{"id":341,"date":"2014-01-11T08:13:02","date_gmt":"2014-01-11T08:13:02","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kein-sozialer-schutz-fuer-kuenstler\/"},"modified":"2014-01-11T08:13:02","modified_gmt":"2014-01-11T08:13:02","slug":"kein-sozialer-schutz-fuer-kuenstler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kein-sozialer-schutz-fuer-kuenstler\/","title":{"rendered":"Kein sozialer Schutz f\u00fcr K\u00fcnstler"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">07.07.2006 &#8212; Der Schweizer Musikrat (SMR) hat im letzten Oktober zum Entwurf des geplanten Kulturf\u00f6rderungsgesetzes (KFG) Stellung genommen. Vieles darin findet er gut, allerdings beklagte er, dass die soziale Sicherheit der Kulturschaffenden keinen Eingang in das Gesetz finden soll. Der SMR w\u00fcnschte ausdr\u00fccklich, dass dieses \u00abdringende und f\u00fcr eine Grosszahl von Kulturschaffenden existentielle Problem parallel zum KFG mit gr\u00f6sster Priorit\u00e4t einer L\u00f6sung zugef\u00fchrt wird.\u00bb Da muss die Stellungnahme des Bundesrates zu den Resultaten der Vernehmlassung (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=2619\">Meldung<\/a>) wie eine Ohrfeige wirken: Nein, die soziale Frage ist keineswegs ein dringliches Anliegen, liest man im Communiqu\u00e9 zwischen den Zeilen. Und man soll dem Bundesrat doch bitte bis Dezember 2007 vorerst einmal einen Bericht \u00abzur sozialen Sicherheit von Arbeitnehmenden in Berufen mit h\u00e4ufig wechselnden oder befristeten Anstellungen\u00bb vorlegen. Mit andern Worten: Das Problem wird in der Bundespolitik auf die lange Bank geschoben.<\/p>\n<p> Der Entscheid d\u00fcrfte diejenigen Kreise freuen, die sich auf den Standpunkt stellen, dass Kulturf\u00f6rderung auf Bundesebene nicht mit Sozialpolitik vermischt werden sollte. Aus ordnungspolitischen Gr\u00fcnden ist so eine Haltung nachvollziehbar, pragmatisch gesehen ist sie aber fatal.<\/p>\n<p> In der Regel k\u00fcmmern sich die Gewerkschaften darum, dass den sozialen Interessen der Arbeitenden in bestimmten Branchen Geh\u00f6r verschafft wird. Sie tun dies, indem sie mit den <em>Arbeitgebern<\/em> Vertragswerke, idealerweise Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge, aushandeln. Das System funktioniert praktisch in allen Bereichen der Arbeitswelt sehr gut \u2013 in den k\u00fcnstlerischen Berufen versagt es hingegen aus verschiedenen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p> Zum ersten sind K\u00fcnstler \u2013 und dies ist nun nicht absch\u00e4tzig gemeint, sondern einfach eine simple Feststellung \u2013 egozentrische Wesen, die praktisch nicht zur Rudelbildung gebracht werden k\u00f6nnen. Zum zweiten ist die Kunst in weiten Teilen die Angelegenheit einer global verstreuten, im Falle der Musik st\u00e4ndig reisenden Gesellschaft ohne die Lebensmittelpunkte, die es ben\u00f6tigt, um langfristige gewerkschaftliche Arbeit zu leisten. Und zum dritten sind die <em>Arbeitgeber<\/em> von K\u00fcnstlern nicht selten einfach sie selber. Und wenn man nichts hat, kann man auch nichts herauspressen, um es ohnehin sich selber wieder zuzuschanzen.<\/p>\n<p> Man muss das Problem vermutlich differenziert angehen. So l\u00e4sst sich etwa die Frage nach der sozialen Sicherheit von Musiklehrerinnen und -lehrern relativ gut abgrenzen und zusammen mit den zust\u00e4ndigen Gewerkschaften im Rahmen der Bildungspolitik abhandeln. Es geht zum Beispiel nicht an, dass Musikschulen P\u00e4dagoginnen nur gerade in einem solchen Umfang anstellen, dass sie keine Pensionskassenbeitr\u00e4ge zu entrichten haben. Solche Missst\u00e4nde lassen sich gewerkschaftlich bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p> Freie K\u00fcnstler wiederum sind Querdenker und brauchen m\u00f6glicherweise ebenso kreative und schr\u00e4g in der Landschaft stehende Vorsorgemodelle. Ein Bericht zuhanden des Bundesrates wird hingegen vermutlich bloss wieder feststellen, dass die Situation ernst ist, dann werden wieder alle ins \u00fcbliche Klagelied verfallen, dass K\u00fcnstler nur die eigene Kunst im Kopf haben, und die K\u00fcnstler selber werden wieder dar\u00fcber schimpfen, wie schlecht die Welt doch ist. Und die einst jungen Wilden werden im gar nicht mehr \u00fcberbordenden Alter immer noch ohne Rente dastehen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang B\u00f6hler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 07.07.2006 &#8212; Der Schweizer Musikrat (SMR) hat im letzten Oktober zum Entwurf des geplanten Kulturf\u00f6rderungsgesetzes (KFG)&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-341","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}