{"id":3512,"date":"2018-10-02T05:55:53","date_gmt":"2018-10-02T05:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2018\/10\/02\/keine-universelle-wahrnehmung-von-musik\/"},"modified":"2018-10-02T05:55:53","modified_gmt":"2018-10-02T05:55:53","slug":"keine-universelle-wahrnehmung-von-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2018\/10\/02\/keine-universelle-wahrnehmung-von-musik\/","title":{"rendered":"Keine universelle Wahrnehmung von Musik"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">02.10.2018 &#8212; Ein Team des Max-Planck-Instituts f\u00fcr empirische \u00c4sthetik untersucht, inwieweit Kultur grundlegende Strukturen der Wahrnehmung pr\u00e4gt. Sie widerspricht bisherigen Annahmen \u00fcber die universelle Wahrnehmung von Musik.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">02.10.2018 &#8212; Ein Team des Max-Planck-Instituts f\u00fcr empirische \u00c4sthetik untersucht, inwieweit Kultur grundlegende Strukturen der Wahrnehmung pr\u00e4gt. Sie widerspricht bisherigen Annahmen \u00fcber die universelle Wahrnehmung von Musik.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">Die Psychologie der Rhythmuswahrnehmung geht traditionell von der Annahme universeller, biologisch verankerter Wahrnehmungsstrukturen aus. Allerdings beschr\u00e4nkten sich bisherige Untersuchungen meist auf Westeuropa und Nordamerika. Erstmals hat nun eine Arbeitsgruppe um den Musikethnologen Rainer Polak einige dieser Befunde auf kulturelle Unterschiede hin \u00fcberpr\u00fcft. <\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">Daf\u00fcr liessen die Forscher vier verschiedene Gruppen professioneller Musikerinnen und Musiker in sogenannten Tapping-Studien unterschiedliche Rhythmen h\u00f6ren, welche sie synchron mitklopfen sollten: Zwei klassisch ausgebildete Untersuchungsgruppen in Deutschland und Bulgarien sowie zwei auf Volkstanzmusik spezialisierte Untersuchungsgruppen in Bulgarien und Mali. Das Ergebnis war, dass sich nicht alle Gruppen gleich verhielten. Vielmehr zeigten alle Gruppen Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung solcher Rhythmen, die in ihrer eigenen Musikkultur keine grosse Rolle spielen. <\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">Beispielsweise erwiesen sich exzellent ausgebildete klassische Perkussionistinnen und Perkussionisten erstaunlich desorientiert angesichts eines einfachen Swing-Rhythmus, der in Mali gang und g\u00e4be ist und von den malischen Versuchsteilnehmern auch v\u00f6llig problemlos aufgefasst und wiedergegeben wurde \u2013 und dies, obwohl sie in Bezug auf andere Rhythmen schlechter abschnitten, also im Widerspruch zu einem g\u00e4ngigen kulturellen Klischee nicht etwa generell \u00fcber ein besseres Rhythmusgef\u00fchl verf\u00fcgen.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\"> Die Wahrnehmung musikalischer Rhythmen h\u00e4ngt laut Polak demnach nicht nur von ihrer Komplexit\u00e4t und der musikalischen Expertise der H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer ab, sondern auch von deren kultureller Vertrautheit mit den jeweiligen Rhythmen. Die Studie zeige, dass Menschen nicht unbedingt dieselbe Wahrnehmung haben, wenn sie demselben Reiz ausgesetzt seien. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass Strukturen der Wahrnehmung vor allem informell und durch sogenanntes implizites Lernen in der sozialen Umgebung angeeignet werden, wie es etwa den Spracherwerb von Kleinkindern pr\u00e4gt. Menschen verf\u00fcgen \u00fcber kulturspezifische Strukturen der Rhythmuswahrnehmung, die sie nicht einfach von Geburt an im Geh\u00f6r haben.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\"><strong>Originalartikel:<\/strong><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">Polak, R., Jacoby, N., Fischinger, T., Goldberg, D., Holzapfel, A., &amp; London, J. (2018). Rhythmic Prototypes Across Cultures: A Comparative Study of Tapping Synchronization. Music Perception, 36(1), 1-23. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1525\/mp.2018.36.1.1\" target=\"_new\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1525\/mp.2018.36.1.1<\/a><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: small;\">02.10.2018 &#8212; Ein Team des Max-Planck-Instituts f\u00fcr empirische \u00c4sthetik untersucht, inwieweit Kultur grundlegende Strukturen der Wahrnehmung pr\u00e4gt. 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