{"id":374,"date":"2014-01-11T08:39:49","date_gmt":"2014-01-11T08:39:49","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-kultur-und-der-wahlkampf\/"},"modified":"2014-01-11T08:39:49","modified_gmt":"2014-01-11T08:39:49","slug":"die-kultur-und-der-wahlkampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-kultur-und-der-wahlkampf\/","title":{"rendered":"Die Kultur und der Wahlkampf"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">12.10.2007 &#8212; Zwar schimpfen alle dar\u00fcber, dass im Vorfeld der diesj\u00e4hrigen National- und St\u00e4nderatswahlen von Gespr\u00e4chs-, Debattier-, Polit- und was auch sonst noch f\u00fcr -kultur nicht mehr viel zu merken ist. Dennoch zeigen die grossen Parteien ein auffallendes Desinteresse, kulturpolitisch Position zu beziehen. Kultur ist f\u00fcr die grossen Parteien als Wahlkampfthema inexistent \u2013 mit einer beunruhigenden Ausnahme. Dabei w\u00e4ren die Voraussetzungen, einen kulturpolitischen Diskurs anzustossen, schon lange nicht mehr so gut gewesen wie dieses Jahr: Die R\u00e4te stehen mitten in der Debatte zu den Kulturf\u00f6rderungs- und Pro-Helvetia-Gesetzen, die Museumslandschaft wird umgekrempelt, die Frage nach Stil und Richtung der eidgen\u00f6ssischen Filmf\u00f6rderung wird so heiss verhandelt wie schon lange nicht mehr, die Unterschriftensammlung zur Initiative \u00abJugend + Musik\u00bb l\u00e4uft und die Pflege der Landessprachen ist zur Grundsatzfrage geworden.<\/p>\n<p> Die Frage, weshalb dennoch kein Kandidat kulturelle Forderungen stellt, l\u00e4sst sich dennoch einfach beantworten. Kultur ist zun\u00e4chst einmal weitgehend Sache der Kantone. Ein Blick auf das sogenannte Sorgenbarometer des Forschungsinstituts gfs.bern erkl\u00e4rt den Rest: Die Schweizer besch\u00e4ftigen Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, innere Sicherheit, Gesundheit und Altersvorsorge, Asylwesen, Europafrage, Energieversorgung und Terrorbek\u00e4mpfung. Kulturelle Anliegen besch\u00e4ftigen die W\u00e4hler nicht \u2013 es sei denn, man z\u00e4hle die Frage dazu, ob einem Industriequartier ein Minarett gestalterisch zuzumuten ist oder nicht.<\/p>\n<p> Entsprechend trist ist der Blick auf die kulturpolitischen Positionen der grossen Parteien. Am \u00fcbelsten zeigt sich die Situation bei der FDP. Ihr Positionspapier zur Kultur stammt aus dem Jahr 1995 und das Thema ist im Wahlkampf der Partei schlicht inexistent, auch wenn die FDP-Nationalr\u00e4tin Christine Egerszegi als Noch-Pr\u00e4sidentin des Rates immer wieder betont hat, dass es le ton sei, der die musique mache.<\/p>\n<p> Da ist die Stellungnahme der zweiten Mittepartei, der CVP, schon etwas profilierter. Ihr Grundsatzpapier zur Kulturpolitik stammt aus dem Jahr 2005 und konzentriert sich im wesentlichen auf Forderungen nach einer Vereinfachung der Strukturen des Bundes im Bereich der Kultur. In ihrem aktuellen \u00abWahlvertrag\u00bb findet die Kultur allerdings auch keine Erw\u00e4hnung. <\/p>\n<p> Die Gr\u00fcnen haben dieses Jahr ein Positionspapier vorgelegt, das wir an dieser Stelle bereits gew\u00fcrdigt haben (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/editorials.php?art=350\">Editorial<\/a>). Damit ist f\u00fcr sie das Thema ebenso abgehakt. Kulturelle Anliegen haben sie sich im Wahlkampf auch nicht auf die Fahne geschrieben. <\/p>\n<p> Echt skurril ist die Kulturpolitik der Sozialdemokraten. Zwar haben auch die Genossinnen und Genossen dieses Jahr ein Positionspapier vorgelegt. In recht wolkigen S\u00e4tzen bekr\u00e4ftigt es aber bloss die Position der 68er, die von einer Kulturpolitik aus sozialdemokratischer Sicht fordert, sie solle sich \u00abmit dem Zustand der Gesellschaft, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft befassen. Die Pflege von Kunst und Kultur\u00bb, so die SP weiter, \u00absoll Identit\u00e4t schaffen, eigene und fremde Werte vermitteln, Austausch und Auseinandersetzung erm\u00f6glichen, zu Kreativit\u00e4t, Toleranz und Verst\u00e4ndnis beitragen.\u00bb <\/p>\n<p> Da g\u00e4lte es, mal t\u00fcchtig auszumisten, denn das Kulturverst\u00e4ndnis der Sozialdemokraten hat sich seit 1982, dem Entstehungsjahr des aktuellen (!) Parteiprogrammes offenbar nicht bewegt. Im Wahlkampf der Kulturpartei SP ist die Kultur als politisches Anliegen konsequenterweise ebenfalls inexistent. <\/p>\n<p> Die erw\u00e4hnte Ausnahme bildet ausgerechnet die SVP. Sie vertritt in ihrer Wahlplattform als einzige kulturpolitische Anliegen. Die Volkspartei will eine \u00ablebendige, freie Kultur und bek\u00e4mpft jede Art von \u2018Staatskultur\u2019\u00bb. Sie will privates M\u00e4zenatentum steuerlich beg\u00fcnstigen und \u00absetzt sich daf\u00fcr ein, dass Kulturf\u00f6rderbeitr\u00e4ge nicht unter Diskriminierung der Volkskultur verteilt werden\u00bb. Zudem bek\u00e4mpft sie die \u00abstaatliche Bevorzugung des linken Kulturschaffens und die verfilzten F\u00f6rderungsstrukturen.\u00bb <\/p>\n<p> Die einzigen, welche Kulturpolitik also als strategisches Ziel betrachten, sind diejenigen, die ihr die Mittel entziehen wollen und einen absurden Gegensatz zwischen (korrupter) urbaner Hochkultur und (authentischer) Volkskultur konstruieren.<\/p>\n<p> Die Mitte- und Linksparteien, die sich gerne als Wahrer kultureller Werte sehen, schlafen hingegen. Wenn das kein Alarmzeichen ist. Dumm nur, dass es die Kulturschaffenden nicht hinter dem Ofen hervorlockt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 12.10.2007 &#8212; Zwar schimpfen alle dar\u00fcber, dass im Vorfeld der diesj\u00e4hrigen National- und St\u00e4nderatswahlen von Gespr\u00e4chs-,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=374"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}