{"id":391,"date":"2014-01-11T09:26:14","date_gmt":"2014-01-11T09:26:14","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kreative-selbstaendigkeit-und-der-urbane-raum\/"},"modified":"2014-01-11T09:26:14","modified_gmt":"2014-01-11T09:26:14","slug":"kreative-selbstaendigkeit-und-der-urbane-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kreative-selbstaendigkeit-und-der-urbane-raum\/","title":{"rendered":"Kreative, Selbst\u00e4ndigkeit und der urbane Raum"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">06.06.2008 &#8212; Vor einigen Tagen haben die Wirtschaftsf\u00f6rderung der Stadt Z\u00fcrich und die Standortf\u00f6rderung des Kantons Z\u00fcrich den aktuellen Bericht zur Kreativwirtschaft ihrer Region ver\u00f6ffentlicht. Das auffallendste Resultat ist wohl die Tatsache, dass das Besch\u00e4ftigungspotential der Kreativwirtschaft gr\u00f6sser ist als dasjenige der Banken. Arbeiten im Bank- und Kreditgewerbe in Z\u00fcrich je nach Standpunkt zwischen 43&#8217;500 und 50&#8217;800 Personen, sind es in der Kreativwirtschaft 53&#8217;000. Die meisten davon haben existenzsichernde Arbeitspl\u00e4tze. Davon sind etwa 4000 in der Musikwirtschaft t\u00e4tig. Die Kreativwirtschaft erarbeitet rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Kantons Z\u00fcrich.<\/p>\n<p> Die Zahl der Kreativunternehmen und der Umsatzpotentiale sind zwischen 2001 und 2005 (aus diesem Jahr stammen die aktuellsten Zahlen) gestiegen. Das ist gut so. Stutzig macht allerdings, dass gleichzeitig die Zahl der Arbeitst\u00e4tten der Musikwirtschaft zur\u00fcckgegangen ist, und zwar happig.<\/p>\n<p> Am meisten Federn gelassen hat der Bereich der k\u00fcnstlerischen Schulen, zu denen auch die selbst\u00e4ndigen Musiklehrer z\u00e4hlen. Ihre Zahl ist um ganze 58 Prozent zur\u00fcckgegangen. Es sind auch deutlich weniger konzertierende Musiker und Ensembles aktiv; der R\u00fcckgang betr\u00e4gt hier fast 30 Prozent. Zugelegt haben demgegen\u00fcber die Theaterbetriebe. Von denen gibt&#8217;s einen Viertel mehr. Am meisten Stellen abgebaut haben wiederum Labels und Detailhandel.<\/p>\n<p> Unter dem Strich sind \u2212 wenn wir das richtig \u00fcberblicken \u2212 also deutlich weniger unternehmerisch aktive Musiker auszumachen. Dies m\u00fcsste denjenigen Funktion\u00e4ren und Politikern zu denken geben, die von den Musikern fordern, ihr \u00f6konomisches Schicksal vermehrt in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen. Was hier falsch l\u00e4uft, wissen wir nicht, eine Ad-hoc-Erkl\u00e4rung auf die Schnelle m\u00f6chten wir unsern Leserinnen und Lesern ersparen. Wir bleiben am Thema aber dran.<\/p>\n<p> Der Report (er ist unter <a href=\"http:\/\/www.creativezurich.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.creativezurich.ch<\/a> aus dem Netz herunterladbar) weist auf einen weiteren interessanten Aspekt hin: Kreativwirtschaft brauche, so die dazu geh\u00f6rende Medienmitteilung, eine urbane Umgebung. Urbanit\u00e4t sei einer der wichtigsten Standortfaktoren der Kreativwirtschaft. Weshalb? Die Branchenvertreter rotten sich bevorzugt in eher heruntergekommenen Quartieren zusammen, einerseits aus Lust an Nonkonformismus und proletarischem Ambiente, andererseits weil viele materiell nicht eben auf Rosen gebettet sind und in solchen Gegenden billigen Wohn- und Arbeitsraum finden.<\/p>\n<p> Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen es sich avantgardistische Unternehmen aus der Hightechwelt leisten, in der tiefsten Provinz zu produzieren. Ein Neue-Musik-Ensemble oder ein Hiphop-Label sind im Bergtal kaum vorstellbar. Marsmotoren k\u00f6nnen im obwaldischen Sachseln ausget\u00fcftelt und die Belegschaft ins \u00f6rtliche Vereinsleben integriert werden. Mit einem experimentellen Tanztheater ist so etwas kaum machbar (Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel).<\/p>\n<p> Die Kreativwirtschaft ist aber \u00abeine typische Querschnittsbranche mit Zulieferfunktion f\u00fcr andere Wirtschaftssektoren\u00bb, die auf allen Ebenen von der Produktion \u00fcber die Dienstleistung bis zum Handel aktiv ist. Das heisst, eine bessere regionale Durchmischung w\u00e4re im Interesse aller und diente auch regionalen Industrien ausserhalb des \u00aburbanen\u00bb Raums. M\u00f6glicherweise wird das eine der grossen Herausforderungen der nahen Zukunft werden: F\u00f6rder- und Interaktionsmodelle zu finden, dank denen sich hochklassige kreative Betriebe aus den st\u00e4dtischen In-Quartieren auch in die D\u00f6rfer locken lassen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 06.06.2008 &#8212; Vor einigen Tagen haben die Wirtschaftsf\u00f6rderung der Stadt Z\u00fcrich und die Standortf\u00f6rderung des Kantons&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-391","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/391","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=391"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/391\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=391"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=391"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=391"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}