{"id":360,"date":"2014-01-11T08:31:48","date_gmt":"2014-01-11T08:31:48","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/preisbindung-hilft-kleinen-buchlaeden-nicht\/"},"modified":"2014-01-11T08:31:48","modified_gmt":"2014-01-11T08:31:48","slug":"preisbindung-hilft-kleinen-buchlaeden-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/preisbindung-hilft-kleinen-buchlaeden-nicht\/","title":{"rendered":"Preisbindung hilft kleinen Buchl\u00e4den nicht"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">30.03.2007 &#8212; Der Schweizer Buchh\u00e4ndler- und Verleger-Verband (SBVV) wehrt sich mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden rechtlichen Mitteln gegen die Abschaffung der Buchpreisbindung in der Schweiz, die er als wichtige, ja existentielle St\u00fctze f\u00fcr eine Vielfalt des Schweizer Buchmarktes betrachtet. Mittlerweile hat aber selbst das Bundesgericht gegen die Bindung entschieden. Der vom SBVV allsogleich erhobenen Forderung an den Bundesrat um eine Ausnahmebewilligung zum Kartellgesetz mag deshalb schon etwas der Geruch von Zw\u00e4ngerei anhaften. Der juristische Feldzug ist allerdings das gute Recht des SBVV, das man ihm nicht absprechen will. Dennoch mutet er ein wenig wie Don Quixotes Kampf gegen Windm\u00fchlen an. Gefochten wird n\u00e4mlich an der falschen Front: Das Problem, um das es eigentlich geht, diagnostiziert der SBVV zwar richtig, dass die Buchpreisbindung ein wirksames Mittel dagegen ist, muss jedoch als Fehlschluss bezeichnet werden.<\/p>\n<p> Kern des Anliegens ist letztlich die Wahrung eines lebendigen und vielf\u00e4ltigen, in einem ganz weiten Sinn als intellektuell zu bezeichnenden Lebens, das f\u00fcr unser Land auch staatspolitisch bedeutend ist. Dagegen, dass es \u2013 was den schriftlichen Output angeht \u2013 zu vermarmen droht, sprechen nebenbei gesagt die Zahlen: 2006 wurden von Schweizer Verlegern 17 Prozent mehr neue Titel auf den Markt geworfen als 2005, und in der Deutschschweiz findet sich pro 12\u2019000 bis 13&#8217;000 Einwohner eine Buchhandlung, in der franz\u00f6sischen Schweiz pro 10&#8217;000 Einwohner ein solche (in Deutschland m\u00fcssen sich durchschnittlich 20&#8217;000 Einwohner einen Buchladen teilen, in Frankreich stehen sich 25&#8217;000 Leser in einer solchen auf den F\u00fcssen herum).<\/p>\n<p> Viele der Schweizer Quartier- und Dorf-Buchl\u00e4den sind klein und weisen eine famili\u00e4re Atmosph\u00e4re auf. Die Konsumenten zieht es dennoch mehr und mehr in die opulenten Buch-Erlebniszentren wie sie von Grossen der Branche eingerichtet worden sind. Und der entscheidende Grund daf\u00fcr scheint nicht prim\u00e4r die grosse Auswahl zu sein, denn bei einem Bestand von mehreren Millionen lieferbarer Titel ist die Chance auch bei Buch-Grossm\u00e4rkten sehr, sehr gering, Ver\u00f6ffentlichungen etwas abseits der aktuellen Renner vor Ort aufgelegt zu finden. Bestellt werden muss so oder so. Der entscheidende Attraktor ist vielmehr die Verbindung aus Shopping-Erlebnis, Ideologiefreiheit und Anonymit\u00e4t, welche die grossen Buchlandschaften bieten.<\/p>\n<p> In andern, fr\u00fcher dezidiert alternativ oder ideologisch gepr\u00e4gten Branchen \u2013 allen voran der Lebensmittel- und Kleiderbranche \u2013 sind die echten Bed\u00fcrfnisse der Konsumenten erkannt worden, und Unternehmen wie Body Shop oder Starbucks mausern sich zu bedeutenden, wirtschaftlich sehr erfolgreichen Mitspielern im Markt. Sie verm\u00f6gen mit einer offenen Atmosph\u00e4re und hoch professionellem Marketing alle Bev\u00f6lkerungskreise anzusprechen.<\/p>\n<p> Dieser Paradigmenwandel steht der Buchbranche noch bevor. Die Schweizer Quartier- und Dorfbuchl\u00e4den alleine sind dazu aber vermutlich tats\u00e4chlich zu klein. Eine Chance, die Vielfalt zu wahren, haben sie wahrscheinlich bloss, wenn sie sich von der liebgewonnenen Doktrin l\u00f6sen, Kultur sei eine Gegenwelt zu Massengeschmack und wirtschaftlichem Denken und Lesen eine individualistische Abkehr vom Kollektiv.<\/p>\n<p> Auch in Sachen Lesen, Musikmachen und kreativem Gestalten muss der Wille zum wirtschaftlichen Erfolg und der Professionalisierung des Marketings Fuss fassen. Quartier- und Dorfl\u00e4deli m\u00fcssen sich dabei vermutlich zu Angebotszentren zusammenschliessen: Wenn der Instrumenten- und Notenladen, der CD-Shop, der Buchh\u00e4ndler, die Videothek und der Gameshop (ja, die auch), das Internet-Caf\u00e9 und das Kleinkino gemeinsam eine grossz\u00fcgige Erlebniswelt kreieren, dann werden sie gegen\u00fcber den Branchenf\u00fchrern konkurrenzf\u00e4hig. Angst davor braucht niemand zu haben, denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Gesch\u00e4ft.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 30.03.2007 &#8212; Der Schweizer Buchh\u00e4ndler- und Verleger-Verband (SBVV) wehrt sich mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden rechtlichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=360"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}