{"id":353,"date":"2014-01-11T08:20:14","date_gmt":"2014-01-11T08:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/gehoert-die-musik-in-die-verfassung\/"},"modified":"2014-01-11T08:20:14","modified_gmt":"2014-01-11T08:20:14","slug":"gehoert-die-musik-in-die-verfassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/gehoert-die-musik-in-die-verfassung\/","title":{"rendered":"Geh\u00f6rt die Musik in die Verfassung?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">22.12.2006 &#8212; Der Schweizer Musikrat will im kommenden Jahr die Volksinitiative \u00abJugend + Musik\u00bb lancieren. Sie verlangt, dass die musikalische Bildung in der Schweiz in der Bundesverfassung verankert wird (Codex flores <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=3280\">berichtete<\/a>). Wir werden das Vorhaben nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen, stellen aber trotzdem eine eher skeptische Prognose. Die Initiative d\u00fcrfte sp\u00fcrbar sein, aber \u2013 wie in der helvetischen Politik \u00fcblich \u2013 anders als gedacht und einiges ver\u00e4ndern, aber \u2013 wie in der helvetischen Politik nicht minder \u00fcblich \u2013 in weitaus l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen als beabsichtigt und in anderer Form als geplant.<\/p>\n<p> Im besten Fall kann die Initiative nach Ablauf der vorgeschriebenen Sammelfrist Ende 2008 eingereicht werden. Vermutlich wird dazu ein Gr\u00fcppchen unverzagter Musiksch\u00fcler mit ihren \u00abMusiklehrpersonen\u00bb die mit Kantonswappen verzierten Kartons mit den beglaubigten Unterschriftenb\u00f6gen im Bundeshaus \u00fcberreichen \u2013 musikalisch untermalt, und begleitet von einem Team des Schweizer Fernsehens. <\/p>\n<p> In der Folge bleibt der Bundesverwaltung ein Jahr Zeit, um der Bundesversammlung eine Botschaft und den Entwurf eines Bundesbeschlusses zu pr\u00e4sentieren, womit auch das Jahr 2009 verstrichen sein wird. Das Bundesparlament wiederum kann sich laut Bundesgesetz \u2013 im besten Fall! \u2013 bis Mitte 2011 Zeit nehmen, um eine Volksabstimmung vorzubereiten. <\/p>\n<p> Gehen wir mal optimistisch davon aus, dass die Abstimmung im 2012 realisiert wird und nicht nur das Volksmehr gewinnt, sondern aufgrund gl\u00fccklicher Umst\u00e4nde auch das St\u00e4ndemehr &#8211; vielleicht weil die Schweiz beim Grand Prix der Volksmusik, der zuf\u00e4lligerweise ein Monat vor der Abstimmung \u00fcber die B\u00fchne geht, den Sieg davon getragen hat. Dann werden weitere zwei Jahre vergehen, bis die Teilrevision der Bundesverfassung erledigt ist, womit wir uns bereits im Jahr 2014 befinden werden \u2013 mindestens. <\/p>\n<p> Was ist bis dann f\u00fcr die musikalische Bildung in der Schweiz faktisch erreicht worden? Noch gar nichts.<\/p>\n<p> Denn erst jetzt kann, respektive muss die neue Bestimmung in der Bundesverfassung umgesetzt werden. Dummerweise ist die Bildung aber Sache der Kantone, womit \u2013 wiederum im besten Fall \u2013 eine heftige Diskussion um Sinn, Unsinn und Kosten des Musikunterrichts losgetreten wird. Die Kantone werden auf ihre Autonomie pochen und sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen k\u00f6nnen (oder wollen).<\/p>\n<p> Nun kann man sich fragen, weshalb bei der Musik nicht klappen soll, was beim Sport funktioniert. Technisch gesehen geht es ja um das gleiche Anliegen, bloss mit Blick auf ein anderes Fach.<\/p>\n<p> Das Problem ist, dass die Musik im Gegensatz zum Sport kaum strategische Bedeutung f\u00fcr die Landesverteidigung besitzt. Das Milit\u00e4rwesen jedoch ist Sache des Bundes, weshalb die Sportf\u00f6rderung auf Bundesebene dezidiert durchgesetzt wird und die Musik kaum ihre Lobby finden wird, ausgenommen man pr\u00e4sentiere eine Bestimmung, wonach jeder Schweizer das Recht hat, das ihm vom Bund ausgeh\u00e4ndigte Instrument bei sich zu Hause aufzubewahren \u2013 inklusive versiegelter Ordonnanzpartituren.<\/p>\n<p> Dennoch wird die Initiative einige Wirkung zeigen, denn in dieser ganzen Zeit wird es immer wieder Gelegenheit geben, \u00fcber Sinn und Unsinn der musikalischen Bildung auf breiter Front eine politische Debatte zu f\u00fchren. Und diese ist es, die weitaus n\u00f6tiger ist als ein Verfassungartikel, denn bei denjenigen Schweizerinnen und Schweizern, die selber nie l\u00e4ngere Zeit Musikunterricht in Anspruch genommen haben, m\u00fcssen zum Teil erschreckend falsche Vorstellungen dar\u00fcber diagnostiziert werden, was in den Musikschulen des Landes tats\u00e4chlich geleistet wird. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 22.12.2006 &#8212; Der Schweizer Musikrat will im kommenden Jahr die Volksinitiative \u00abJugend + Musik\u00bb lancieren. 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