{"id":356,"date":"2014-01-11T08:29:34","date_gmt":"2014-01-11T08:29:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/svp-und-kultur-erst-schlafen-dann-jammern\/"},"modified":"2014-01-11T08:29:34","modified_gmt":"2014-01-11T08:29:34","slug":"svp-und-kultur-erst-schlafen-dann-jammern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/svp-und-kultur-erst-schlafen-dann-jammern\/","title":{"rendered":"SVP und Kultur: erst schlafen, dann jammern"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">02.02.2007 &#8212; Die SVP legt ein Positionspapier zur Kulturpolitik des Bundes vor. Es besteht \u2013 mit Verlaub \u2013 aus nicht viel mehr als 20 Seiten Gejammer. Weshalb? Weil die SVP ein Problem mit ihrer Glaubw\u00fcrdigkeit hat: Nachdem sich ihre Exponenten jahrelang nicht in die lebhafte Diskussion um die Schweizer Kulturf\u00f6rderung eingebracht haben, reiben sie sich nun die Augen und stellen fest, dass die Kultur zur Sache der Linken geworden ist. Was erwarten die Rechtsb\u00fcrgerlichen denn anderes, wenn sie das Feld jahrelang kampflos den andern \u00fcberlassen? Die SVP-Ikone Christoph Blocher wird da in seiner gewohnt kernigen Art einen Schluss ziehen m\u00fcssen: Wenn\u2019s Buebli tr\u00f6dlet, macht\u2019s halt ds Meitli. <\/p>\n<p> Im Pressecommuniqu\u00e9 zum Positionspapier werden zwei Fragen polemisch vermischt. Erstens: Kommt die Kultur ohne staatliche F\u00f6rderung aus? Anders gefragt: Kann man staatspolitisch auf Formen der Kultur verzichten, die nicht gewinnbringend oder zumindest selbsttragend sind, wie dies die SVP glaubt? Zweitens: Stimmt es tats\u00e4chlich, dass der \u00ablinke Politkuchen\u00bb den \u00ablinken Kulturkuchen\u00bb unterst\u00fctzt und in der Schweizer Kulturf\u00f6rderung \u00abMauscheleien und korruptions\u00e4hnliche Zust\u00e4nde\u00bb zu beobachten sind, wie dies die SVP schreibt?<\/p>\n<p> Bereits die erste Frage muss mit einem entschiedenen Nein beantwortet werden: Das zeitgen\u00f6ssische Kunstschaffen, das unsere Wahrnehmung sch\u00e4rft und erweitert und ein wichtiges Experimentierfeld f\u00fcr gesellschaftliche und pers\u00f6nliche Entwicklungen darstellt, k\u00f6nnte unter \u00f6konomischem Druck seine Aufgabe genausowenig wahrnehmen wie Elementarteilchenphysiker im Kernforschungslabor oder Medizinhistoriker an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich. Eine Gesellschaft jeglicher Couleur braucht querdenkende, nicht-mehrheitsf\u00e4hige und \u00f6konomisch (kurzfristig!) unergiebige K\u00fcnstler, wenn sie nicht innerlich erstarren und von der globalen Dynamik \u00fcberrollt werden will.<\/p>\n<p> Was also kennzeichnet eine konsequente b\u00fcrgerliche Kunstpolitik? Sie wird von liberalen Unternehmern getragen, die mit Sachkompetenz und humanistischem Engagement diejenigen K\u00fcnstler aus der eigenen Tasche f\u00f6rdern, in denen sie Tr\u00e4ger zukunftsweisender Ideen sehen. Es gab sie mal. Man nannte sie M\u00e4zene, ihre F\u00f6rderarbeit erwies sich als \u00fcberaus erfolgreich und nachhaltig und hat die F\u00f6rderer in sp\u00e4teren Jahren nicht selten reich gemacht. Da findet sich auch die einzige wirklich konstruktive Forderung in dem Positionspapier der SVP: Das M\u00e4zenatentum muss steuerlich entlastet und die gesetzlichen Grundlagen f\u00fcr die Errichtung von Stiftungen m\u00fcssen erleichtert werden.<\/p>\n<p> Daneben setzt eine liberale Kulturpolitik auch auf eine staatliche Kunstf\u00f6rderung. Sie sorgt dabei daf\u00fcr, dass die Entscheidungsprozesse dar\u00fcber, was und wer gef\u00f6rdert wird, professionell gestaltet und politisch breit abgest\u00fctzt sind. Um sich mit der eigenen Konzeption von Kultur da Geh\u00f6r verschaffen zu k\u00f6nnen, muss man aber halt den Mund aufmachen. <\/p>\n<p> Aber auch die zweite Frage muss eindeutig verneint werden. Es ist nicht zu bestreiten, dass die Kulturf\u00f6rderung heute tendenziell eher von linken Kreisen betrieben wird. Dies ist aber, wie bereits festgestellt, nicht diesen anzulasten, sondern entlarvt bloss ein Vers\u00e4umnis b\u00fcrgerlicher, insbesondere rechtsb\u00fcrgerlicher Politik. SVP-Nationalrat Christoph M\u00f6rgeli gibt es in einem Referat zum Positionspapier freim\u00fctig zu: Seine Partei hat die Kultur bislang \u00abnicht zu ihren Schwerpunktgebieten\u00bb gez\u00e4hlt. Erstaunlich, dass M\u00f6rgeli, der in seinen Kolumnen ja sonst nie um markige Worte verlegen ist, da pl\u00f6tzlich zum verbalen Weichsp\u00fcler wird. Jahrelang schlafen und dann in einem polemischen Positionspapier einen undifferenzierten Kahlschlag in der Kulturf\u00f6rderung verlangen, ist zu billig. So lenkt man bloss vom eigenen Vers\u00e4umnis ab.<\/p>\n<p> Die \u00abLinken\u00bb haben im Gegensatz zu den Rechtsb\u00fcrgerlichen ihre Hausaufgaben in Sachen Kultur immer wieder gemacht. Die praktische Erfahrung im t\u00e4glichen Umgang mit \u00ablinken\u00bb Kulturf\u00f6rderern ist, dass sie eine den Umst\u00e4nden entsprechend faire und ausgewogene F\u00f6rderpolitik betreiben. Den Umst\u00e4nden entsprechend heisst hier: trotz der Tatsache, dass sich die rechte Politik in den letzten Jahrzehnten zu schade daf\u00fcr war, ihre Interessen und Gegenentw\u00fcrfe auch in die praktische Arbeit einzubringen.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 02.02.2007 &#8212; Die SVP legt ein Positionspapier zur Kulturpolitik des Bundes vor. 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