{"id":332,"date":"2014-01-11T08:07:04","date_gmt":"2014-01-11T08:07:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/mohammed-als-witzfigur-was-bringt-s\/"},"modified":"2014-01-11T08:07:04","modified_gmt":"2014-01-11T08:07:04","slug":"mohammed-als-witzfigur-was-bringt-s","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/mohammed-als-witzfigur-was-bringt-s\/","title":{"rendered":"Mohammed als Witzfigur &#8211; was bringt&#8217;s?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">10.02.2006 &#8212; Der Streit um die d\u00e4nischen Karikaturen Mohammeds nimmt immer unsch\u00f6nere Formen an. Die Fronten verh\u00e4rten sich. F\u00fcr den \u00abaufgekl\u00e4rten\u00bb Westen steht scheinbar die freie Meinungs\u00e4usserung auf dem Spiel, f\u00fcr die islamische Welt der Respekt vor den eigenen religi\u00f6sen Gef\u00fchlen. Tats\u00e4chlich ist die Konfrontation zu bedauern, allerdings aus einem ganz andern Grund: Man h\u00e4tte der gewichtigen Frage, in welcher Form sich Nichtangeh\u00f6rige \u00fcber die Glaubensregeln einer religi\u00f6sen Gemeinschaft \u00e4ussern d\u00fcrfen, einen etwas tiefersch\u00fcrfenden Ausl\u00f6ser gew\u00fcnscht als die h\u00f6chst mittelm\u00e4ssigen Karikaturen eines d\u00e4nischen Lokalblattes.<\/p>\n<p> Es gilt zun\u00e4chst einmal, zwei Dinge auseinanderzuhalten: Zum einen die Legalit\u00e4t solcher Karikaturen, zum andern ihr Zweck. An der Legalit\u00e4t der Zeichnungen gibt es nichts zu r\u00fctteln. Satire darf alles \u2013 leider auch schlechte \u2013 und keiner darf verfolgt oder verurteilt werden, der sich ihrer bedient. Die Freiheit der Satire hat mit Qualit\u00e4t und Sinn f\u00fcr Geschmack nichts zu tun. Diese Legalit\u00e4t kann aber, wie sich zeigen l\u00e4sst, auch f\u00fcr gl\u00e4ubige Moslems kein Problem darstellen.<\/p>\n<p> Das andere ist der Zweck. Da stellt sich zun\u00e4chst einmal die Frage, was es der Meinungsfreiheit bringen soll, wenn Mohammed bildlich dargestellt wird. Oder andersherum: Schr\u00e4nkt der Entscheid, Mohammed nicht bildlich darzustellen, die freie Meinungs\u00e4usserung in irgendeiner Weise ein? Kann wegen dieses Bilderverbotes irgend ein Sachverhalt \u00f6ffentlich nicht ge\u00e4ussert werden? <\/p>\n<p> Da nun liegt der Hund begraben. Mohammed-Darstellungen k\u00f6nnen im Grunde genommen nur einen Zweck verfolgen: Das Verbot von Mohammed-Darstellungen zu \u00fcbertreten. Weil das Verbot solcher Darstellungen ausserhalb der religi\u00f6sen Gemeinschaft der Moslems keinerlei Sinn ergibt, kann es f\u00fcr einen Nichtgl\u00e4ubigen dar\u00fcber hinaus keinerlei Einschr\u00e4nkung seiner freien Meinungs\u00e4usserung bedeuten. Eine \u00dcbertretung kann also allerh\u00f6chstens Ausdruck der \u00dcberzeugung sein, dass selbst interne Gesetze einer religi\u00f6sen Gemeinschaft, welche das freie Leben der Ungl\u00e4ubigen in keiner Art einschr\u00e4nken, nicht sein d\u00fcrfen. Das riecht doch eher nach kleinb\u00fcrgerlicher Missgunst als nach echter Sorge um die freie westliche Welt.<\/p>\n<p> Auf der andern Seite kann es einem Moslem aus moralisch-ethischer Sicht doch im Grunde genommen egal sein, ob der Ungl\u00e4ubige ein unsensibler R\u00fcpel ist und wegen dem, was er als h\u00f6chst verwerflichen Frevel ansieht in ewiger Verdammnis enden wird (der Ungl\u00e4ubige sieht das nat\u00fcrlich vollkommen anders). Die \u00dcbertretung ist ja theologisch betrachtet keine Beleidigung <em>der Gl\u00e4ubigen<\/em>, sondern eine solche <em>Gottes<\/em>.<\/p>\n<p> Man kann es dem Gl\u00e4ubigen allerdings nicht ver\u00fcbeln, wenn er sich menschlich entt\u00e4uscht zeigt. Die Frage des Zwecks der Mohammed-Karikaturen ist eben keine Frage der freien Meinungs\u00e4usserung, sondern eine solche des zivilisierten Umgangs der V\u00f6lker untereinander. <\/p>\n<p> Es ist allerdings m\u00f6glich, dass die aktuelle Auseinandersetzung um das islamische Bilderverbot \u00e0 la longue etwas Gutes bewirkt, weil sie n\u00e4mlich die Bem\u00fchungen islamistischer Kreise mit eher engem geistigem Horizont und aggressivem Expansionsdrang, gewisse Themen zu tabuisieren, unterl\u00e4uft. Enttabuisierung ist eine Errungenschaft einer freien Gesellschaft und dient der freien Entfaltung von Individualit\u00e4t \u2013 man denke dabei an Themen wie Behinderung, Homosexualit\u00e4t, fr\u00fcher d\u00e4monisierte Krankheiten wie Krebs oder allgemein die dunklen Seiten der Psyche. <\/p>\n<p> Ewiggestrige Moralapostel, die gegen solche Dimensionen des Menschseins heute noch wettern, locken in einer urbanen Welt keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Das ist gut so. Die meisten Enttabuisierungen haben aber in den meisten F\u00e4llen mit den falschen Mitteln begonnen, weil wegen der Tabus ja die Sprache fehlt, um ihren Sinn und Unsinn differenziert zu reflektieren.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang B\u00f6hler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 10.02.2006 &#8212; Der Streit um die d\u00e4nischen Karikaturen Mohammeds nimmt immer unsch\u00f6nere Formen an. 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