{"id":371,"date":"2014-01-11T08:38:06","date_gmt":"2014-01-11T08:38:06","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/luzern-und-die-globale-welt-der-festivals\/"},"modified":"2014-01-11T08:38:06","modified_gmt":"2014-01-11T08:38:06","slug":"luzern-und-die-globale-welt-der-festivals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/luzern-und-die-globale-welt-der-festivals\/","title":{"rendered":"Luzern und die globale Welt der Festivals"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">31.08.2007 &#8212; Lucerne Festival hat den Bau eines flexiblen, innovativen und von k\u00fcnstlerisch h\u00f6chst berufener Seite konzipierten Saales f\u00fcr Musiktheater und Kammermusik angek\u00fcndigt (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=4174\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Meldung<\/a>). Der Traditionsanlass, der seine Akzente bislang \u2013 gezwungenermassen \u2013 auf die Orchestermusik legte, kann sich nach der bereits f\u00fcrs Jahr 2012 geplanten Fertigstellung mit einem Programm positionieren, das auch die Oper, das moderne multimediale Musiktheater und verst\u00e4rkt die Kammermusik umfasst. Mit andern Worten: Lucerne Festival wird mit den bedeutendsten Weltklasseanl\u00e4ssen seiner Art gleichziehen k\u00f6nnen. Diese z\u00fcgige und vision\u00e4re Entwicklung machen private Geldgeber m\u00f6glich. Dass sie anonym bleiben wollen, ist ein Sch\u00f6nheitsfehler, die Form von Diskretion ist f\u00fcr Kulturengagements aber durchaus \u00fcblich und weit weniger problematisch als Geldgeber im Medienbereich, die nicht mit offenem Visier antreten.<\/p>\n<p> Das private Engagement ist ein Gl\u00fccksfall. Dass Lucerne Festival die Stadtbeh\u00f6rden mit dem Projekt vor ein Fait accompli gestellt hat, mag auch bloss f\u00fcr Politiker jeglicher Couleur irritierend sein, die kulturelle Dynamik nur dann ertragen, wenn sie staatlich kanalisiert und gelenkt wird. Wie das Beispiel anderer St\u00e4dte zeigt, werden dabei in n\u00fctzlicher Frist selten wirklich \u00fcberzeugende L\u00f6sungen gefunden.<\/p>\n<p> Dennoch steckt in der privaten Finanzierung auch eine Gefahr: Genug Geld f\u00fcr das Sponsoring von internationalen Grossanl\u00e4ssen wie Lucerne Festival oder die Salzburger Festspiele haben Finanzinstitute und Grosskonzerne, die teils paranoid auf ihren guten Ruf achten, Freiz\u00fcgigkeit mit Blick auf einen hart kalkulierten Nutzen gew\u00e4hren und nicht wie weiland die grossen kunstsinnigen M\u00e4zene einfach aus echtem innerem Engagement f\u00fcr die Anliegen der Kultur Geld locker machen. Als Gegenleistung w\u00fcnschen sie sich f\u00fcr ihre Kunden Gelegenheiten, die glamour\u00f6sen Seiten der gesponserten Anl\u00e4sse geniessen zu k\u00f6nnen. Dabei erhoffen sie sich oder erwarten sie auch gar explizit eine mediale Begleitung des Drum-und-Drans in Sachen Lifestyle und Society-Events.<\/p>\n<p> Dies verst\u00e4rkt in der \u00d6ffentlichkeit einerseits die Vorstellung, die klassische Musik und ihre \u00abDorfpl\u00e4tze\u00bb seien vor allem ein Teil der Luxusg\u00fcter- und Unterhaltungsindustrie. Andererseits wird der beunruhigende und aufw\u00fchlende Charakter von Kunst zum peinlichen Betriebsunfall: Provokationen, die sich aus \u00e4sthetischer Notwendigkeit einfach ergeben, von ihren Urhebern in der Regel nicht beabsichtigt sind, l\u00e4ngere Zeit echte Irritationen ausl\u00f6sen und damit wirklich etwas bewegen, sind unberechenbar und damit bei Sponsoren etwa so beliebt wie Sportler, die sich ihre Marke zur Brust nehmen und dann als Dopings\u00fcnder entlarvt werden.<\/p>\n<p> Die architektonische Aufr\u00fcstung in Luzern ist ein Symptom daf\u00fcr, dass sich das Festivalgesch\u00e4ft zusehends globalisiert und mehr und mehr in Spannungsfeldern zwischen Forderungen nach kalkulierbarem Markennutzen und irritierender \u00e4sthetischer Vitalit\u00e4t bewegt. Den Luzerner Verantwortlichen ist zu w\u00fcnschen, dass sie in der Business Class des globalen Kulturdampfers wie bislang ein offenes Ohr f\u00fcr die materiell schwer greifbaren Anliegen der Musik haben werden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 31.08.2007 &#8212; Lucerne Festival hat den Bau eines flexiblen, innovativen und von k\u00fcnstlerisch h\u00f6chst berufener Seite&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-371","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=371"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}