zeitungsverlags bedient werden, m\u00fcssen damit rechnen, kaum noch auf dem Radar eines lokalen Feuilletons zu sein. Man kann dies allerdings bloss dann als Leistungsabbau verstehen, wenn man das Modell des 19. und 20. Jahrhunderts vor sich sieht, in dem eine (sehr) \u00fcberblickbare Menge an Veranstaltern eine (sehr) \u00fcberblickbare Menge an Veranstaltungen veranstaltete und es ein paar wenigen Berichterstattern in Form von Redaktoren und freien Mitarbeitern m\u00f6glich war, deren Aktivit\u00e4ten mehr oder weniger l\u00fcckenlos mit Vorschauen, Hintergrundberichten und Kritiken zu begleiten. Das waren dann das Stadttheater, das Symphonieorchester, ein paar Ch\u00f6re und Kammerensembles, vielleicht ein, zwei Jazzclubs und eine Handvoll Kinos.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">23.08.2017 &#8212; Tamedia hat angek\u00fcndigt, die Redaktionen ihrer Tageszeitungen \u2013 unter anderem \u00abTages Anzeiger\u00bb, \u00abBund\u00bb und \u00abBerner Zeitung\u00bb \u2013 zu fusionieren. Dies weckt Bef\u00fcrchtungen, die traditionelle Printberichterstattung zur Kultur k\u00f6nnte gef\u00fchlt noch mehr verarmen. Insbesondere Kulturinstitutionen in St\u00e4dten wie Bern, die (mit den Tamedia-Bl\u00e4ttern \u00abBund\u00bb und \u00abBerner Zeitung\u00bb) fast ausschliesslich von Titeln eines Zeitungsverlags bedient werden, m\u00fcssen damit rechnen, kaum noch auf dem Radar eines lokalen Feuilletons zu sein. Man kann dies allerdings bloss dann als Leistungsabbau verstehen, wenn man das Modell des 19. und 20. Jahrhunderts vor sich sieht, in dem eine (sehr) \u00fcberblickbare Menge an Veranstaltern eine (sehr) \u00fcberblickbare Menge an Veranstaltungen veranstaltete und es ein paar wenigen Berichterstattern in Form von Redaktoren und freien Mitarbeitern m\u00f6glich war, deren Aktivit\u00e4ten mehr oder weniger l\u00fcckenlos mit Vorschauen, Hintergrundberichten und Kritiken zu begleiten. Das waren dann das Stadttheater, das Symphonieorchester, ein paar Ch\u00f6re und Kammerensembles, vielleicht ein, zwei Jazzclubs und eine Handvoll Kinos.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> In Tat und Wahrheit wird heute bereits so viel Kulturjournalismus \u2013 auch hervorragender \u2013 betrieben als je zuvor, und dennoch wird kaum noch ein Bruchteil dessen, was so l\u00e4uft, abgebildet. Ob nun auch noch letzte Reste der traditionellen kritischen Begleitung lokaler Institutionen verschwindet, ist dabei eher zweitrangig. Die Frage ist, ob das, was das Feuilleton fr\u00fcher f\u00fcr die Kultur leistete, heute \u00fcberhaupt vermisst wird \u2013 Interesse daran haben doch eher die Institutionen selber, welche die redaktionelle Beachtung als Form des Selbstmarketings verstehen \u2013 und wodurch es gegebenfalls ersetzt werden m\u00fcsste, und wie.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Hinweise auf interessante Veranstaltungen fehlen heute zum Beispiel nicht. Die Funktionen haben die Eigenpublikationen der Kulturinstitutionen und die sozialen Medien \u00fcbernommen. Beurteilungen von kulturellen Leistungen, welche die Qualit\u00e4t der Angebote garantieren und Ungen\u00fcgendes aussortieren, werden durch den professionellen Diskurs an Kunsthochschulen, Wettbwerben und in F\u00f6rderstiftungen garantiert. Man hat den Verdacht, dass der gef\u00fchlte Abbau von Kulturjournalismus im Bl\u00e4tterwald vor allem von denen beklagt wird, die einst als Kulturjournalisten der Illusion nachh\u00e4ngen konnten, im Kulturbetrieb als Kritiker und Vermittler eine bedeutende Rolle zu spielen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Was aber fehlt wirklich im heutigen Kulturjournalismus? In erster Linie m\u00fcsste er Debatten und die Reflektion \u00fcber die Kultur orchestrieren. Da bieten die Kulturinstitutionen mit ihren eigenen Publikationen eigentlich eine Steilvorlage. Man m\u00fcsste diese Selbstdarstellungen kontinuierlich kritisch hinterfragen und andere Perspektiven aufzeigen. Allerdings sind es nicht selten dieselben Journalisten, die f\u00fcr die Zeitungen schreiben und die institutionellen Medien mit Texten bedienen. Ein solcher Spagat ist halt eben schwierig. Wenn der Kulturjournalismus an Sch\u00e4rfe und Relevanz verliert, ist das also auch eine Folge davon, dass Kulturjournalisten auf zu vielen Hochzeiten tanzen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">23.08.2017 &#8212; Tamedia hat angek\u00fcndigt, die Redaktionen ihrer Tageszeitungen \u2013 unter anderem \u00abTages Anzeiger\u00bb, \u00abBund\u00bb und \u00abBerner Zeitung\u00bb \u2013 zu fusionieren. Dies weckt Bef\u00fcrchtungen, die traditionelle Printberichterstattung zur Kultur k\u00f6nnte gef\u00fchlt noch mehr verarmen. Insbesondere Kulturinstitutionen in St\u00e4dten wie Bern, die (mit den Tamedia-Bl\u00e4ttern \u00abBund\u00bb und \u00abBerner Zeitung\u00bb) fast ausschliesslich von Titeln eines Zeitungsverlags bedient werden, m\u00fcssen damit rechnen, kaum noch auf dem Radar eines lokalen Feuilletons zu sein. Man kann dies allerdings bloss dann als Leistungsabbau verstehen, wenn man das Modell des 19. und 20. Jahrhunderts vor sich sieht, in dem eine (sehr) \u00fcberblickbare Menge an Veranstaltern eine (sehr) \u00fcberblickbare Menge an Veranstaltungen veranstaltete und es ein paar wenigen Berichterstattern in Form von Redaktoren und freien Mitarbeitern m\u00f6glich war, deren Aktivit\u00e4ten mehr oder weniger l\u00fcckenlos mit Vorschauen, Hintergrundberichten und Kritiken zu begleiten. Das waren dann das Stadttheater, das Symphonieorchester, ein paar Ch\u00f6re und Kammerensembles, vielleicht ein, zwei Jazzclubs und eine Handvoll Kinos.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-3306","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3306"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3306\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}