{"id":359,"date":"2014-01-11T08:31:13","date_gmt":"2014-01-11T08:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/das-zuercher-opernhaus-wird-illegal-abgehoert\/"},"modified":"2014-01-11T08:31:13","modified_gmt":"2014-01-11T08:31:13","slug":"das-zuercher-opernhaus-wird-illegal-abgehoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/das-zuercher-opernhaus-wird-illegal-abgehoert\/","title":{"rendered":"Das Z\u00fcrcher Opernhaus wird illegal abgeh\u00f6rt"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">16.03.2007 &#8212; Die urbane K\u00fcnstlergruppe \u00abBitnik\u00bb erlaubt sich einen Hochkultur-\u00abHack\u00bb. Der sieht zun\u00e4chst aus wie ein trendiger Gag, macht dann aber doch recht stutzig. Die K\u00fcnstler haben im Z\u00fcrcher Opernhaus im Rahmen einer Aktion mit Namen \u00abOpera Calling\u00bb Abh\u00f6rwanzen versteckt. Damit \u00fcbertragen sie in mehr schlechter als rechter Telefonqualit\u00e4t Opernvorstellungen nach draussen (Codex flores <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=3593\">berichtete<\/a>). Ein in einer nahe gelegenen Avantgarde-Galerie situierter Kommunikations-Computer w\u00e4hlt nach dem Zufallsprinzip eine Telefonnummer und \u00fcberspielt dem Empf\u00e4nger die Live-Aufnahme. Der Zufallsh\u00f6rer kann in der Folge \u2013 so ihn die H\u00f6rmuschel am Ohr nicht bald einmal zu dr\u00fccken beginnt \u2013 Puccinis \u00abBoh\u00e8me\u00bb und andere Klassiker live mitverfolgen.<\/p>\n<p> Selbstverst\u00e4ndlich versuchen die Verantwortlichen des Opernhauses, ihrer Rolle gem\u00e4ss, die Wanzen aufzusp\u00fcren und die ihrer Ansicht nach illegalen Mitesser loszuwerden. Man glaubt ihnen zwar, dass sie mit der Sache nichts zu tun haben. Schwer f\u00e4llt es aber dennoch \u2013 allzusehr k\u00f6nnte die Aktion einem Lehrbuch des \u00abviralen Marketings\u00bb oder der \u00abGuerilla-PR\u00bb entsprungen sein. Deren Ziel ist es, mit unkonventionellen Mitteln Aufmerksamkeit f\u00fcr ein Produkt zu erzeugen und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Meldung sich von sich aus weiterverbreitet.<\/p>\n<p> Das Opernhaus hat ja selber vor Wochenfrist mit der simultanen \u00dcbertragung der \u00abZauberfl\u00f6te\u00bb auf zwei Kan\u00e4len des Schweizer Fernsehens \u2013 einmal vor und einmal hinter der B\u00fchne \u2013 einen cleveren Schachzug im st\u00e4ndigen Kampf auf dem Schlachtfeld der konsumentalen Aufmerksamkeit gemacht (Codex flores <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=3471\">berichtete<\/a>). Der zugleich subversive Touch von \u00abOpera Calling\u00bb und die Tatsache, dass einem eher jungen und hochkulturfernen Publikum eine \u00abBoh\u00e8me\u00bb als obskures Objet du d\u00e9sir angedient wird, bedeutet f\u00fcr das Opernhaus aber vielleicht die noch schlagfertigere Form der Imagewerbung.<\/p>\n<p> \u00abOpera Calling\u00bb ist aber auch von der Grundidee her mehr als ein simpler Gag. Bitnik erinnert damit n\u00e4mlich auch an die urspr\u00fcngliche, heute nicht minder subversiv anmutende Hoffnung des Telefon-Erfinders Graham Bell, der Apparat k\u00f6nne zur \u00dcbermittlung und damit Demokratisierung von Konzerten dienen \u2013 an die unabl\u00e4ssigen Klatschorgien, mit welchen die Quasselknochen schliesslich die Menschheit begl\u00fcckt haben, dachte Bell nicht einmal im (Alp-)traum. Tats\u00e4chlich wurden zun\u00e4chst Systeme im Sinne Bells realisiert, so Ende des 19. Jahrhunderts in Ungarn die sprechende Zeitung \u00abTelefon Hirmondo\u00bb, die auch Konzerte \u00fcbertrug, oder das Pariser \u00abTh\u00e9\u00e2trophone\u00bb, \u00fcber das 1907 sogar Debussys \u00abPell\u00e9as et M\u00e9lisande\u00bb in die st\u00e4dtischen Haushalte \u00fcbertragen wurde. <\/p>\n<p> Der Haken an \u00abOpera Calling\u00bb ist der Mangel an Nachhaltigkeit. Denn die Piraten-Sendungen, die nach dem Zufallsprinzip wohl eher ein paar wenigen Uninteressierten oder gerade nicht Disponierten angedient werden, verm\u00f6gen eben gerade nicht die Massen zu mobilisieren. Der Kern der Kunstaktion d\u00fcrfte deshalb eher aus der Medienresonanz bestehen, die sie in der Limmatstadt und anderswo ausgel\u00f6st hat. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 16.03.2007 &#8212; Die urbane K\u00fcnstlergruppe \u00abBitnik\u00bb erlaubt sich einen Hochkultur-\u00abHack\u00bb. 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