{"id":37,"date":"2014-01-06T10:14:36","date_gmt":"2014-01-06T10:14:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/ausgehorchte-instrumente\/"},"modified":"2014-01-06T10:14:36","modified_gmt":"2014-01-06T10:14:36","slug":"ausgehorchte-instrumente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/06\/ausgehorchte-instrumente\/","title":{"rendered":"Ausgehorchte Instrumente"},"content":{"rendered":"<p>21.01.2005<\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Am Institut f\u00fcr Musikinstrumentenbau im vogtl\u00e4ndischen Zwota werden Instrumente auf Herz und Nieren gepr\u00fcft und und Methoden zur Qualit\u00e4tsverbesserung ausget\u00fcftelt. Ein Augeschein an der deutschlandweit einzigartigen Institution.<\/strong><\/p>\n<p> \u00abEine zusammenfassende Beschreibung elektroakustischer Musikinstrumente, ihrer Eigenarten und Anwendungsm\u00f6glichkeiten unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Mixturtrautoniums.\u00bb So n\u00fcchtern liest sich der Titel zum ersten Bericht im Archiv einer deutschlandweit einzigartigen Forschungsst\u00e4tte. Das Institut f\u00fcr Musikinstrumentenbau (IfM) im vogtl\u00e4ndischen Zwota wurde 1951, zu seiner Zeit noch als \u00abPr\u00fcfdienststelle des Deutschen Amtes f\u00fcr Material- und Warenpr\u00fcfung\u00bb der DDR gegr\u00fcndet, und zwar vom Akustiker Hermann Meinel.<\/p>\n<p> In einer Festrede anl\u00e4sslich des 50-j\u00e4hrigen Bestehens der Institution l\u00e4sst der heutige Leiter Gunter Ziegenhals durchblicken, dass man in dieser Fr\u00fchzeit \u00abder aufkommenden elektronischen Klangerzeugung eher skeptisch gegen\u00fcberstand. Sp\u00e4ter \u00e4nderte sich dies allerdings. So half man 1988\/89 tatkr\u00e4ftig mit, rund um einen Chip, der auch in der Steuerung von Waschmaschinen eingesetzt wird, ein 32 Tasten umfassendes Kleinkeyboard zu entwickeln, das mit gerade mal 128 Byte Arbeitsspeicher die vierstimmige Polyphonie beherrschte. <\/p>\n<p> Knappe Ressourcen befl\u00fcgelte in den Jahren vor 1960 auch die kreative Fantasie anderer Mitarbeiter des Institutes. Da man noch \u00fcber keinen reflexionsarmen Raum zum Ausmessen von Instrumenten verf\u00fcgte, behalf man sich mit einer Art Freilufteinrichtung: Lag vor dem Haus frischer Pulverschnee, spannte man zwischen einem Fenster und einem Baum eine kleine Seilbahn, auf der man ein Mikrophon bewegen konnte. Das zu messende Instrument wurde ins Fenster gestellt. In dem schalltoten Aussenraum liessen sich in der Folge zahlreiche Experimente realisieren. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p> <strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Institut f\u00fcr Musikinstrumentenbau Zwota: <br \/><a href=\"http:\/\/www.ifm-zwota.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.ifm-zwota.de <\/a><br \/> Wests\u00e4chsische Hochschule Zwickau:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.fh-zwickau.de\/aks\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.fh-zwickau.de\/aks\/ <\/a> <br \/> Forschungsgemeinschaft Musikinstrumente e.V.:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.musikinstrumente.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.musikinstrumente.org<\/a> <br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Dem IfM sind einige originelle Entwicklungen zu verdanken. Die Reihe nimmt ihren Anfang mit einem elektro-optischen Stimmger\u00e4t. Sp\u00e4ter t\u00fcftelte man erfolgreich an einem elektromechanischen Instrument, dem Claviset, bei dem Tonzungen angerissen und ihre Schwingungen elektrisch aufgenommen werden. Auch an Verst\u00e4rkern und Orgeln arbeitete man. In den siebziger Jahren, der Zeit der Hochbl\u00fcte, wurde die T\u00e4tigkeit sogar auf andere Industriegebiete ausgeweitet. Kreiert wurde etwa auch ein Tintenleitsystem f\u00fcr F\u00fcllfederhalter oder robotergest\u00fctzte Verfahren zum automatisierten Polieren von Akkordeongeh\u00e4usen f\u00fcr das Klingenthaler Harmonikawerk. Letztere fielen Anfang der Neunzigerjahre allerdings Maschinenst\u00fcrmern mit Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes zum Opfer. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/050118zhalsserie.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"400\"><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Gunter Ziegenhals, Leiter des IfM: Der Computer hat in den letzten zwanzig Jahren die Analysearbeit revolutioniert.<\/strong> <\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Nach dem Fall der Mauer besann sich das Institut wieder auf seine Kernkompetenzen. 1993 \u00fcbernahm der Vogtl\u00e4ndische F\u00f6rderverein f\u00fcr Musikinstrumentenbau und Innovation e.V. das IfM von der Treuhand, welche die Neuregelung der ehemaligen DDR-Wirtschaft betreute.<\/p>\n<p> Heute ist die Pr\u00fcfung von Musikinstrumenten eine wesentliche Aufgabe des Hauses. 1999 betraute das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft das IfM \u00fcberdies mit der Abwicklung des Deutschen Musikinstrumentenpreises (DMIP). Dienstleistungen angeboten werden aber auch auf den Gebieten L\u00e4rmschutz und Schwingungsanalyse in der Raum- und Bauakustik sowie der Schall- und Schwingungstechnik.<\/p>\n<p> Gunter Ziegenhals ist seit einem Viertljahrhundert am Institut und hat den Wandel vom DDR-Betrieb zum privatwirtschaftlich betriebenen \u00abCompetence Center\u00bb selber miterlebt. Bei unserem Besuch des Institutes fragen wir deshalb zun\u00e4chst, wie gross die Unterschiede zwischen den Epochen denn nun seien. Zu unserer \u00dcberraschung betont der gegenw\u00e4rtige Leiter des Hauses mehr die Kontinuit\u00e4t der Arbeit. Die Aufgabenstellung, erkl\u00e4rt er, sei seit der DDR-Zeit im Prinzip die gleiche geblieben. Es habe sicherlich einen Umbruch gegeben. Dieser habe aber weniger mit politischen als technischen Aspekten zu tun: Anfang Neunzigerjahre ist mit dem Einzug des Computers in die Messaktivit\u00e4ten ein Quantensprung vollzogen worden.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/050118monitor.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"><strong>Daten aus der Impulsanalyse.<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Mit der modernen elektronischen Datenverarbeitung wurden die Akustikmessungen an Blas-, Streich- und Zupfinstrumenten, die das Haus regem\u00e4ssig durchf\u00fchrt, auf eine ganz neue Ebene gehoben. (Interessanterweise f\u00fchrt das Institut keine Forschungen zur Orgel durch, die ja auch f\u00fcr Akustiker eine Art K\u00f6nigsinstrument sein m\u00fcsste. Ziegenhals sieht darin historische Gr\u00fcnde. Das Haus war urspr\u00fcnglich eine Institution der DDR-Industrieforschung. Zum \u00abKombinat Musikinstrumente\u00bb geh\u00f6rten alle industriellen Instrumentenbauer der damaligen DDR, ausser eben den Orgelbauern, die ihre Selbst\u00e4ndigkeit wahrten.)<\/p>\n<p> Zum Teil werde, erg\u00e4nzt der Institutsleiter, die gleiche Forschung heute anders motiviert. So habe man urspr\u00fcnglich begonnen, gezielt nach Alternativen f\u00fcr bestimmte Holzarten im Instrumentenbau zu suchen, weil kein Geld da war, um die \u00fcblichen H\u00f6lzer zu kaufen. Heute, wo der finanzielle Aspekt eher in den Hintergrund getreten ist, wird die Holzsubstitution noch immer vorangetrieben. Diesmal aber aus \u00f6kologischer Sorge um bestimmte Baumbest\u00e4nde.<\/p>\n<p> Das Institut finanziert sich heute ausschliesslich mit Industrieauftr\u00e4gen. Zu denen geh\u00f6rt zum Beispiel die Entwicklung einer auf das sogenannte \u00abPitch bending\u00bb m\u00f6glichst leicht ansprechbaren Mundharmonika f\u00fcr Bluesmusiker. Ein weiteres aktuelles Projekt umfasst die Entwicklung eines Qualit\u00e4tslabels f\u00fcr vogtl\u00e4ndische Musikinstrumente. F\u00fcr ein solches muss auf Merkmale des Instrumentenklanges zur\u00fcckgegriffen werden, die sich nicht einfach mit physikalischen Messgr\u00f6ssen definieren lassen, sondern als sogenannte \u00abpsychokaustische Gr\u00f6ssen\u00bb vom subjektiven Eindruck des H\u00f6rers abh\u00e4ngig sind. Eine der Aufgaben ist deshalb die Entwicklung einer sinnvollen Rahmentheorie daf\u00fcr, wie der Mensch musikalische Kl\u00e4nge wahrnimmt und klassifiziert. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/050118schalltot.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"> <strong>Im echofreien Raum des IfM.<\/strong> <\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Eine sinnvoller Begriffsrahmen dazu bildet sich erst nach und nach aus. Urspr\u00fcnglich wurde der subjektive Klangeindruck mit bis zu tausend Begriffen umschrieben. Da eine derartige Palette wenig aussagekr\u00e4ftig war, pr\u00fcfte man die gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeiten und reduzierte die Begriffsliste so nach und nach auf eine Gruppe mit f\u00fcnf bis zehn Begriffen, mit denen sich der Klang hinreichend beschreiben l\u00e4sst. Strenggenommen, meint Ziegenhals, reichen sogar bloss drei bis vier Begriffe, um den Klang ausreichend zu charakterisieren. Auch die Skalen wurden ausged\u00fcnnt. Am IfM wird mittlerweile eine f\u00fcnfstufige Klassifikation verwendet: Man fragt etwa, ob ein Instrument deutlich lauter (5), gerade wahrnehmbar lauter (4), gleich laut (3), gerade wahrnehmbar leiser (2) oder deutlich leiser (1) als ein anderes empfunden wird.<\/p>\n<p> F\u00fcr die Beschreibung des Klanges werden am IfM die f\u00fcnf Parameter Volumen, Klarheit, Sch\u00e4rfe (Helligkeit), Bassanteil und Lautst\u00e4rke verwendet. Diese lassen sich durch die psychoakustischen Messungen allerdings noch nicht umfassend beschreiben. Der Stolperstein ist die Tatsache, dass die Wahrnehmung musikalischer Eregnisse sich im zeitlichen Ablauf gegenseitig beeinflussen. Das Volumen wird am IfM deshalb etwa anhand der Frequenzkurve aus indirekten Messungen ermittelt, indem \u00fcber den unteren Frequenzbereich gemittelt wird. Das funktioniert laut Ziegenhals recht gut. In bezug auf andere Ph\u00e4nomene bleiben allerdings viele Fragen offen. Kann man das auch machen, wenn ein Melodiest\u00fcck gespielt wird, oder muss dort f\u00fcr jeden Melodieton ein Merkmal gesondert ermittelt werden? Oder reicht es, die Merkmale bloss f\u00fcr den Toneinsatz zu ermitteln? Viele dieser Fragen bleiben noch offen.<\/p>\n<p> Damit ist aber auch klar, dass dem IfM die Arbeit an den Grundlagen der Musikwahrnehmung nicht so schnell ausgehen wird.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.01.2005 Am Institut f\u00fcr Musikinstrumentenbau im vogtl\u00e4ndischen Zwota werden Instrumente auf Herz und Nieren gepr\u00fcft und und Methoden zur Qualit\u00e4tsverbesserung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-37","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-systematische-musikwissenschaften","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}