{"id":3319,"date":"2017-09-12T09:13:51","date_gmt":"2017-09-12T09:13:51","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/09\/12\/die-rettung-der-welt-aus-dem-geiste-der-musik\/"},"modified":"2017-09-12T09:13:51","modified_gmt":"2017-09-12T09:13:51","slug":"die-rettung-der-welt-aus-dem-geiste-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2017\/09\/12\/die-rettung-der-welt-aus-dem-geiste-der-musik\/","title":{"rendered":"Die Rettung der Welt aus dem Geiste der Musik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">09.09.2017 &#8212; Ich mag die zeitgen\u00f6ssische Klassik (das Erbe dessen, was mal Neue Musik hiess, man kann\u2019s auch europ\u00e4ische Kunstmusik der Gegenwart nennen oder meintwegen irgendwie). Es gab in den vergangenen Jahren Werke \u2013 Urauff\u00fchrungen (Dieter Ammann), oder Ikonen der j\u00fcngsten Musikgeschichte (etwa von Klaus Huber oder Heinz Holliger) \u2013 die mich fasziniert haben. Zu andern Werken hatte ich weniger Zugang, aber das ist ja normal. Eines allerdings ist mir aufgefallen: Je hermetischer und elit\u00e4rer ein Werk sich gibt (die Adorno-Paraphrase im Umstellen des Reflexivpronomens erkannt?), umso unerbittlicher wird der Anspruch seiner Sch\u00f6pfer und Verfechter auf Erkenntnisrelevanz und Wertigkeit \u2013 bis zum Extrem, in dem sich das Werk den H\u00f6renden ganz verweigert, aber von ihnen alles an Gesinnungsethik fordert.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">09.09.2017 &#8212; Ich mag die zeitgen\u00f6ssische Klassik (das Erbe dessen, was mal Neue Musik hiess, man kann\u2019s auch europ\u00e4ische Kunstmusik der Gegenwart nennen oder meintwegen irgendwie). Es gab in den vergangenen Jahren Werke \u2013 Urauff\u00fchrungen (Dieter Ammann), oder Ikonen der j\u00fcngsten Musikgeschichte (etwa von Klaus Huber oder Heinz Holliger) \u2013 die mich fasziniert haben. Zu andern Werken hatte ich weniger Zugang, aber das ist ja normal. Eines allerdings ist mir aufgefallen: Je hermetischer und elit\u00e4rer ein Werk sich gibt (die Adorno-Paraphrase im Umstellen des Reflexivpronomens erkannt?), umso unerbittlicher wird der Anspruch seiner Sch\u00f6pfer und Verfechter auf Erkenntnisrelevanz und Wertigkeit \u2013 bis zum Extrem, in dem sich das Werk den H\u00f6renden ganz verweigert, aber von ihnen alles an Gesinnungsethik fordert.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Experimente zeitgen\u00f6ssischer Klassik gehen denn auch kaum \u00fcber die B\u00fchne, ohne irgendwelche Assoziationen mit aktuellen geopolitischen Problemen oder sozialen Herausforderungen. Die Zeiten (die gab\u2019s mal), wo Komponisten nicht danach beurteilt wurden, was sie komponierten, sondern welche theoretischen Pamphlete sie verfasst hatten, sind zwar gottlob vorbei. Ihr Geist lebt aber weiter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> Da hat die zeitgen\u00f6ssische E-Musik interessanterweise etwas gemeinsam mit dem Feminismus oder den eng verwandten modischen Gender-Theorien: Die Grundanliegen beider sind nicht zu haben ohne weitgehend linke Ideologie und linken Lifestyle mit exklusiven Welterkl\u00e4rungs- und -rettungsposen. Das ist doppelt am\u00fcsant, weil die finanziellen Mittel f\u00fcr Kompositionsauftr\u00e4ge und Auff\u00fchrungen zu einem gewichtigen Teil aus den Kassen der Bankenstiftungen des patriarchalen Raubtierkapitalismus stammen. Ist ja sozusagen auch eine Form der Expropriation der Expropriateure.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> Der zeitgen\u00f6ssischen E-Musik (oder Neuen Musik oder wie auch immer) w\u00e4re vermutlich gedient, wenn man ihr konzeptuelles Umfeld auf realistische Dimensionen schrumpfen w\u00fcrde: auf die Lust am Erproben und Weiterentwickeln von Organisationsformen der Tonkunst und ihrer Wirkungen auf H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer. Es w\u00e4r&#8216; dann zwar nicht mehr die Erl\u00f6sung der Menschheit aus dem Geiste der Musik, sondern einfach eine etwas m\u00f6glicherweise verschrobene Spielwiese von T\u00fcftlern und Bastlern. Einladender w\u00e4re ein solche f\u00fcr Nichtklubmitglieder aber allemal. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">09.09.2017 &#8212; Ich mag die zeitgen\u00f6ssische Klassik (das Erbe dessen, was mal Neue Musik hiess, man kann\u2019s auch europ\u00e4ische Kunstmusik der Gegenwart nennen oder meintwegen irgendwie). Es gab in den vergangenen Jahren Werke \u2013 Urauff\u00fchrungen (Dieter Ammann), oder Ikonen der j\u00fcngsten Musikgeschichte (etwa von Klaus Huber oder Heinz Holliger) \u2013 die mich fasziniert haben. Zu andern Werken hatte ich weniger Zugang, aber das ist ja normal. Eines allerdings ist mir aufgefallen: Je hermetischer und elit\u00e4rer ein Werk sich gibt (die Adorno-Paraphrase im Umstellen des Reflexivpronomens erkannt?), umso unerbittlicher wird der Anspruch seiner Sch\u00f6pfer und Verfechter auf Erkenntnisrelevanz und Wertigkeit \u2013 bis zum Extrem, in dem sich das Werk den H\u00f6renden ganz verweigert, aber von ihnen alles an Gesinnungsethik fordert.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-3319","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3319"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3319\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}