{"id":36,"date":"2014-01-06T10:13:43","date_gmt":"2014-01-06T10:13:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/tabuthema-gesundheitsprobleme\/"},"modified":"2014-01-06T10:13:43","modified_gmt":"2014-01-06T10:13:43","slug":"tabuthema-gesundheitsprobleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/tabuthema-gesundheitsprobleme\/","title":{"rendered":"Tabuthema Gesundheitsprobleme"},"content":{"rendered":"<p>30.11.2004<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <strong>Im S\u00e4chsischen Staatsbad Bad Elster wird an einem Pr\u00e4ventions- und Rehabilitationsprogramm f\u00fcr Musiker get\u00fcftelt. Das Forschungsinstitut f\u00fcr Balneologie und Kurortwissenschaft und die Dr.-K\u00f6hler-Park-Klinik arbeiten im Rahmen eines regionalen Projektes dabei Hand in Hand. Codex flores hat sich mit Betroffenen unterhalten. Am Gespr\u00e4ch beteiligt waren eine Musikerin aus der Region, die Bewegungstherapeutin Claudia Tippmer, der Arzt Thomas Brockow und der f\u00fcr Koordination und Qualit\u00e4tsmanagement zust\u00e4ndige Volker St\u00f6ckmann.<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Codex flores:<\/strong> Eigentlich stehen eher die Jazz- und Rockmusiker im Ruf, ihrer Gesundheit nicht Sorge zu tragen. Sie kokettieren ab und zu sogar gerne mit einem ruin\u00f6sen Lebensstil. Aber auch klassische Musiker sind \u2013 oftmals ohne es zu wollen \u2013 grossen k\u00f6rperlichen Belastungen ausgesetzt. Dennoch werden diese kaum thematisiert.<br \/><\/span> <strong>Volker St\u00f6ckmann:<\/strong> Unsere eigenen Erfahrungen zeigen das ebenfalls. So wollten wir ganz am Anfang des Projektes einmal einen Fragebogen zu solchen Fragen testen. Wir wollten ihn von Musikern eines Orchesters probeweise ausf\u00fcllen lassen, um zu sehen, ob die Fragestellungen aussagekr\u00e4ftig sind.<\/p>\n<p> Wir hatten uns unbefangen \u00fcber den Orchesterleiter angemeldet. Der bereitete uns schon mal darauf vor, dass dies bei Musikern eine ganz sensible Problematik ist und dieser Weg bei anderen Orchestern in der Regel nicht funktionieren w\u00fcrde. Bei ihm gebe es aber diesbez\u00fcglich keine Probleme, weshalb er ganz einfach seine Musiker zu einem Termin mit uns in den R\u00e4umen des Orchesters einladen werde.<\/p>\n<p> Als wir uns sp\u00e4ter am besagten Treffen vorstellten, war es anfangs mucksm\u00e4uschenstill, und es herrschte eine sehr zur\u00fcckhaltende Atmosph\u00e4re. Die Musiker sagten, sie g\u00e4ben zu dem Thema \u00fcberhaupt keine Ausk\u00fcnfte; sie w\u00fcssten ja nicht, ob nicht vielleicht irgendwo ein Mikrophon versteckt sei. Einzig ein \u00e4lterer Herr meinte, er gehe bald in Rente, da komme es nicht mehr darauf an. Mit den andern unterhielten wir uns halt an diesem Tag bloss allgemein, wobei festzustellen war, dass unsere Musiker an der Thematik h\u00f6chst interessiert waren. Aber um die Problematik unbefangen besprechen zu k\u00f6nnen, musste noch einmal ein Termin auf \u00abneutralem\u00bb Boden im Forschungsinstitut angesetzt werden. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p> <strong>Die Weblinks<\/strong> <br \/> Dr-K\u00f6hler-Park-Klinik:<a href=\"http:\/\/www.dr-koehler-parkklinik.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.dr-koehler-parkklinik.de<\/a><br \/> Projekt Musicon Valley: <a href=\"http:\/\/www.musiconvalley.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.musiconvalley.de<\/a> <br \/> Bad Elster: <a href=\"http:\/\/www.badelster.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.badelster.de <\/a> <\/p>\n<p> <strong>Kontakt<\/strong><br \/> Claudia Tippmer: <a href=\"mailto:pgastrocnemius@aol.com\">pgastrocnemius@aol.com<\/a> <br \/> <a href=\"mailto:volker.stoeckmann@gmail.com\"> volker.stoeckmann@gmail.com<\/a> <br \/> <a href=\"mailto:thomas.brockow@fbk.sms.sachsen.de\"> thomas.brockow@fbk.sms.sachsen.de<\/a> <br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <strong>Musikerin:<\/strong> In der Orchesterlandschaft hat sich in den letzten Jahren einiges ver\u00e4ndert. Durch Fusionen von Orchester und Theater sind zus\u00e4tzliche Belastungen entstanden. Da gilt es, nach aussen hin zu zeigen, dass der Klang voller wird. Die Orchestergr\u00e4ben sind aber nur f\u00fcr ein Orchester ausgerichtet. Da sitzt man dann pl\u00f6tzlich be\u00e4ngstigend eng, nicht zu vergessen die extreme Lautst\u00e4rkebelastung. Wenn man dann noch eine vierst\u00fcndige Wagneroper spielen muss, muss man schon hart sein, um das durchstehen zu k\u00f6nnen. Hinzu kommen pl\u00f6tzlich die erweiterten Arbeitswege von gern f\u00fcnfzig Kilometern zus\u00e4tzlich. <br \/> Gerade bei Sinfoniekonzerten mit all den Proben ist das zeitraubend. Das bedeutet zwei Stunden im Auto, dann bis zu drei Stunden in der Probe sitzen. Wer nicht mith\u00e4lt, muss aussteigen. Durch den st\u00e4ndigen Wechsel der Probenorte sitzt man auch oft nicht optimal. Ein richtiger Orchesterstuhl, der sollte individuell verstellbar sein. Oft sind die aber nicht an allen Probenorten verf\u00fcgbar. F\u00fcr ein Weile steckt man M\u00e4ngel in dieser Hinsicht noch weg und improvisiert halt ein wenig \u2013 zum Beispiel mit einem Keilkissen. Auf die Dauer ist das aber auch nicht die L\u00f6sung und k\u00f6rperliche Sch\u00e4den bleiben dabei nicht aus. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Lernen denn angehende Musikerinnen und Musiker nicht, mit solchen Rahmenbedingungen vern\u00fcnftig umzugehen?<\/span><br \/> <strong>Musikerin:<\/strong> In der Ausbildung mangelt es oft von Beginn weg an ausreichenden Hinweisen und Anleitungen wie man immer h\u00f6her werdendem Leistungs- und Zeitdruck ausgleichend begegnen kann. Mir wurde nicht beigebracht, mit der wirklich optimalen Haltung und dem geringsten Kraftaufwand das Beste herauszuholen. Wenn man einige Berufsjahre hinter sich hat, beginnen dann je nach pers\u00f6nlicher Anf\u00e4lligkeit halt die Schmerzen. Erst dann f\u00e4ngt man meistens an, sich mit dem Thema bewusst auseinander zu setzen. Doch oft ist es aber schon zu sp\u00e4t. Man schaut dann nur noch, dass man irgendwie ein Gleichgewicht zwischen Schmerzausgleich und Berufsanforderungen finden und halten kann. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Welche M\u00f6glichkeiten hat man denn heute, solche Probleme medizinisch anzugehen?<\/span><br \/> <strong>Musikerin:<\/strong> Beim Arzt, wird man in Regel nur allgemein behandelt. Speziell auf Musiker zugeschnittene Massnahmen fehlen. Als ich eine Kur beantragte, hiess es sogar, ich k\u00f6nnte die physiotherapeutischen Massnahmen ja in den spielfreien Zeiten absolvieren, das m\u00fcsse gen\u00fcgen. Dass es darum ging, das Instrument mal aus der Hand zu legen und aus der nicht ganz einfachen Haltung herauszufinden, damit auch wirklich ein Heilungsprozess stattfinden kann, wurde nicht erkannt. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/badelstervs2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"> (Bild: zvg) <\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <strong>Steine auf dem Weg zur Finanzierung<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Wer bezahlt f\u00fcr die Behandlungen von Musikerkrankheiten?<\/span> <br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> In einer anerkannten Klinik wie der Dr.-K\u00f6hler-Park-Klinik, die ein Zentrum f\u00fcr Naturheilkunde und unter anderem auch Lehrklinik f\u00fcr Ern\u00e4hrungsheilkunde ist, k\u00f6nnen Pr\u00e4ventionsmassnahmen in der Regel dem Kostentr\u00e4ger belastet werden. In Deutschland ist das aus unsinnigen historischen Gr\u00fcnden aber zun\u00e4chst einmal die Rentenversicherung, bei der ein behandelnder Arzt einen Antrag f\u00fcr eine Pr\u00e4ventionsmassnahme oder ein Heilverfahren f\u00fcr einen Berufst\u00e4tigen stellen muss.<br \/> Diese lehnt prinzipiell eher ab, respektive f\u00e4ngt erst an, dar\u00fcber nachzudenken, wenn eine Fr\u00fchverrentung droht und diese nun nicht mehr mit Pr\u00e4ventions- sondern mit teureren Rehabilitationsmassnahmen noch zwei, drei Jahre hinausgeschoben werden kann. Die gesetzliche Krankenkasse wiederum darf f\u00fcr Berufst\u00e4tige in Deutschland erst dann zahlen, wenn die Rentenversicherung abgelehnt hat. Aber bis dahin ist es meist ein nervenzehrender \u00abKrieg\u00bb, den die Betroffenen oft nicht bis zum Ende durchstehen. Nat\u00fcrlich steht es frei, als Privatgast selbst in die eigene Gesundheit zu investieren, wenn man es sich denn leisten will. Unsere Partnerklinik bietet hierf\u00fcr beste Bedingungen und Konditionen, vor allem durch die Lage in eher preisg\u00fcnstigeren neuen Bundesl\u00e4ndern. Mit den von uns entwickelten Musiker-Pr\u00e4ventionsmassnahmen setzen wir deshalb zus\u00e4tzlich auf den Privatzahler. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Wo h\u00f6rt denn Pr\u00e4vention auf und wo beginnt die Rehabilitation?<\/span><br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Man unterscheidet zwischen Prim\u00e4r-, Sekund\u00e4r- und Terti\u00e4rpr\u00e4vention. Von den letzteren zwei spricht man, wenn die Patienten schon Probleme haben. Da geht es darum, wie man diese gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen besser bew\u00e4ltigt. Prim\u00e4rpr\u00e4vention ist die allgemeine gesundheitliche Erziehung, zum Beispiel das morgendliche Z\u00e4hneputzen. Pr\u00e4vention hat im allgemeinen leider einen schweren Stand, weil es schwierig ist, zu beweisen, dass sie hilft, also dass etwas nicht eintrifft, weil man ja rechtzeitig Vorkehrungen getroffen hat. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">K\u00f6nnen Sie das n\u00e4her erl\u00e4utern?<\/span> <br \/> <strong>Thomas Brockow:<\/strong> Von Sekund\u00e4rpr\u00e4vention spricht man zum Beispiel, wenn ein Musiker eine Blockierung der Halswirbels\u00e4ule hat und zur Vermeidung von degenerativen Ver\u00e4nderungen die Wirbels\u00e4ule st\u00e4rkt. Wenn ein schon \u00e4lterer Musiker bereits solche degenerativen Ver\u00e4nderungen zu beklagen hat und spezifische Massnahmen ergriffen werden m\u00fcssen, dann f\u00e4llt das unter Terti\u00e4rpr\u00e4vention, beziehungsweise Rehabilitation. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/040913stoeckmann.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"bottom\" width=\"190\"><center><strong>Volker St\u00f6ckmann: \u00abPr\u00e4vention hat einen schweren Stand.\u00bb <\/strong><br \/> (Bild: Codex flores)<\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Wie lange sollten denn solche Pr\u00e4ventionsmassnahmen dauern?<\/span> <br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> F\u00fcr die Musiker w\u00e4ren Pr\u00e4ventionsmassnahmen \u00fcber vier bis sechs Wochen sinnvoll. Praktisch ist das nach unserer Erfahrung aber nicht machbar, weil die Musiker nicht die Zeit hierf\u00fcr haben.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Und wann sollte man als Musiker eine solche Massnahme ins Auge fassen?<\/span> <br \/> <strong>Musikerin:<\/strong> Gesundheitsvorsorge m\u00fcsste schon im Studium als wichtiges Hauptfach angeboten werden oder sogar schon in der Musikschule.<\/p>\n<p> <strong>Claudia Tippmer:<\/strong> Wichtige Ans\u00e4tze zur Pr\u00e4vention sollten schon ab dem Musikunterricht zu einem festen Bestandteil geh\u00f6ren. Eltern und P\u00e4dagogen k\u00f6nnen hier Weichen stellen. Die Auswahl des Instrumentes nach individueller Eignung und konstitutionellen Gegebenheiten, ergonomische Anpassungen auch aufgrund von Wachstumssch\u00fcben, eine gute \u00f6konomische Haltung durch eine verbesserte K\u00f6rperwahrnehmung sowie Vemeidung von Erm\u00fcdungserscheinungen durch effektive Pausengestaltung. Diese Elemente sind Teil einer solchen Pr\u00e4ventionsmassnahme f\u00fcr Berufsmusiker. Es geht darum, die Musiker f\u00fcr ihren \u00abharten\u00bb Alltag fit zu machen, ihnen \u00abHandwerkszeug\u00bb mit auf den Weg zu geben, das sie \u00fcberall, m\u00f6glichst ohne fremde Hilfe und ohne Hilfsmittel nutzen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> <strong>Auch Sport ist ein Reizthema<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Sportliche Aktivit\u00e4ten w\u00fcrden auch schon in diesem Alter sicher zum Ausgleich beisteuern.<\/span><br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Viele Eltern von musizierenden Kindern haben da leider Bedenken. Die packen den Nachwuchs in Watte, aus Angst vor Verletzungen, die eine Karriere fr\u00fchzeitig beenden k\u00f6nnten. Die Pr\u00e4vention muss eigentlich schon bei diesem falschem Verhalten im Kindesalter ansetzen. <\/p>\n<p> <strong>Tippmer:<\/strong> Das Wort \u00abSport\u00bb ist bei den Musikern eher tabu. Man spricht besser von \u00abBewegung\u00bb. Fr\u00fcher durften sich musisch begabte Kinder aus Angst vor Verletzungen nicht austoben. Einem musizierenden Kind gen\u00fcgt das \u00abAusleben d\u00fcrfen\u00bb seines nat\u00fcrlichen Bewegungsdrangs &#8211; das Austoben -, ohne Absolvierung gezielter gymnastischer \u00dcbungen. Ein Musiker ben\u00f6tigt ein regelm\u00e4ssiges Konditionstraining, das den n\u00f6tigen Ausgleich zu seiner einseitigen k\u00f6rperlichen Belastung schafft. Allein um den Anforderungen des Alltages gerecht zu werden, m\u00fcssen vor allem Bauch- und R\u00fcckenmuskulatur f\u00fcr Haltearbeit und Bewegung trainiert werden. Die vielf\u00e4ltigen Bewegungen des Musikers w\u00e4hrend des Musizierens erfordern ein differenziertes Zusammenspiel dieser Muskulatur. Eine richtige, \u00f6konomische K\u00f6rperhaltung erm\u00f6glicht eine dynamische und \u00f6konomische Technik, mit dem geringstm\u00f6glichen Kraftaufwand, egal welches Instrument gespielt wird. <br \/>Die Muskulatur muss so trainiert werden, dass man die Leichtigkeit entwickeln kann, die am Instrument in Technik umgesetzt wird. Wenn man schon nicht gut sitzt und die Muskulatur, die eigentlich f\u00fcr die Bewegungsarbeit da ist, Arbeit leisten muss, dann kommt halt der Krampf. <br \/>Wenn bei einer solchen Einstellung das L\u00e4ngenwachstum einsetzt und die Muskulatur nicht nachkommt, weil man sie mit ausgleichender Bewegung nicht trainiert, dann sind Sch\u00e4den vorprogrammiert. Die machen sich dann aber halt nicht so schnell bemerkbar. Studien haben gezeigt, dass acht bis zwanzig Jahre vergehen k\u00f6nnen, bevor in der Folge Schmerzen auftreten.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Bieten Sie auch spezifische Rehabilitationsprogramme an?<\/span> <br \/> <strong>Brockow:<\/strong> Zur Zeit bieten wir keine spezifische Rehabilitation f\u00fcr Berufsmusiker an. Das war urspr\u00fcnglich einmal geplant, jetzt setzen wir verst\u00e4rkt auf Pr\u00e4ventionsmassnahmen und Selbstbef\u00e4higung der Musiker, weil die Erfolgsaussichten besser sind und es den Musikern leichter f\u00e4llt, sich f\u00fcr drei bis zehn Tage f\u00fcr so einen Lehrgang frei zu nehmen.<\/p>\n<p> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Es gab hier in Bad Elster Mitte der neunziger Jahre eine spezifische Rehabilitation f\u00fcr Musiker, und zwar an der Vogtlandklinik. Man hat sie dort aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht weiter verfolgen k\u00f6nnen. Man war nicht in der Lage, gen\u00fcgend Musiker herzuholen und die gesetzlichen Krankenkassen als dauerhaften Partner zu gewinnen, um die Rentabilit\u00e4t des Angebotes zu sichern. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"bottom\" width=\"190\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Claudia Tippmer: \u00abFr\u00fcher durften Kinder aus Angst vor Verletzungen gar nichts machen. Bei einer solchen Einstellung sind Sch\u00e4den vorprogrammiert.\u00bb<\/strong><br \/> (Bild: Codex flores)<\/span><\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/040913tippmer2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Wie steht es mit dem N\u00fctzlichkeitsnachweis? Man k\u00f6nnte sich vorstellen, dass Musiker zum Ausgleich auch gerne eher ganzheitliche Angebote nutzen w\u00fcrden, die in ihrer N\u00fctzlichkeit nicht \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Die Kostentr\u00e4ger wollen aber sicher einen knallharten N\u00fctzlichkeitsnachweis.<\/span><br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Wir hatten im Rahmen unseres Projektes untersucht, was f\u00fcr Musiker besonders geeignet ist, und haben dann mit den Medizinern und den Therapeuten hier in der Klinik Konzepte entwickelt, wie man Musiker optimal behandeln kann. Der ganzheitliche Ansatz ist ideal geeignet. Es reicht eben nicht, wenn ich nur eine Stelle massiere, die weh tut, ich muss den Menschen insgesamt aufbauen und stabilisieren. In dem Rahmen hat sich unter Musikern auch die Alexander-Technik bew\u00e4hrt, die wir \u2013 falls gew\u00fcnscht \u2013 ebenfalls anbieten. Damit werden die Musiker bef\u00e4higt, ein stabiles Fundament aufzubauen, was den Bewegungsapparat anbelangt, und das gut zu steuern. Wir betonen auch die ganzheitliche Bewegung. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">In welchem Mass wird denn auch psychologisch mit den Leuten gearbeitet?<\/span><br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Der Tagesablauf beginnt hier zum Beispiel mit gemeinsamem Wassertreten, das heisst auf Wunsch mit Kneippschen Prinzipien. Im Aussengel\u00e4nde der Klinik schl\u00e4ngelt sich ein Bach, den man in einem Tretbecken durchwaten kann, oder man \u00fcbt sich im Taulaufen \u00fcber die Wiese und anderen M\u00f6glichkeiten eines morgendlichen Bewegungsprogrammes. Das macht in der Gruppe mehr Spass und ist etwas, was die Leute auch in psychologischer Balance nach oben holt. Es gibt aber auch direkte therapeutische Betreuung gezielt mit einzelnen Patienten, als psychologische oder psychotherapeutische Einzelgespr\u00e4che, etwa zum Thema Angst beziehungsweise zu Stressbew\u00e4ltigung oder B\u00fchnenangst. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Sie haben im Rahmen des Projektes auch die Chance, mit Instrumentenbauern der Region zusammenzuarbeiten.<\/span><br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Wir haben Kontakt zu sogenannten Teilemachern, die zum Beispiel Kinnhalter f\u00fcr Streichinstrumente fertigen. Die haben auch schon vorgefertigte Modelle, die man probieren kann. Die Handwerker sind gerne f\u00fcr uns da, die Instrumentenbauerstadt Markneukirchen ist gerade mal zehn Kilometer entfernt.<\/p>\n<p> <strong>Schwierige Rahmenbedingungen f\u00fcr die Forschung<\/strong><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Wird in Bad Elster auch Forschung betrieben?<\/span> <br \/> <strong>Brockow:<\/strong> Das ist ein heikles Thema. Die Musikermedizin ist wie die ganze Physikalische Medizin an den deutschen Universit\u00e4ten deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Wir haben f\u00fcr die Musikermedizin zwei Lehrst\u00fchle, f\u00fcr die Physikalische Medizin drei. Daran sieht man, wie schwierig es ist, auf diesem Gebiet Forschungen durchzuf\u00fchren. <\/p>\n<p> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Wir haben in den letzten Jahren mehrere Studien gemacht, im Zusammenhang auch mit dieser Klinik und wir haben auch mit neuen Ger\u00e4ten zur Haltungskorrelation gearbeitet, zum Beispiel mit dem sogenannten \u00abSpacecurl\u00bb. Das ist ein Balanceger\u00e4t, in dem man sich fast schwerefrei bewegen kann. Jede Dysbalance wird da sofort erkenntlich und die therapeutischen Erfolge sind sehr beeindruckend. <\/p>\n<p> <strong>Brockow: <\/strong> Es geht bei dem Ger\u00e4t um die Stimulation der tiefen autochthonen R\u00fcckenmuskulatur, die durch die normalen Bewegungen im Alltag nicht mehr gezielt erreicht werden kann. Wir f\u00fchren hier allerdings keine muskelphysiologischen Studien durch. Klinische Studien waren geplant, sind aber im Moment aus organisatorischen Gr\u00fcnden noch nicht m\u00f6glich. Wir k\u00f6nnen zur Zeit auch das Pr\u00e4ventionsprogramm, das in der Entwicklung ist, nicht klinisch testen. F\u00fcr eine wissenschaftlich anerkannte Pr\u00e4ventionsstudie braucht es f\u00fcnf- bis sechshundert Probanden und die kriegt man hier nicht zusammen. Bestehende Studien beruhen leider alle auf ganz kleinen Fallzahlen. Damit k\u00f6nnen Sie \u00fcberhaupt keine klinische Wirksamkeit nachweisen. In der Musikermedizin ist mit f\u00fcnfzig bis hundert Patienten leider nichts belegbar, was den heutigen hohen wissenschaftlichen Anforderungen gen\u00fcgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"300\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/040913speisesaal.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong> Speisesaal der Dr.-K\u00f6hler-Park-Klinik Bad Elster<\/strong><br \/> (Bild: Codex flores) <\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Die Motivation, das zu \u00e4ndern, d\u00fcrfte auch relativ klein sein. Der Ausfall von Musikern ist kein \u00f6konomisches Problem.<\/span> <br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Das ist eine vordergr\u00fcndige Denkweise. Es ist so, dass ein Grossteil der Musiker nicht normal in den Ruhestand geht, sondern an die f\u00fcnfzig Prozent werden berufsunf\u00e4hig. Das ist die eine Kostenfalle f\u00fcr die Zukunft. Das andere sind die st\u00e4ndigen Behandlungkosten, die Einschr\u00e4nkungen von Lebensqualit\u00e4t und der anhaltende Gebrauch von Medikamenten und das \u00fcber viele Jahre hinweg.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Weshalb muss es denn so weit kommen?<\/span><br \/> <strong>Musikerin:<\/strong> Wenn man als Orchestermitglied zur Kur geht, dann m\u00fcssen die Kollegen die Arbeit \u00fcbernehmen. Da hat man dann schon das Gef\u00fchl, sich etwas herauszunehmen, was eigentlich alle n\u00f6tig h\u00e4tten. Es hat ja jeder mehr oder weniger \u00e4hnliche Probleme. <\/p>\n<p> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Die L\u00f6sung w\u00e4re dann doch, ein ganzes Orchester mal zur Kur zu schicken, das sich auch zutraut, sich gemeinschaftlich um seine Gesundheit zu k\u00fcmmern. Da waren wir schon nah dran. Es handelte sich um ein Ensemble, das wegen des hohen Krankenstandes teilweise keine Auftritte mehr absolvieren konnte. Da entschlossen sich Orchesterleitung und Musikergewerkschaft gemeinsam zum aktiven Gegensteuern. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Viele Orchestermusiker wollen privat h\u00e4ufig gar nicht viel miteinander zu tun haben.<\/span><br \/> <strong>St\u00f6ckmann:<\/strong> Und die Familien erheben Anspruch, gerade in der spielfreien Zeit. Deshalb sind Kuren \u00fcber vier bis sechs Wochen leider weniger realistisch. Aus diesem Grund haben wir uns jetzt auch auf Veranstaltungen von drei bis maximal zehn Tage konzentriert. Drei Tage mit An- und Abreise reichen erfahrungsgem\u00e4ss als \u00abSchnupperauftakt\u00bb f\u00fcr den noch Unentschlossenen, nach dem dann mit einem Folgekurs weiter aufgebaut werden sollte. F\u00fcnf Tage scheinen daf\u00fcr aus der Sicht der Musiker in Deutschland gerade noch zeitlich machbar. Im Laufe der Spielzeit also immer mal wieder einige Tage aussetzen und f\u00fcr die Gesundheit \u00fcben, das ist unsere Empfehlung. Gern laden wir hierzu nat\u00fcrlich auch die Schweizer Musiker nach Sachsen ein. Im \u00fcbrigen interessiert es uns brennend, wie die Situation der Musiker in der Schweiz ist. <\/p>\n<p> <strong>Tippmer:<\/strong> In dem Angebot des Drei-Tages-Seminares werden gezielt M\u00f6glichkeiten aufgezeigt, wie der Musiker seinen Alltag gut bew\u00e4ltigen kann. Er bekommt Einblicke in verschiedene Therapiem\u00f6glichkeiten sowie ein Programm mit gezielten Ausgleichsbewegungen mit auf den Weg f\u00fcr die ganz pers\u00f6nliche Umsetzung. Diese Massnahme sollte jedoch nicht die sehr sinnvolle Chance ersetzen, einmal eine richtige Auszeit zu nehmen, um sich intensiv der eigenen Gesundheit zu widmen. So bietet die Dr.-K\u00f6hler-Park-Klinik Bad Elster in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut f\u00fcr Balneologie und Kurortwissenschaft und dem Projekt Pro Gesundheit f\u00fcr den Musiker mit ihrem ganzheitlichen Therapieansatz optimale M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Entspannung, Regeneration und K\u00f6rperwahrnehmung im Rahmen einer auch mehrw\u00f6chigen Kur. Diese kann individuell geplant werden. Kommen Musiker allein im Rahmen einer kassenfinanzierten Kur &#8211; einer Pr\u00e4ventionsmassnahme, Heilverfahren oder Reha &#8211; d\u00fcrfen sie sich \u00fcber eine intensive Betreuung freuen. Da dies \u00f6fter der Fall ist, sind \u00fcbrigens zwei R\u00e4ume als \u00dcbungsr\u00e4ume f\u00fcr Musiker ausgewiesen. <br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30.11.2004 Im S\u00e4chsischen Staatsbad Bad Elster wird an einem Pr\u00e4ventions- und Rehabilitationsprogramm f\u00fcr Musiker get\u00fcftelt. 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