{"id":363,"date":"2014-01-11T08:33:20","date_gmt":"2014-01-11T08:33:20","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/muss-man-einheimisches-per-gesetz-foerdern\/"},"modified":"2014-01-11T08:33:20","modified_gmt":"2014-01-11T08:33:20","slug":"muss-man-einheimisches-per-gesetz-foerdern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/muss-man-einheimisches-per-gesetz-foerdern\/","title":{"rendered":"Muss man Einheimisches per Gesetz f\u00f6rdern?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">11.05.2007 &#8212; Es gab einen Tag, an dem das Radio bei uns ungew\u00f6hnlich lange eingeschaltet blieb. Wir fragten uns alle, weshalb wir das Programm pl\u00f6tzlich so interessant fanden, bis ein Moderator nebenbei erkl\u00e4rte, es sei Erster August \u2013 der Schweizerische Nationalfeiertag \u2013 und man spiele deshalb ausnahmsweise nur Schweizer Musik. Eine explizite F\u00f6rderung des einheimischen Schaffens in den einheimischen Kan\u00e4len der einheimischen \u00f6ffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehkan\u00e4le m\u00fcsste da eigentlich bedeuten, beim Konsumenten offene T\u00fcren einzurennen. Auf vielseitigen Wunsch, vor allem der Produzenten, ist die F\u00f6rderung im revidierten Bundesgesetz \u00fcber Radio und Fernsehen (RTVG), das am 1. April 2007 in Kraft getreten ist, allerdings rechtlich verankert worden.<\/p>\n<p> Die sozialdemokratische Z\u00fcrcher Nationalr\u00e4tin Vreni M\u00fcller-Hemmi hat Ende M\u00e4rz einen weiteren Nagel eingeschlagen: Mit einer Anfrage will sie vom Bundesrat erfahren, wie er denn die konkrete Umsetzung der im Artikel 24, Absatz 4 des RTVG festgelegten F\u00f6rderung in der real existierenden Medienwelt anzugehen gedenkt. In dem besagten Absatz steht n\u00e4mlich bloss in etwas allgemeiner Form, dass die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) zur \u00abF\u00f6rderung der schweizerischen Kultur unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Schweizer Literatur sowie des Schweizer Musik- und Filmschaffens\u00bb beizutragen habe. M\u00fcller-Hemmi spielt in der Anfrage auch mit der Idee, analog zum \u00aberfolgreichen Filmf\u00f6rderinstrument \u2018Pacte de l\u2019audiovisuel\u2019\u00bb einen Literatur- und Musikpakt anzustossen.<\/p>\n<p> Staatliche F\u00f6rderung einheimischen Kulturschaffens ist immer eine zweischneidige Sache; Qualit\u00e4t auf internationalem Niveau kann im Grunde nur entstehen, wenn die Produzenten bereit sind, sich der internationalen Konkurrenz auf den entsprechenden M\u00e4rkten zu stellen. Gesch\u00fctzte Werkst\u00e4tten oder die Vorstellung ewiggestriger Futuristen, Marktmechanismen seien besonders fiese Repressionsinstrumente neoliberaler Geldscheffler, f\u00fchren in der Regel vielmehr dazu, dass sich diejenigen, die sich aufs Kratzbuckeln und Lobbyieren verstehen, mehr Geh\u00f6r verschaffen, als die wirklichen k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeiten. Letztere sind in der Regel dazu eher zu stolz.<\/p>\n<p> Das RTVG betreibt diese Form der Spiegelfechterei. Unser Schl\u00fcsselerlebnis vom Nationalfeiertag hat uns gezeigt, dass es ein grober Irrtum w\u00e4re, zu meinen, die Ber\u00fccksichtigung des einheimischen Schaffens in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien m\u00fcsse per Gesetz durchgesetzt werden, weil Schweizer Musik (und Literatur) per se nicht marktf\u00e4hig w\u00e4ren. Vielmehr ginge es paradoxerweise eher darum, eben gerade dem Markt zu seinem Recht zu verhelfen. <\/p>\n<p> F\u00fcr die Umsetzung des RTVG-Artikels ist angesichts der politischen Realit\u00e4ten in unserem Land einiges zu bef\u00fcrchten. Nat\u00fcrlich \u2013 ist man geneigt zu sagen \u2013 schl\u00e4gt Vreni M\u00fcller-Hemmi vor, dass vor der Auftragsfestlegung f\u00fcr Konzessionen neben dem Bundesamt f\u00fcr Kultur und der Stiftung Pro Helvetia auch die in Suisseculture organisierten Fachverb\u00e4nde konsultiert werden. Man kann sich vorstellen, welche Folgen das haben wird: Jeder will sein Scheibchen, alle f\u00fchlen sich zu kurz gekommen, keiner g\u00f6nnt dem andern eine Extrawurst \u2013 und am Schluss resultiert eine Auftragsfestlegung, die vor allem von etwas gepr\u00e4gt ist: vom Bem\u00fchen, ja niemandem auf den Schlips zu treten. Wieviel Kantiges und Authentisches da in der \u00f6ffentlich-rechtlichen Programmierung noch \u00fcbrigbleiben wird, darf sich jeder selber ausmalen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 11.05.2007 &#8212; Es gab einen Tag, an dem das Radio bei uns ungew\u00f6hnlich lange eingeschaltet blieb.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-363","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=363"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}