{"id":357,"date":"2014-01-11T08:30:09","date_gmt":"2014-01-11T08:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/berns-kulturfoerderer-blamieren-sich\/"},"modified":"2014-01-11T08:30:09","modified_gmt":"2014-01-11T08:30:09","slug":"berns-kulturfoerderer-blamieren-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/berns-kulturfoerderer-blamieren-sich\/","title":{"rendered":"Berns Kulturf\u00f6rderer blamieren sich"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">16.02.2007 &#8212; Staatliche Kulturf\u00f6rderung ist ein schwieriges Thema. Auf welch schiefe Bahnen sie geraten kann, selbst wenn \u2013 oder gerade wenn \u2013 dem Buchstabe des Gesetzes nachgelebt wird, zeigt eine Episode aus dem Kanton Bern, die der ganzen Schweiz ein Lehrst\u00fcck sein sollte. <\/p>\n<p> Berner Musikliebhaber ohne stilistische Scheuklappen wissen: Die etwas ausserhalb der Stadt auf dem Gemeindegebiet von Rubigen stehende M\u00fchle Hunziken ist seit mehr als dreissig Jahren ein europaweit einzigartiges Konzertlokal. Schon auf manchem Gebiet ist in dem ein wenig an ein Shakespeare-Theater erinnernden Lokal Geschichte geschrieben und f\u00fcr Sternstunden gesorgt worden. Weltstars, die anderswo Fussballstadien f\u00fcllen, gaben hier immer mal wieder unvergessliche Klubkonzerte, und Musikjournalisten auf der ganzen Welt staunten wohl regelm\u00e4ssig, wenn sie Tourneepl\u00e4ne angesagter Stars in die H\u00e4nde bekamen, in denen die Liste europ\u00e4ischer Gigs London, Paris, Mailand, Wien, Berlin, Rom &#8230; und \u00abMuehle Hunziken\u00bb listeten.<\/p>\n<p> Das Erstaunlichste am Ganzen: All\u2019 die Jahrzehnte wurde die Kulturm\u00fchle von ihrem Leiter Peter Burkhart ohne Inanspruchnahme von Steuergeldern betrieben. Erst nach dreissig (!) Jahren wandte sich Burkhart an seine Standortgemeinde \u2013 mit der Bitte, die Gelder, welche diese gem\u00e4ss kantonalem Kulturf\u00f6rderungsgesetz (KFG) f\u00fcr Kulturleistungen an die Stadt abzuliefern hatte, doch f\u00fcr einmal in die M\u00fchle umzuleiten. Schliesslich rekrutierte sich das Publikum der M\u00fchle seit jeher aus der ganzen Region und mit ihrem urbanen Programm, das Downtown London alle Ehre machen w\u00fcrde, weitaus mehr aus der Stadt Bern als aus Rubigen selber. Auf die M\u00fchle Hunziken wirkt sich \u00fcberdies mehr und mehr die Tatsache aus, dass st\u00e4dtische Konzertlokale im Gegensatz zu ihr selber aus staatlichen F\u00f6rdert\u00f6pfen gespiesen werden \u2013 im Prinzip auch aus dem Geld, das von Rubigen via Regionale Kulturkonferenz in die Stadt fliesst. Diese konnten in den letzten Jahren dadurch Burkhart immer mehr attraktive K\u00fcnstler abwerben \u2013 auch solche, die er vor Jahrzehnten einmal selber aufgebaut hatte.<\/p>\n<p> Die Absage kam zun\u00e4chst prompt. Leider sei eine Umleitung der Gelder nicht machbar. Nun scheint vier Jahre nach der ersten Anfrage pl\u00f6tzlich doch noch zu gehen, was bislang unm\u00f6glich schien. Es hat sich n\u00e4mlich herausgestellt, dass die Berner Landgemeinden und damit auch Rubigen schon immer die Gelegenheit gehabt h\u00e4tten, ihre Kulturbeitr\u00e4ge an die Stadt zu reduzieren, \u00abwenn sie sich selber wesentlich an der Finanzierung wichtiger kultureller Institutionen von mindestens regionaler Bedeutung im Sinne von Art. 11 KFG beteiligen, die auf ihrem Gemeindegebiet domiziliert sind.\u00bb<\/p>\n<p> Ab 2008 soll die M\u00fchle Hunziken nun also einen Beitrag erhalten \u2013 25&#8217;000 Franken j\u00e4hrlich, einen Franken pro Besucher, wie Peter Burkhart Ende Januar in einem Interview mit der Berner Tageszeitung \u00abDer Bund\u00bb vorrechnete. Das Stadttheater Bern werde demgegen\u00fcber mit 240 Franken pro Besucher unterst\u00fctzt, kommentierte Burkhart n\u00fcchtern.<\/p>\n<p> Dass das Geld sp\u00e4t und bloss sp\u00e4rlich fliesst, mag der \u00abM\u00fchli-Pesche\u00bb, wie Peter Burkhart von Publikum und Musikern liebevoll genannt wird, mit milder Ironie kommentieren. Was ihn auf die Palme (notabene das Wahrzeichen der M\u00fchle) bringt, ist hingegen die Begr\u00fcndung eines Vertreters des kantonalen Amtes f\u00fcr Kultur. Man habe, so der Funktion\u00e4r, die gesetzlich m\u00f6gliche H\u00f6chstgrenze des Beitrages \u2013 33&#8217;500 Franken \u2013 nicht ausgesch\u00f6pft, weil die 25\u201900 Franken \u00abentsprechend der Wichtigkeit der Kulturm\u00fchle angemessen\u00bb seien. Das sei zugegebenermassen ein subjektiver Entscheid, die M\u00fchle Hunziken sei aber nicht vergleichbar mit Institutionen wie dem Historischen Museum in der Stadt.<\/p>\n<p> Den Bildungsb\u00fcrgern, die zu solch unsinnigen Vergleichen greifen, kann man nur in einer Sprache antworten, die sie m\u00f6glicherweise verstehen: O, sancta simplicitas!<\/p>\n<p> Die Moral des Ganzen? Mag sein, dass da alles mit rechten b\u00fcrokratischen Dingen zugegangen und allen f\u00f6deralistischen und regionalen Anspr\u00fcchen formal Recht getan worden ist. Menschlich und kulturpolitisch ist das Ganze aber eine unw\u00fcrdige Schildb\u00fcrgerei ahnungsloser Funktion\u00e4re. In der Kulturf\u00f6rderung geht es nicht (nur) ums Geld. Es geht auch \u2013 und vor allem \u2013 um Wertsch\u00e4tzung, Stil und einen respektvollen Umgang mit denjenigen, die verhindern, dass unsere Welt im Mittelmass versinkt. Auch und gerade mit den Peter Burkharts unseres Landes darf nicht so umgesprungen werden.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 16.02.2007 &#8212; Staatliche Kulturf\u00f6rderung ist ein schwieriges Thema. 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