{"id":402,"date":"2014-01-11T09:32:23","date_gmt":"2014-01-11T09:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/mehr-autonomie-fuer-pro-helvetia\/"},"modified":"2014-01-11T09:32:23","modified_gmt":"2014-01-11T09:32:23","slug":"mehr-autonomie-fuer-pro-helvetia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/mehr-autonomie-fuer-pro-helvetia\/","title":{"rendered":"Mehr Autonomie f\u00fcr Pro Helvetia?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">07.11.2008 &#8212; Der Nationalrat hat das Kulturf\u00f6rderungsgesetz weitgehend beraten. F\u00fcr die Wintersession bleiben noch die Frage nach der Autonomie der Kulturstiftung Pro Helvetia und die Schaffung eines Kulturrates. Die Frage der Autonomie ist die interessantere. Historisch bedeutete das Autonomie-Zugest\u00e4ndnis an die Stiftung ein Schutz vor politischer Vereinnahmung. Schweizertum (oder wie man dem auch immer sagen soll) heute \u00fcber eine gelenkte Staatskultur zu definieren, d\u00fcrfte aber kaum mehr eine Versuchung darstellen. So etwas w\u00fcrde in dem aktuellen pluralistischen und individualistischen Landesgebilde schlicht nicht mehr funktionieren.<\/p>\n<p> Die Autonomie hat heute also faktisch einfach zur Folge, dass die Entscheidprozesse dar\u00fcber, was im Einzelfall f\u00f6rderungsw\u00fcrdig ist und was nicht, dem direkten politischen Einfluss entzogen sind. Damit geraten sie f\u00fcr die Politiker aus dem Blickfeld ihres Interesses und so auch aus der Diskussion in der \u00d6ffentlichkeit. In den Einzelentscheiden aber geht im Grunde genommen die Post erst richtig ab. Alles Drum und Dran wie in der Regel vage Richtlinien, die eben bloss im konkreten F\u00f6rderentscheid Konturen gewinnen \u2212 etwa die Forderung nach \u00abInnovation\u00bb oder \u00abexemplarischer Bedeutung\u00bb \u2212 bleibt diesen gegen\u00fcber Politfolklore. <\/p>\n<p> Den eigentlichen Knackpunkt der Frage, wie die Autonomie der Pro Helvetia sich in der Praxis \u00e4ussert, stellen die personellen Besetzungen der F\u00f6rdergremien und deren Entscheidprozesse dar. Einige Kulturschaffende w\u00fcnschten sich denn auch einen deutlich ausgebauten Stiftungsrat unter Beteiligung ihrer Interessensverb\u00e4nde, um an diesen Prozessen partizipieren (und diese damit unter die eigene Kontrolle bringen) zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Das Parlament wird sich wohl f\u00fcr das Gegenteil entscheiden: einen personell abgespeckten Stiftungsrat, der zudem selber den Direktor ernennen und die strategischen Ziele festlegen wird. Man kann f\u00fcr diese W\u00fcnsche allerlei staatspolitische Grundsatz\u00fcberlegungen vorschieben. Faktisch entspringen sie der Tendenz der Parlamentarier, Kultur als zu wenig gewichtig zu betrachten, um sich selber damit besch\u00e4ftigen zu wollen. Angesichts der Qualit\u00e4t der Kulturdebatten in die nationalen R\u00e4ten ist dies vielleicht auch nicht unbedingt zu bedauern.<\/p>\n<p> Das Modell, das nach Aussagen von Pro-Helvetia-Direktor Pius Kn\u00fcsel gegen\u00fcber Codex flores die Stiftung selber favorisieren w\u00fcrde, w\u00e4re ein Pool von rund vierzig Experten, von denen einer oder mehrere je nach Gewicht der Anfrage und Bedarf zur Beurteilung eines F\u00f6rdergesuches abgerufen werden k\u00f6nnten. Dies, so Kn\u00fcsel weiter, sei aber juristisch nicht umsetzbar. F\u00fcr eine \u00f6ffentliche Debatte der F\u00f6rderpolitik k\u00f6nnte sich Kn\u00fcsel durchaus erw\u00e4rmen. Gr\u00f6ssere Kommissionen w\u00fcrden, erg\u00e4nzt er, allerdings nicht a priori bessere Entscheide zustande bringen. Man k\u00f6nne die Grundsatzdebatte nicht an jedem Entscheid \u00fcber 2000-Franken-Beitr\u00e4ge neu f\u00fchren. Das leuchtet nat\u00fcrlich ein.<\/p>\n<p> In der Pro Helvetia w\u00fcrden, so Kn\u00fcsel weiter, jedes Jahr eine, zwei Grundsatzdiskussionen im Plenum gef\u00fchrt. Dieses Jahr sei dabei die Volkskultur im Vordergrund gestanden, nun stehe die Debatte dar\u00fcber an, wie Kultur besser vermittelt werden k\u00f6nne. Die Resultate w\u00fcrden in der Folge auf Abteilungsstufe umgesetzt. In der Stiftung, beteuert Kn\u00fcsel, werde viel mehr diskutiert, als man glauben w\u00fcrde. Allerdings k\u00f6nne er auch nicht verneinen, dass eine vier oder sechs Jahre unver\u00e4nderte Stiftungsratsgruppe nicht mehr ihre urspr\u00fcngliche Dynamik zeige. Deshalb sei Rotation angezeigt. Das neue Gesetz werde diese beschleunigen.<\/p>\n<p> Codex flores geht davon aus, dass Pro Helvetia ihre allt\u00e4gliche Arbeit bislang gewissenhaft und professionell erledigt und die Klippen der administrativen und politischen Rahmenbedingungen geschickt zu umschiffen verstanden hat. Wie dies im konkreten Alltag bewerkstelligt wird, kann in <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=76\">diesem<\/a> Dossiertext nachgelesen werden. Er beschreibt im Wesentlichen zwei etwas komplexere und eher kritische F\u00f6rderentscheide.<\/p>\n<p> Der Wunsch von Codex flores w\u00e4re ein professionell agierender Stiftungsrat, der personell vom praktischen Kulturleben abgekoppelt w\u00e4re (also das obige Modell der Kulturschaffenden eben gerade <em>nicht<\/em> realisieren w\u00fcrde). Dazu br\u00e4uchte es allerdings spezialisierte Hochschulausbildungen. Da haben die akademischen Institutionen bislang versagt. Vor allem trifft dies auf die daf\u00fcr eigentlich zust\u00e4ndigen Gebiete der Kulturphilosophie und -soziologie zu, die sich in den letzten Jahrzehnten vor allem in eitler Nabelschau gefallen und den Glauben an die Relativit\u00e4t aller Wirklichkeitsabbildung so weit getrieben haben, dass sie sich aus jeglicher gesellschaftlicher Verantwortung davonstehlen zu k\u00f6nnen glaubten. <\/p>\n<p> Ein weiterer Wunsch von Codex flores w\u00e4re eine Datenbank, in der alle Unterlagen zu allen konkreten F\u00f6rdermassnahmen und Einzelentscheiden \u00f6ffentlich einsehbar w\u00e4ren. Es ist leicht vorstellbar, dass eine solche den Kulturdiskurs nachhaltig beleben (das heisst vor allem emotionalisieren) w\u00fcrde. Weshalb so etwas wohl immer ein Wunschtraum bleiben d\u00fcrfte, wird unseren Leserinnen und Lesern nach der Lekt\u00fcre des erw\u00e4hnten Dossiertextes einleuchten. Vielleicht w\u00e4re aber eine solche zumindest f\u00fcr Gesuche denkbar, die gr\u00f6ssere Betr\u00e4ge binden.<\/p>\n<p> Ein dritter Wunsch unsererseits w\u00e4re die Definition von Programmen f\u00fcr die Kultur, wie sie der Schweizerische Nationalfonds f\u00fcr die Wissenschaft kennt. Mit \u00abechos\u00bb, \u00abChina 2008-2010\u00bb und \u00abLa belle voisine\u00bb hat Pro Helvetia ja bereits Ans\u00e4tze dazu realisiert. Wir k\u00f6nnten uns aber \u00fcber die darin definierten Promotionsaufgaben hinaus auch Programme vorstellen, die bestimmte \u00e4sthetische Grundfragen (etwa Computerspiele als Kunst, die Beziehungen zwischen Kunst, Sinnlichkeit und Neurowissenschaften oder moderne Materialien und k\u00fcnstlerische Gestaltung) aufgreifen w\u00fcrden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 07.11.2008 &#8212; Der Nationalrat hat das Kulturf\u00f6rderungsgesetz weitgehend beraten. F\u00fcr die Wintersession bleiben noch die Frage&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-402","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=402"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/402\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}