{"id":392,"date":"2014-01-11T09:26:43","date_gmt":"2014-01-11T09:26:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/konsequenter-fehlkurs-im-bundesamt-fuer-kultur\/"},"modified":"2014-01-11T09:26:43","modified_gmt":"2014-01-11T09:26:43","slug":"konsequenter-fehlkurs-im-bundesamt-fuer-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/konsequenter-fehlkurs-im-bundesamt-fuer-kultur\/","title":{"rendered":"Konsequenter Fehlkurs im Bundesamt f\u00fcr Kultur"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">20.06.2008 &#8212; Die Kulturf\u00f6rderung des Bundes zeigt auf allen Ebenen mehr und mehr Schlagseite in Richtung Markt. Die beim Bundesamt f\u00fcr Kultur (BAK) angesiedelte Filmf\u00f6rderung f\u00f6rdert Projekte bevorzugt, wenn sie zeigen k\u00f6nnen, dass sie ein Publikum finden, Pro Helvetia plant, in der Musikf\u00f6rderung mehr Akzent auf die Vermittlung und damit auf die Resonanz im Markt zu legen. BAK, Pro Helvetia und das Landesmarketing verhalten sich auch sonst mehr und mehr wie kommerzielle Verlage oder Produktionsfirmen \u2212 mitsamt dazugeh\u00f6rigem Eitelkeitskult der Funktion\u00e4re. Wie an der Jahrespressekonferenz des BAK angek\u00fcndigt, soll das Prinzip nun auch auf die Literaturf\u00f6rderung ausgeweitet werden. Dem Succ\u00e8s Cin\u00e9ma soll ein Succ\u00e8s Livre folgen. Dabei werden beide Aspekte verbunden: Literatur soll erfolgsabh\u00e4ngig gef\u00f6rdert werden \u2212 um sie dem Volk besser vermitteln zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Das BAK und die nationalen Kulturf\u00f6rderer befinden sich damit auf vollkommen falschem Kurs, wenn auch zugestandenermassen konsequent: Statt an der k\u00fcnstlerischen Relevanz, orientieren sie sich mehr und mehr an Konsumbed\u00fcrfnissen und an der Auslandswerbung im Dienste der nationalen Wirtschaft.<\/p>\n<p> Guter kommerzieller Kultur soll auf die Beine geholfen werden. Dagegen ist absolut nichts einzuwenden. Dazu ist aber keine staatliche Kulturf\u00f6rderung vonn\u00f6ten, sondern die Einsicht, dass man es da mit einer Wirtschaftsbranche zu tun hat. Eine solche braucht gute Rahmenbedingungen und Risikokapital &#8211; im Rahmen der Start-up-F\u00f6rderung f\u00fcr private Unternehmer, die wissen, wie man sich in \u00fcberaus hartem internationalem Konkurrenzkampf auf dem Kulturmarkt behauptet. Wenn der Bund die Rolle \u00fcbernehmen will, produziert er vermutlich auch weiterhin bloss Flops wie \u00abTell\u00bb und \u00abMax &amp; Co\u00bb. Der Bund kann echte inhaltliche Frechheit, die gute Unterhaltung ausmacht, gar nicht aktiv unterst\u00fctzen. Der politische Interessensausgleich verhindert das.<\/p>\n<p> Die Neuorientierung der nationalen Kulturf\u00f6rderung ist eine opportunistische Reaktion auf Kritiken an den Schw\u00e4chen der bisherigen: Es ist tats\u00e4chlich problematisch, wenn f\u00fcr viel Geld Projekte gef\u00f6rdert werden, die erstens bloss eine verschwindende Minderheit zur Kenntnis nimmt und zweitens k\u00fcnstlerisch irrelevant und unfruchtbar bleiben. <\/p>\n<p> Dummerweise ist ersteres als entscheidender Mangel des Systems diagnostiziert worden. Ein Irrtum. Die kurzfristige Resonanz beim Publikum ist f\u00fcr die eigentlichen Ziele der staatlichen Kulturf\u00f6rderung vollkommen irrelevant. Sie soll einzig und allein relevante und fruchtbare Werke erm\u00f6glichen oder selber anregen, an denen die Privatwirtschaft mangels Gewinnpotential kein Interesse hat. Dabei darf sie durchaus auch Schwerpunkte setzen \u2212 solange sie sich alleine an der Qualit\u00e4t orientiert. Dies allein \u2212 man nimmt die nationalkonservative Kampfparole nicht gerne in den Mund, muss es aber wohl f\u00fcr einmal \u2212 bringt das Land vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p> Der eigentliche Mangel des Systems ist nicht das Desinteresse der \u00d6ffentlichkeit an Kunst mit hohem \u00e4sthetischem Potential. Er besteht vielmehr in der Tatsache, dass die Gremien, die \u00fcber F\u00f6rdermassnahmen entscheiden, ihrer Aufgabe nicht nachkommen k\u00f6nnen, weil sie zu wenig professionell agieren k\u00f6nnen, ihre Mitglieder nicht selten selber Gesuchsteller f\u00fcr F\u00f6rderung sind und der Arbeits- und Finanzaufwand, den erstklassige Gesuchsbehandlungen mit sich bringen, von der Politik entweder nicht erkannt oder nicht honoriert wird.<\/p>\n<p> Statt den Markt zu beschw\u00f6ren, m\u00fcsste man also deutlich mehr Geld fordern, um <em>F\u00f6rderkommissionen<\/em> bessere Arbeitsbedingungen zu erm\u00f6glichen und Auswahl und Qualifikation ihrer Mitglieder sorgf\u00e4ltig zu beurteilen. Dar\u00fcber hinaus br\u00e4uchte es eigene Ausbildungsg\u00e4nge und Berufsbilder f\u00fcr Kulturf\u00f6rderer &#8211; abgekoppelt von denjenigen f\u00fcr die K\u00fcnstler und Kulturschaffenden.<\/p>\n<p> Solchen Reformen d\u00fcrften dann auch \u00fcppige Aufstockungen der Budgetposten zur F\u00f6rderung der Kultur folgen. Sie h\u00e4tten n\u00e4mlich alles in allem einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 20.06.2008 &#8212; Die Kulturf\u00f6rderung des Bundes zeigt auf allen Ebenen mehr und mehr Schlagseite in Richtung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-392","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/392","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=392"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/392\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}