{"id":388,"date":"2014-01-11T09:24:31","date_gmt":"2014-01-11T09:24:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wieviel-zynismus-vertraegt-pro-helvetia\/"},"modified":"2014-01-11T09:24:31","modified_gmt":"2014-01-11T09:24:31","slug":"wieviel-zynismus-vertraegt-pro-helvetia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wieviel-zynismus-vertraegt-pro-helvetia\/","title":{"rendered":"Wieviel Zynismus vertr\u00e4gt Pro Helvetia?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">25.04.2008 &#8212; Einen ziemlich sarkastischen Pro-Helvetia-Direktor haben wir da ja mittlerweile. In einem aktuellen <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/dyn\/news\/varia\/864183.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> im \u00abTagesanzeiger\u00bb (23. April 2008) schildert er mehr oder weniger unverbl\u00fcmt, wie mutlos, intransparent und irrational die Kulturstiftung ihre F\u00f6rdergelder heute verteilt, um dann im gleichen Atemzug die Gef\u00f6rderten zu verspotten. Fast schlimmer noch ist, dass er den Zynismus dieser Argumentation gar nicht mehr wahrzunehmen scheint.<\/p>\n<p> Wie arbeiten die F\u00f6rderer in den Worten Kn\u00fcsels? Es handelt sich um \u00abeine wohlwollende, aber diffuse Umgebung von Beh\u00f6rden und Kommissionen\u00bb. Diese sind \u00fcberfordert, weil \u00abkulturelle Entscheide Wertentscheide sind und sich nicht nach Hektaren mal Hangneigung errechnen lassen\u00bb, aber dennoch juristisch lupenreine Gerechtigkeit von ihnen erwartet wird. Derart ausgebremst f\u00f6rdern sie nach dem ersch\u00fctternden Kriterium \u00abkleiner Betrag, kleiner Fehler\u00bb.<\/p>\n<p> Klagt Kn\u00fcsel nun aber die Mutlosigkeit der F\u00f6rderer an? Keineswegs. Vielmehr macht er den G\u00e4rtner zum Bock: Die Gef\u00f6rderten, so Kn\u00fcsel, haben sich ob so viel Def\u00e4tismus von seiten der F\u00f6rderer korrumpieren lassen und sind schliesslich ganz verstummt.<\/p>\n<p> Das kn\u00fcselsche R\u00e4sonnieren sucht den Grund f\u00fcr das Versanden des Dialogs zwischen Kultur und Politik am falschen Ort: \u00abK\u00f6pfe\u00bb, die \u00abso mutig und so talentiert zugleich\u00bb waren, dass sie \u00absogar Politiker in Schach zu halten verm\u00f6gen\u00bb \u2212 nach Kn\u00fcsel eben eine ausgestorbene Spezies \u2212 haben sich noch nie von denen aushalten lassen, zu denen sie die kritische Distanz wahren wollten. Weshalb sollten sie pl\u00f6tzlich verstummen, wenn sich Pro Helvetia durch den Zeitgeist vermehrt gezwungen glaubt, das ungef\u00e4hrliche Mittelmass mit der Giesskanne zu f\u00f6rdern? An <em>ihrer<\/em> materiellen Situation \u00e4ndert sich dadurch ja nichts.<\/p>\n<p> Es braucht nicht \u00abweniger Kommissionen und mehr Spielraum f\u00fcr kluge K\u00f6pfe\u00bb, wie Kn\u00fcsel schlussfolgert, denn im Klartext w\u00fcrde dies einfach bedeuten, dass noch weniger Personen F\u00f6rderbeitr\u00e4ge noch willk\u00fcrlicher verteilen k\u00f6nnten. Was es wirklich braucht, ist nicht <em>weniger<\/em>, sondern <em>mehr<\/em> Kontrolle der F\u00f6rderer, im Rahmen einer lebendigen \u00f6ffentlichen Debatte \u00fcber ihre t\u00e4gliche Arbeit.<\/p>\n<p> In Tat und Wahrheit hat n\u00e4mlich nicht die Giesskanne den Kulturdiskurs ertr\u00e4nkt, sondern das Pochen auf der Autonomie der Pro Helvetia den Querk\u00f6pfen das Wort entzogen. Die Autonomie verbannt die politische Grundsatzdebatte von der \u00d6ffentlichkeit hinter verschlossene T\u00fcren, wo Gremien und Fachkommissionen in intransparenten Verfahren \u00fcber F\u00f6rderentscheiden br\u00fcten, oder \u2212 wenn es um Betr\u00e4ge bis zu 20&#8217;000 Franken geht \u2212 laut Beitragsverordnung der Stiftung gar Einzelpersonen mehr oder weniger willk\u00fcrlich den Daumen nach oben oder unten drehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Professionell agierende F\u00f6rderer modernen Zuschnitts w\u00e4ren keine \u00absmarten Experten\u00bb, die laut Kn\u00fcsel die \u00abIntellektuellen nach altem Muster\u00bb abgel\u00f6st haben, sondern gut ausgebildete, unabh\u00e4ngige und starke Pers\u00f6nlichkeiten, die den rauhen politischen Wind und die \u00f6ffentliche Debatte um ihre Arbeit nicht f\u00fcrchteten. Sie w\u00fcrden eigens f\u00fcr eine solche Arbeit ins Leben gerufene Hochschulausbildungen absolvieren, und ihre Ernennung ginge idealerweise in Kampfwahlen \u00fcber die B\u00fchne, welche die Aufmerksamkeit und das tagespolitische Engagement der \u00d6ffentlichkeit an der Kulturdebatte anzufachen verm\u00f6chten. Dass dazu auch deutlich mehr Geld bereitgestellt werden m\u00fcsste, als die l\u00e4ppischen 32 Millionen Franken, die Pro Helvetia heute j\u00e4hrlich zur Verf\u00fcgung stehen, versteht sich von selbst. In dieser Hinsicht ist Kn\u00fcsel vorbehaltlos beizupflichten. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Eine Entgegnung Pius Kn\u00fcsels findet sich in <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/scienceold.php?art=10\">diesem Leserbrief<\/a><\/p>\n<p> Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 25.04.2008 &#8212; Einen ziemlich sarkastischen Pro-Helvetia-Direktor haben wir da ja mittlerweile. 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