{"id":403,"date":"2014-01-11T09:32:53","date_gmt":"2014-01-11T09:32:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-kultur-verpasst-eine-historische-chance\/"},"modified":"2014-01-11T09:32:53","modified_gmt":"2014-01-11T09:32:53","slug":"die-kultur-verpasst-eine-historische-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-kultur-verpasst-eine-historische-chance\/","title":{"rendered":"Die Kultur verpasst eine historische Chance"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">21.11.2008 &#8212; Nie war die Zeit so g\u00fcnstig, um eine kulturpolitische Diskussion zu f\u00fchren, wie heute. Mehr noch: Nie hat eine politische und wirtschaftliche Situation wie die heutige f\u00f6rmlich danach <em>geschrien<\/em>, in der Schweiz Aufgaben und Chancen der Kultur- und Kreativwirtschaft zu thematisieren. Kaum einer d\u00fcrfte widersprechen, wenn davon ausgegangen wird, dass unser ganzes Wirtschaftsgef\u00fcge zur Zeit in bisher unvorstellbarer Art und nicht minder unvorstellbarem Tempo umgeschichtet wird. Die Finanzindustrie, bislang eine der tragenden S\u00e4ulen unseres \u00f6konomischen Selbstverst\u00e4ndnisses, br\u00f6ckelt nicht nur; sie belastet die Volkswirtschaft mit nicht anders als gigantisch zu bezeichnenden Lasten und Risiken. Unsere Exportindustrie k\u00e4mpft mit den Folgen des hohen Frankenkurses und den Folgen der Agonie der Automobilhersteller und anderer globaler Produktionszweige. <\/p>\n<p> Es w\u00e4re also dringend angezeigt, sich grunds\u00e4tzliche Gedanken dar\u00fcber zu machen, welche St\u00e4rken die europ\u00e4ische Wirtschaft im allgemeinen und die schweizerische im Besonderen im globalen Wettbewerb in den kommenden Jahren konkurrenzf\u00e4hig halten werden. Die Kreativ- und Kulturwirtschaft d\u00fcrfte zweifelsohne eine davon sein, und es w\u00e4re dringend angezeigt, Strukturen zu schaffen, um diese besser in Position zu bringen \u2212 etwa spezielle F\u00f6rdermodelle f\u00fcr Jungunternehmen auf dem Gebiet, oder Teilhabe an Konjunkturf\u00f6rderprogrammen, oder auch neue kreative Ans\u00e4tze f\u00fcr \u00f6konomische Vitalisierungsspritzen. Letzteres sollte ja eine Kernkompetenz von Literaten, Musikern, Theaterschaffenden und Malern sein.<\/p>\n<p> Der Zufall will es, dass zur Zeit auch noch das geplante Kulturf\u00f6rderungsgesetz (KFG) in den eidgen\u00f6ssischen R\u00e4ten behandelt wird und \u00fcberdies zwei Volksinitiativen das Kulturleben thematisieren: Zum einen \u00abjugend + musik\u00bb, welche die Musikbildung in der Verfassung verankern will, zum andern \u00abF\u00fcr Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls\u00bb, die ein Licht auf das Schicksal der hunderte von Millionen Franken wirft, die \u00fcber die kantonalen Lotteriefonds in die Kulturf\u00f6rderung fliessen. <\/p>\n<p> Wird die einmalige historische Chance genutzt, um die Kultur zum politischen Thema zu machen, lustvolle Debatten anzureissen und die \u00d6ffentlichkeit daf\u00fcr zu sensibilisieren, dass die hiesige Wirtschaft ohne kr\u00e4ftige St\u00fctze von K\u00fcnstlern und Kreativen in der weltweiten Bedeutungslosigkeit versinken wird?<\/p>\n<p> Man h\u00f6rt nur donnerndes Schweigen.<\/p>\n<p> Suisseculture? Schweigt. Der Schweizer Musikrat? Sitzt aufs Maul oder \u00fcbt sich in Selbstzerfleischung. Der Verband der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS)? Verteilt vor dem Bundeshaus Lexika und sorgt sich um die soziale Sicherheit der Literaten (aber doch wenigstens das). Action Swiss Music? Organisiert lieber ein Sonderangebot f\u00fcr verbilligte otoplastische Geh\u00f6rsch\u00fctze als seine Mitglieder wirtschaftspolitisch zu mobilisieren. Der Schweizerische Tonk\u00fcnstlerverein? Verweist auf die Stellungnahme von Swissculture zur Vernehmlassung zum KFG von Juni letzten Jahres. Das war&#8217;s denn auch schon.<\/p>\n<p> Selbst Comedia, einst eine recht bissige Mediengewerkschaft, feiert in Anwesenheit hochrangiger Politiker lieber nostalgische Jubil\u00e4en, als auf den verbalen Putz zu hauen. Und Visarte, der Berufsverband der visuell schaffenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler in der Schweiz, veranstaltet lieber Workshops zum organistorischen Umgang mit K\u00fcnstlernachl\u00e4ssen, als sich Perspektiven zur Zukunft der Branche auszumalen.<\/p>\n<p> Man m\u00f6chte fast darauf wetten, dass nach dem Abschluss der politischen Arbeiten zu KFG und Initiativen und in einem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Aufschwung, in dem die Politik dann halt bloss Finanzbranche und Industrie den R\u00fccken st\u00e4rken wird (weil diese f\u00fcr ihre Interessen immer wieder konsequent lobbyieren), wieder ein Wehklagen losgehen wird, wie str\u00e4flich die Schweiz die Kultur vernachl\u00e4ssige und marginalisiere.<\/p>\n<p> Ach ja, die armen, armen K\u00fcnstler.<\/p>\n<p> Was f\u00fcr ein verqueres Denken. Offenbar hat es sich bei den Betroffenen noch nicht wirklich herumgesprochen, dass man f\u00fcr die eigenen Interessen kontinuierlich selber k\u00e4mpfen und historische Chancen dazu schlau, konsequent und vereint nutzen muss. Das gilt f\u00fcr Handel und Chemie genauso wie f\u00fcr Banken, Gewerbler und Bauern. Und es gilt halt eben auch f\u00fcr die Kreativ- und Kulturwirtschaft. Es gibt aber offengestanden wenig Anlass zur Hoffnung dass sich bei denen, welche f\u00fcr sich immer wieder in Anspruch nehmen, die Schweiz zu bewegen, sich selber etwas bewegen wird. Dazu sind in diesen Kreisen viele zu sehr mit sich selber, mit Futterneid und dem eigenen privaten Elend besch\u00e4ftigt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 21.11.2008 &#8212; Nie war die Zeit so g\u00fcnstig, um eine kulturpolitische Diskussion zu f\u00fchren, wie heute.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-403","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=403"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/403\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}