{"id":344,"date":"2014-01-11T08:14:49","date_gmt":"2014-01-11T08:14:49","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/langfristiger-erfolg-im-musikgeschaeft\/"},"modified":"2014-01-11T08:14:49","modified_gmt":"2014-01-11T08:14:49","slug":"langfristiger-erfolg-im-musikgeschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/langfristiger-erfolg-im-musikgeschaeft\/","title":{"rendered":"Langfristiger Erfolg im Musikgesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">18.08.2006 &#8212; In einem B\u00fcchlein des St. Galler Management-Spezialisten Fredmund Malik kann man auf eine interessante Aussage stossen (wir zitieren frei aus dem Ged\u00e4chtnis): Ein guter Manager oder Unternehmer muss nicht Stil haben. Er darf es selbstverst\u00e4ndlich, aber sein Stil bleibt seine Privatangelegenheit. Als Kunde oder Gesch\u00e4ftspartner kann uns sein Stil hingegen herzlich egal sein. Was wir von ihm im Gesch\u00e4ftsleben wirklich erwarten, ist <em>Anstand<\/em>. Unternehmerische Professionalit\u00e4t und Glaubw\u00fcrdigkeit \u00e4ussern sich nicht in der richtigen Wahl des Jackenstoffs, des trockenen Weissweins und des gepflegten Small Talks, sondern durch etwas weitaus n\u00fcchterneres: im menschlichen, von Respekt gepr\u00e4gten Wohlverhalten. <\/p>\n<p> Auch im Musikleben gilt es, G\u00fcter abzuw\u00e4gen: Im Kulturleben wird allgemein immer mehr davon gesprochen, dass Marken aufgebaut werden m\u00fcssten \u2013 ein Sog, dem sich die Konzertveranstalter zur Zeit nur schwerlich entziehen k\u00f6nnen. Von der eidgen\u00f6ssischen Filmf\u00f6rderung wird im Moment (beinahe w\u00e4ren wir versucht gewesen, hier \u00abgrossm\u00e4ulig\u00bb einzuf\u00fcgen, nehmen davon aber Abstand) die Marke \u00abSchweizer Film\u00bb beschworen. Im zeitgem\u00e4ssen Kulturmanagement finden sich mittlerweile Anleitungen und gute Ratschl\u00e4ge zuhauf, wie man den eigenen Musikanlass zur Marke macht und diese Marke pflegt.<\/p>\n<p> In der Wahrnehmung der Musikliebhaber z\u00e4hlt aber im Grunde genommen nicht die <em>Marke<\/em> eines Anlasses oder Ensembles, sondern deren <em>Ruf<\/em>. Diesen haben sich hervorragende Veranstaltungen dadurch erworben, dass sie das Publikum dank gedanklicher Originalit\u00e4t und vision\u00e4rer Programmierung herausgefordert oder gar provoziert und damit bewegt haben. Markenspezialisten gehen hingegen davon aus, dass Konsumenten heute nicht mehr der dumben Zumutung ausgesetzt werden d\u00fcrfen, beunruhigt zu werden. Das Zweckargument dazu ist so effektiv wie billig: Man beschw\u00f6rt das emanzipierte Publikum und entsagt dem \u00abbelehrenden\u00bb Gestus der \u00abBesserwisser\u00bb. Dem Publikum darf man nicht vorschreiben, was es toll und was es abartig zu finden habe. Das w\u00e4re als Argument beinahe unschlagbar, wenn damit in Tat und Wahrheit nicht bloss gemeint w\u00e4re, dass das Publikum ein Recht auf pannenfreie Unterhaltung hat. Das h\u00e4lt den Betrieb berechenbar. Sponsoren m\u00f6gen so etwas.<\/p>\n<p> Ideelle Konturen entwickeln sich aber leider reziprok zur Markenpflege, denn lebendige Musik n\u00e4hrt sich nicht vom Eventcharakter, sondern von einer Idee. Und im Gegensatz zur Pflege der Marke, die eine Frage des Marketings darstellt, ist die Wahrung des guten Rufes eine solche des Charakters. Dass dies im vorherrschenden Zeitgeist vergessen zu gehen droht, wird Langzeitfolgen haben. Es steht n\u00e4mlich zu bef\u00fcrchten, dass viele traditionsreiche Musikanl\u00e4sse und Veranstalter vom Ersparten leben. Sie bauen eine Marke auf dem guten Ruf auf, den sich der Anlass \u00fcber Jahre oder Jahrzehnte mit einem k\u00fcnstlerisch kantigen, herausfordernden und gedanklich anregenden Programm erarbeitet hat. <\/p>\n<p> Mit der Zeit werden alle Kanten und Widerhaken abgeschliffen und getilgt sein; es wird bloss noch die Marke \u00fcbrigbleiben, Langeweile wird sich breitmachen und die Leute werden sich fragen, weshalb sie ins Konzert gehen sollen, wenn sie ihr C\u00fcpli ebensogut an spassigeren Sponsorenanl\u00e4ssen konsumieren k\u00f6nnen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Wissenschaftstheoretiker und Musikpublizist Wolfgang B\u00f6hler ist Produzent von Worldmusic- und Kammerjazz-Projekten und Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 18.08.2006 &#8212; In einem B\u00fcchlein des St. Galler Management-Spezialisten Fredmund Malik kann man auf eine interessante&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-344","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=344"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/344\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}