{"id":379,"date":"2014-01-11T08:42:26","date_gmt":"2014-01-11T08:42:26","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-kultur-im-neuen-parlament\/"},"modified":"2014-01-11T08:42:26","modified_gmt":"2014-01-11T08:42:26","slug":"die-kultur-im-neuen-parlament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-kultur-im-neuen-parlament\/","title":{"rendered":"Die Kultur im neuen Parlament"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">21.12.2007 &#8212; Nun haben wir ja ein neues Parlament. Da lohnt es sich einmal nachzuschauen, ob da die Interessen der Kultur auch zum Zuge kommen werden. Der Zufall will es, dass die Parlamentsdienste gerade eine Liste ver\u00f6ffentlicht haben, welche die berufliche Zusammensetzung der Volksvertreter aufschl\u00fcsselt. Die L\u00f6wenanteile stellen Landwirte, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Juristen, Berufspolitiker und Verbandsfunktion\u00e4re. Komplett blank ist die Rubrik Gastgewerbe (Wirte m\u00fcssen arbeiten). Die Rubriken Kunst und Kultur, Sport und Unterhaltung sowie Bank- und Versicherungsgewerbe stellen je einen Parlamentarier (wenn es nur um die Berufe der Volksvertreter ginge, w\u00e4re also unsere arme Finanzindustrie fast ohne Lobbyisten, was ja nun wirklich schr\u00e4g anmutet, aber sei&#8217;s drum).<\/p>\n<p> Welcher Parlamentarier von den Verfassern der Liste nach der Schweizer Berufsnomenklatur als Kunst- und Kulturschaffender eingestuft worden ist, l\u00e4sst sich allerdings nicht so einfach feststellen. Der Pressedienst des Bundeshauses leistet nach telefonischer Anfrage freundlich und speditiv Abhilfe: Es handelt sich um den nach vierj\u00e4hriger Pause wieder in den Rat einsitzenden Waadtl\u00e4nder Elektrotechniker, Verbrauchersch\u00fctzer und Autor Jacques Neirync, der sich im Parlament selber als \u00abEcrivain\u00bb charakterisiert. Das ist er auch, allerdings eher als Autor wissenschaftlicher Sachb\u00fccher. Und seine Vorst\u00f6sse hatten bislang kaum Kulturanliegen zum Inhalt.<\/p>\n<p> Ein einziger Parlamentarier. Vergleicht man das mit dem Kulturanteil im Bundesbudget, muss man allerdings zum Schluss kommen, dass die Kultur damit massiv \u00fcbervertreten ist. Der Anteil der Kultur an den j\u00e4hrlichen Bundesausgaben bewegt sich n\u00e4mlich im Bereich von 0,008 Prozent, womit dem Gebiet von den 246 Sitzen in National- und St\u00e4nderat bloss zwei Hundertstel eines Stuhles zuk\u00e4men (in etwa diesem Bereich scheint sich der Einsatz f\u00fcr die Kultur im Parlament ja auch zu bewegen).<\/p>\n<p> Und es kommt noch dicker: Ein Blick in den Finanzplan 2008-2011 des Bundes zeigt, dass Kultur und Freizeit als einziger (!) Posten ein Negativwachstum \u2212 n\u00e4mlich -5,8 Prozent \u2212 verzeichnen wird. Herr Nationalrat Neirync wird sich also ein bisschen d\u00fcnner machen m\u00fcssen, wenn er seine prozentuale \u00dcbervertretung in Zukunft nicht noch verschlimmern will.<\/p>\n<p> Da sich mit Statistiken ja wunderbar flexibel argumentieren l\u00e4sst, verlassen wir das \u00d6dland der Kulturausgaben aber lieber. Messen wir die Kunst- und Kulturvertretung im Parlament besser an der Anzahl Schweizer Unternehmen, die auf diesen Gebieten t\u00e4tig sind. Zur Verf\u00fcgung steht uns da die offizielle Betriebsz\u00e4hlung nach dem sogenannten \u00abNoga\u00bb-Standard, wo Kultur allerdings zusammen mit der Abwasser- und Abfallbeseitigung und andern Entsorgungsdiensten zu einem Posten zusammengefasst wird. Eine obere Schranke f\u00fcr die Kulturbetriebe ist da mit 27&#8217;918 Unternehmen gesetzt. Das w\u00e4ren, gemessen an der Gesamtzahl der Schweizer Betriebe h\u00f6chstens 0,07 Prozent, was der Kultur immerhin zu maximal einem F\u00fcnftel eines Parlamentariers verhelfen w\u00fcrde und Herrn Neirync wieder etwas Polster g\u00e4be.<\/p>\n<p> Wie man es auch dreht und wendet: Die Kultur ist in den eidgen\u00f6ssischen R\u00e4ten brotlos. Man kann Nationalrat Neirync deshalb nur raten, sich in der immerhin naheliegenden Bildungspolitik zu engagieren. Diese h\u00e4tte gemessen am Budgetanteil n\u00e4mlich das Recht auf rund 26 Vertreter. Laut den Zahlen der Parlamentsdienste sind aber bloss 17 Parlamentarier beruflich auf dem Gebiet t\u00e4tig. Oder 20, wenn man die 3 mitz\u00e4hlt, die unter der Berufsangabe \u00abIn Ausbildung\u00bb angekreuzt haben. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 21.12.2007 &#8212; Nun haben wir ja ein neues Parlament. 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