{"id":355,"date":"2014-01-11T08:28:58","date_gmt":"2014-01-11T08:28:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/europa-umwirbt-kunst-und-kultur\/"},"modified":"2014-01-11T08:28:58","modified_gmt":"2014-01-11T08:28:58","slug":"europa-umwirbt-kunst-und-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/europa-umwirbt-kunst-und-kultur\/","title":{"rendered":"Europa umwirbt Kunst und Kultur"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">19.01.2007 &#8212; Da gibt\u2019s doch vom fr\u00fcheren amerikanischen Pr\u00e4sidenten John F. Kennedy diesen pathetischen Aufruf zu mehr politischem Verantwortungsgef\u00fchl: \u00abDon&#8217;t ask what your country can do for you, ask what you can do for your country\u00bb (in interkultureller \u00dcbersetzung aus dem Amerikanischen ins Europ\u00e4ische: \u00abschiele nicht auf Subventionen, sondern bezahle deine Steuern!\u00bb). Ins Fadenkreuz solcher Rhetorik gelangt in der Europ\u00e4ischen Union zur Zeit die Kultur. Die Br\u00fcsseler Nomenklatura hat \u2013 nach dem Schock der im franko-niederl\u00e4ndischen Luftraum zerfetzten Europ\u00e4ischen Verfassung \u2013 n\u00e4mlich gemerkt, dass sie sich \u00abden B\u00fcrgern ann\u00e4hern muss\u00bb. Auf einer offiziellen <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/culture\/eac\/communication\/comm_de.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Webseite<\/a> zu einer Umfrage \u00fcber eine geplante Kommunikation in Sachen Kultur macht sie sich (w\u00f6rtlich!) auf die Suche nach einer \u00abSeele f\u00fcr Europa\u00bb und glaubt, eine solche in Kunst und Kultur gefunden zu haben. Mit andern Worten: Was Politik, Wirtschaft und Finanzexperten zerbrochen haben, sollen die Kulturschaffenden nun wieder zusammenflicken.<\/p>\n<p> Nachdem die EU Politikern, Wirtschaftsleuten und Bankern kratzbuckelnd die Dienste Europas offeriert hat, erinnert sie sich nun der K\u00fcnstler und Kulturpfleger: \u00abW\u00e4hrend in der Vergangenheit die Frage lautete, was Europa f\u00fcr die Kultur tun k\u00f6nnte [sooooo viel war\u2019s nun auch wieder nicht, Anm. des Zitierenden], so besteht zur Zeit die wachsende Erkenntnis, dass die Kultur Kern des europ\u00e4ischen Projektes ist und eine unentbehrliche Rolle zu spielen hat. Es ist also n\u00f6tig zu fragen, was Kultur f\u00fcr Europa tun kann.\u00bb <\/p>\n<p> Wie man sieht: die Hackordnung ist nach wie vor intakt.<\/p>\n<p> Die europ\u00e4ische Generaldirektion f\u00fcr Bildung und Kultur will diese Fragen in den kommenden Monaten detaillierter behandeln. Dabei will sie sich auf zwei Punkte konzentrieren, von denen der erste als platit\u00fcdengef\u00e4hrdete Leerformel gleich abgehakt werden kann. Es geht da um die \u00abF\u00f6rderung des interkulturellen Dialogs\u00bb und die \u00abPflege eines Begriffes der \u201aeurop\u00e4ischen Identit\u00e4t\u2019\u00bb. Darin \u00fcben sich K\u00fcnstler und Kulturschaffende schon seit Jahrhunderten, offensichtlich ohne dass es die Politik bis jetzt gemerkt h\u00e4tte. Kaufen k\u00f6nnen sie sich davon aber leider nichts.<\/p>\n<p> Der zweite Punkt ist in dieser Hinsicht schon wesentlich interessanter: Es geht um wirtschaftliche und soziale Ziele, das heisst um die Lissabon-Strategie, die zwar wie ein Agentenroman von Robert Ludlum t\u00f6nt, aber in Tat und Wahrheit das Ziel umschreibt, die EU bis 2010 zum wettbewerbsf\u00e4higsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Damit, so die EU, stellt sich aber auch die Frage nach der \u00abRolle der Kreativit\u00e4t in der Verbesserung des Wettbewerbsvorteils Europas\u00bb.<\/p>\n<p> K\u00f6nnte Europa in dieser Hinsicht von der \u00abWillensnation\u00bb Schweiz lernen, die bereits seit Jahrhunderten die unterschiedlichsten Kulturen scheinbar unter ein Dach bringt? Bei allen sch\u00f6nen Worten existieren allerdings auch hierzulande die Kulturen mehr und mehr neben- als miteinander. Daf\u00fcr, dass die Bewohner \u2013 zumindest die M\u00e4nner \u2013 \u00fcber die Kulturgrenzen hinweg ihre Alltagssorgen tats\u00e4chlich teilten, war in Zeiten des Kalten Krieges der gemeinsame Milit\u00e4rdienst verantwortlich. Da wurden die wirklich tragf\u00e4higen interkulturellen Schicksalsgemeinschaften und Freundschaften gestiftet.<\/p>\n<p> Von der Schweiz lernen hiesse f\u00fcr Europa also eine vereinigte europ\u00e4ische Wehrmacht und die allgemeine Wehrpflicht einzuf\u00fchren. Ernsthaft kann das ja aber niemand in Erw\u00e4gung ziehen.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 19.01.2007 &#8212; Da gibt\u2019s doch vom fr\u00fcheren amerikanischen Pr\u00e4sidenten John F. 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