{"id":401,"date":"2014-01-11T09:31:41","date_gmt":"2014-01-11T09:31:41","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zuerichs-stadtpraesident-und-die-kultur\/"},"modified":"2014-01-11T09:31:41","modified_gmt":"2014-01-11T09:31:41","slug":"zuerichs-stadtpraesident-und-die-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/zuerichs-stadtpraesident-und-die-kultur\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrichs Stadtpr\u00e4sident und die Kultur"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">24.10.2008 &#8212; Z\u00fcrichs Stadtpr\u00e4sident geht. Nat\u00fcrlich liegt es da auf der Hand, seine Leistungen f\u00fcr das Kulturleben der Stadt zu w\u00fcrdigen und sich zu \u00fcberlegen, was f\u00fcr einen Nachfolger man sich aus dieser Warte w\u00fcnschen w\u00fcrde (oder was f\u00fcr eine Nachfolgerin \u2212 die freisinnige Stadtr\u00e4tin Kathrin Martelli ist ja bereits in Position). Kulturjournalisten folgen bei solchen W\u00fcrdigungen in der Regel einer vorhersehbaren Dramaturgie: Hat viel versprochen und etwas weniger gehalten, hat die echte, gute und wahrhaft authentische Kunst gegen\u00fcber dem sch\u00f6nen Schein vernachl\u00e4ssigt und \u00fcberhaupt mehr C\u00fcpli getrunken und sich etwas weniger zum solidarischen Freund der Unglamour\u00f6sen gemacht \u2212 und so weiter und so fort durchs ganze Repertoire des Wir-haben-ihn-ja-schon-immer-duchschaut. Und nat\u00fcrlich findet sich sicher noch irgendwo ein Skand\u00e4lchen, das man noch einmal aufw\u00e4rmen kann, nur um nicht in den Verdacht der Gef\u00e4lligkeitsschreibe zu geraten. <\/p>\n<p> Selbstverst\u00e4ndlich schreiben wir das alles nicht.<\/p>\n<p> Okay, das mit dem Skand\u00e4lchen ist wirklich schwierig zu umschiffen. Schliesslich hat sich Elmar Ledergerber vergangenes Jahr im Umfeld der Streitereien ums Schauspielhaus und beim Abgang von dessen kaufm\u00e4nnischem Direktor Marc Baumann, respektive dessen Entsch\u00e4digung dem Verdacht der Kumpanei ausgesetzt. In der ganzen Geschichte hat er auch sonst nicht unbedingt eine gute Falle gemacht. Haken wir&#8217;s ab. Dass in der Stadt f\u00fcr Kulturschaffende w\u00e4hrend Ledergerbers Amtszeit ein gutes, verst\u00e4ndnisvolles und experimentierfreudiges Klima geherrscht hat, wird dadurch nicht relativiert.<\/p>\n<p> Hatte Ledergerber f\u00fcr die Kultur aber wirklich Geh\u00f6r? Messen wir&#8217;s an den Kriterien, die in der als Finanzplatz bekannten Downtown der Schweiz am ehesten verstanden werden, n\u00e4mlich an den nackten Zahlen: In Ledergerbers Amtszeit sind die budgetierten Ausgaben f\u00fcr Kultur um 8 Prozent gestiegen (von 108,6 Millionen Franken im 2003 auf 117,3 Millionen Franken im 2007). T\u00f6nt gut. Im gleichen Zeitraum hat das Gesamtbudget der Stadt allerdings um rund 12 Prozent zugelegt. Faktisch sind die Kulturausgaben also zur\u00fcckgegangen. Keiner soll jetzt \u00fcbrigens bitte glauben, dass das Opernhaus der Stadt da eine Rolle spielt \u2212 Ledergerber wird zwar oft mit dem Musentempel in Verbindung gebracht. Die Oper wird allerdings vom Kanton und nicht von der Stadt alimentiert.<\/p>\n<p> Formulieren wir es also vorsichtig: An der bisherigen Budgetentwicklung l\u00e4sst sich ein akzentuiertes Engagement f\u00fcr die Kultur nicht unbedingt ablesen. Daf\u00fcr weist der Gesch\u00e4ftsbericht der Pr\u00e4sidialabteilung 2007 nach oben: Da wird vorgeschlagen, dass sich der Netto-Kulturaufwand der Stadt in den kommenden Jahren in einer Bandbreite von 1 bis 1,5 Prozent des st\u00e4dtischen Gesamtaufwands bewegen soll. Dort ist er noch nicht ann\u00e4hernd angelangt. Und in den \u00abStrategien Z\u00fcrich 2025\u00bb steht: Der \u00f6ffentliche und \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Kulturbetrieb soll als Impulsgeber f\u00fcr die Kreativwirtschaft verstanden und in Qualit\u00e4t und Vielfalt weiter gef\u00f6rdert werden. <\/p>\n<p> Z\u00fcrich hat sich unter Ledergerbers \u00c4gide also zumindest verst\u00e4rkt als kulturelles Zentrum positioniert. Bei der Pr\u00e4sentation des neuen Kulturleitbildes der Stadt hat Ledergerber \u00fcberdies wichtige Errungenschaften der letzten Jahre herausgestrichen: Die Gr\u00fcndung der Filmstiftung, die Subventionen f\u00fcr das Haus Konstruktiv, den Erweiterungsbau des Museums Riedtberg und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Breitenkultur. <\/p>\n<p> Sind das mehr als leere Worte? Befragen wir doch noch einmal die Zahlen: Geht man die pr\u00e4sidialen Reden durch, die auf der offiziellen Webseite der Stadt archiviert sind, stellt man fest, dass mehr als 30 Prozent davon an Kulturanl\u00e4ssen gehalten worden sind. Dazu geh\u00f6ren auch die Er\u00f6ffnung einer Musikreihe des Collegium Novum im Brockenhaus und das Jubil\u00e4umsfest des Musikhauses Hug.<\/p>\n<p> Die offensichtliche Lust des scheidenden \u00abStapis\u00bb an der Kultur unterstreicht, dass unter ihm in Z\u00fcrich in Sachen Kultur ein gutes, anregendes und zukunftsgerichtetes Klima geherrscht hat. Von einem Nachfolger (oder eben einer Nachfolgerin) kann man nur hoffen, dass er (oder eben sie) da \u00e4hnlich charismatisch in die multikulturelle Gesellschaft der Stadt hineinwirkt, und dass er (oder sie, wie gesagt) sich die Ziele des Gesch\u00e4ftsberichtes der Pr\u00e4sidialabteilung 2007 echt, gut und wahrhaft authentisch zur Brust nimmt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 24.10.2008 &#8212; Z\u00fcrichs Stadtpr\u00e4sident geht. 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