{"id":362,"date":"2014-01-11T08:32:50","date_gmt":"2014-01-11T08:32:50","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zensur-von-rap-texten-waere-ein-fehler\/"},"modified":"2014-01-11T08:32:50","modified_gmt":"2014-01-11T08:32:50","slug":"zensur-von-rap-texten-waere-ein-fehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zensur-von-rap-texten-waere-ein-fehler\/","title":{"rendered":"Zensur von Rap-Texten w\u00e4re ein Fehler"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">27.04.2007 &#8212; Die teils r\u00fcde Sprache amerikanischer Rapper und ihr Lebensgef\u00fchl wecken dies- und jenseits des Grossen Teichs unterschiedliche Widerst\u00e4nde: In den USA entfachen die nicht selten brillanten Wortjongleure Debatten rund um den \u00abFreedom of Speech\u00bb (in den USA ging es schon in der Porno-Debatte mehr um politische Freiheiten als um moralische Werte \u2013 man erinnere sich an Milos Formans Film \u00fcber den \u00abHustler\u00bb-Verleger Larry Flint). In Sachen Jugendschutz oder \u00abPolitical Correctness\u00bb f\u00fchrt hingegen h\u00e4ufig pr\u00fcde Doppelmoral das Zepter. In den USA muss in die Debatte aber auch eingerechnet werden, dass Gangsta-Rap &amp; Co in den Elendsvierteln von Mega-Metropolen einem Lebensgef\u00fchl authentischen Ausdruck verleihen. Eines Lebensgef\u00fchls authentischer Ausdruck sollte aber nie per Dekret zum Verstummen gebracht werden. Zum einen w\u00fcrde das zynisch wirken, zum andern kreativer Kraft den Stecker ziehen. Kuschel-Kunst und Goodwill-Glamour kann nicht das h\u00f6chste der \u00e4sthetischen Gef\u00fchle sein.<\/p>\n<p> Wenn sich nun namhafte Produzenten von Rap in den USA f\u00fcr gewisse Selbstbeschr\u00e4nkungen aussprechen ( siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=3749\">Codex-flores-Nachricht<\/a>), kann dies allerdings bloss als Versuch gewertet werden, gesch\u00e4ftssch\u00e4digenden Gedankenlosigkeiten gegen\u00fcber den Rechten der Frauen und dem Kampf gegen Rassendiskriminierung die Spitze zu brechen \u2013 um mit dem Feuer der Underdogs weiterhin Kohle zu machen.<\/p>\n<p> Kaum eine Rolle spielt in der amerikanischen Kultur ein Aspekt, dem aus europ\u00e4ischer Warte hohe Bedeutung zukommt: Die zentrale Botschaft der Rapper, n\u00e4mlich dass grandios \u00fcbersteigerte Egos cool sind, wird in den hemds\u00e4rmeligen USA schulterzuckend zur Kenntnis genommen, in der Alten Welt hingegen (zu recht) nicht goutiert. Texte, in denen halbseidene Spr\u00fccheklopferei zur politischen Anklage wird, riechen hier eher nach grossm\u00e4uligem Mitl\u00e4ufertum und Nachahmerei, als wie ein echter Aufschrei.<\/p>\n<p> Eine Folge wirtschaftlicher Perspektivelosigkeit und sozialer Verwahrlosung ist \u2013 vor allem bei jungen M\u00e4nnern \u2013 ein grandioses Ich-Gef\u00fchl, verbunden mit mikroskopisch kleiner Frustrationstoleranz. Rap-Lyrik amerikanischen Zuschnitts adelt eine solche Attit\u00fcde. Dies ist das eigentliche Problem dieser importierten Form der Jugendkultur. Dagegen gilt es klar Stellung zu beziehen. Aber im Grunde genommen machen das die europ\u00e4ischen Rapper bereits selber \u2013 indem sie die sexistischen, rassistischen und gewaltgeschw\u00e4ngerten Drohgesten der amerikanischen Vorbilder literarisch brechen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 27.04.2007 &#8212; Die teils r\u00fcde Sprache amerikanischer Rapper und ihr Lebensgef\u00fchl wecken dies- und jenseits des&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-362","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=362"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}