{"id":397,"date":"2014-01-11T09:29:29","date_gmt":"2014-01-11T09:29:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zwei-initiativen-im-dienst-der-musik\/"},"modified":"2014-01-11T09:29:29","modified_gmt":"2014-01-11T09:29:29","slug":"zwei-initiativen-im-dienst-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zwei-initiativen-im-dienst-der-musik\/","title":{"rendered":"Zwei (!) Initiativen im Dienst der Musik"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">29.08.2008 &#8212; Die Initiative \u00abJugend + Musik\u00bb ist laut Auskunft der Initianten auf gutem Weg. Ihr Zustandekommen ist offenbar gesichert. Die Sammlung ist nach eher harzigem Start so gut angelaufen, dass der Sammelschluss vorgezogen werden und die Initiative am 18. Dezember offiziell \u00fcbergeben werden kann, wie aus Kreisen des Komitees zu erfahren ist. Dass das Volksbegehren ein Anliegen der Musik vertritt, ist klar, es steht ja bereits im Titel. Etwas weniger offensichtlich ist die Bedeutung, welche die im vergangenen April lancierte Initiative \u00abF\u00fcr Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls\u00bb (siehe <a href=\"http:\/\/www.gemeinwohl.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.gemeinwohl.ch<\/a>) f\u00fcr das Musikleben haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p> Ihre Sammelfrist l\u00e4uft erst am 22. Oktober 2009 aus, und sie wird aus Gr\u00fcnden, die sogleich er\u00f6rtert werden sollen, in der Welschschweiz unter Kulturschaffenden deutlich st\u00e4rker beachtet als im deutschen Landesteil und im Tessin. Im Initiativkomitee finden sich auch keine deutschschweizer Kulturvertreter, daf\u00fcr Melchior Ehrler, der ehemalige Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, und der Basler J\u00f6rg Schild als Repr\u00e4sentant von Swiss-Olympic.<\/p>\n<p> Worum geht es? Die Initiative bek\u00e4mpft die laufende Liberalisierung des Lotterie-Marktes, die bei den staatlichen Lotterien bereits zu Gewinneinbr\u00fcchen gef\u00fchrt hat (bei der Loterie Romande im letzten Jahr um rund 8 Prozent). Die Gewinne der Lotteriegesellschaften \u2212 namentlich der Loterie Romande, der Berner Seva und der Sport-Toto-Gesellschaft \u2212 kommen traditionellerweise gemeinn\u00fctzigen Zwecken zugute. Fast 500 Millionen Franken davon fliessen in Kantonskassen, 400 Millionen werden f\u00fcr die Unterst\u00fctzung sozialer und kultureller Aufgaben genutzt, knapp 90 Millionen f\u00fcr den Sport.<\/p>\n<p> 400 Millionen! Die Tatsache wird in Kulturf\u00f6rderkreisen nicht an die grosse Glocke geh\u00e4ngt, m\u00f6glicherweise weil sie ein ordnungspolitisches Problem darstellt: Die Kantone m\u00fcssen \u00fcber ihre Verwendung nur sehr rudiment\u00e4r oder \u00fcberhaupt nicht Auskunft geben. Was f\u00fcr ein Zirkus, wenn man bedenkt, dass das Jahresbudget der Pro Helvetia deutlich weniger als ein Zehntel dieses Betrages umfasst und die Bundesf\u00f6rderer \u00fcber jeden ausgegebenen Rappen akribisch Auskunft geben m\u00fcssen.<\/p>\n<p> Man kann die Gelder also je nachdem als eine Art Schwarze Kassen betrachten, oder als einen substantiellen Betrag, mit dem oft unb\u00fcrokratisch und schnell Projekte unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen, die es sonst schwer h\u00e4tten, zu Geld zu kommen.<\/p>\n<p> Weshalb brennt es da den Welschschweizer Kulturschaffenden mehr unter den N\u00e4geln als ihren Kollegen diesseits des R\u00f6schtigrabens? Weil die Gelder bei ihnen bisher immer von einer unabh\u00e4ngigen Kommission direkt an Kulturprojekte vergeben worden sind. K\u00fcnstlerische Dossiers m\u00fcssen bei dieser eingereicht werden, und damit wissen die Bittsteller genau, wem sie das Geld zu verdanken haben, eben der Loterie Romande. In der Deutschschweiz fliessen die Gelder zuerst in die Kantonskassen. Den Kulturschaffenden ist also in der Regel nicht unmittelbar einsichtig, dass sie letztlich von den Gewinnen der Geldspiele zehren.<\/p>\n<p> Gibt es Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Liberalisierung des Lottospiels? Die Bef\u00fcrworter argumentieren, dass in der Zeit der Internet-Casinos die Regulierung ohnehin ein fast aussichtsloses Unterfangen ist und die Einschr\u00e4nkungen in der Schweiz bloss dazu f\u00fchren, dass Schweizer Spieler ihr Gl\u00fcck im Ausland suchen, womit das Geld aus dem Land fliesst. Diese Abfl\u00fcsse d\u00fcrften so oder so fast nicht steuerbar sein, womit sich eh das Problem stellt, dass die staatlichen Lotterien an Attraktivit\u00e4t und damit an Umsatz verlieren d\u00fcrften.<\/p>\n<p> Es lohnt sich also unabh\u00e4ngig davon, ob man die Initiative bef\u00fcrwortet oder nicht, sich Gedanken dar\u00fcber zu machen, ob das Lotterie-System mit Regulationen tats\u00e4chlich auch in Zukunft gest\u00fctzt werden kann, oder wie ein d\u00fcnner werdender Geldfluss von den staatlichen Lotterien in die Kultur kompensiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p> Der Schweizer Musikrat hat sich zum Thema unseres Wissens noch nicht ge\u00e4ussert. In der Liste seiner Kerngesch\u00e4fte sind neben der Musikinitiative die Mehrwertsteuerfrage und das Urheberrecht gelistet, nicht aber die Geldspiel-Initiative. Die Diskussion sollte aber auch in Musikkreisen gef\u00fchrt werden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 29.08.2008 &#8212; Die Initiative \u00abJugend + Musik\u00bb ist laut Auskunft der Initianten auf gutem Weg. 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