{"id":405,"date":"2014-01-11T09:33:58","date_gmt":"2014-01-11T09:33:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wie-verkauft-man-bessere-musikbildung\/"},"modified":"2014-01-11T09:33:58","modified_gmt":"2014-01-11T09:33:58","slug":"wie-verkauft-man-bessere-musikbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/wie-verkauft-man-bessere-musikbildung\/","title":{"rendered":"Wie verkauft man bessere Musikbildung?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">19.12.2008 &#8212; Nun ist die Musikinitiative deponiert (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=5707\">Nachricht<\/a>), und der Kampf um den Gewinn der Abstimmung kann beginnen. Zu hoffen bleibt dabei, dass er nicht vom \u00fcblichen Lamento orchestriert wird, wie stiefm\u00fctterlich doch Kultur behandelt wird und wie hart das Leben f\u00fcr Sch\u00fcler ist, wenn ihnen bloss Mathe und Deutsch eingetrichtert wird. Wenn dem Anliegen zu Erfolg verholfen werden soll, m\u00fcssen andere T\u00f6ne angeschlagen werden. Statt Harfe und Fl\u00f6te sind H\u00f6rner und Pauken gefragt. Die Regeln sind dabei n\u00e4mlich die gleichen wie im Kampf um ein Armeebudget oder die Ausweitung der Personenfreiz\u00fcgigkeit.<\/p>\n<p> Die meisten Politiker sehen sich als \u00abMacher\u00bb, die Projekte auf die Schiene bringen, welche vor allem drei Anforderungen m\u00f6glichst gut erf\u00fcllen: Hat der einzelne B\u00fcrger einen Nutzen davon? Generiert es Steuereinnahmen? Schafft es Arbeitspl\u00e4tze?<\/p>\n<p> Macher sind aus solidem Holz geschnitzt, und sie sind es gewohnt auszuteilen und einzustecken \u2212 und schnell zu denken. Wenn sie die drei Fragen mit Blick auf die Musikbildung spontan beantworten sollen, sagen sie vermutlich: Der einzelne B\u00fcrger hat erstens wenig davon, denn die Besch\u00e4ftigung mit Musik lenkt ihn vom Wesentlichen ab (n\u00e4mlich Geld zu verdienen und Steuern abzuliefern). Musik bringt zweitens nichts in die Kasse, im Gegenteil sie kostet vor allem viel. Und drittens schafft sie nicht wirklich Arbeitspl\u00e4tze, sondern Staatstellen, die unter dem Strich die \u00f6ffentlichen Budgets unproduktiv belasten. Nicht laut sagen, aber denken werden sie \u00fcberdies, dass ihnen das Eintreten f\u00fcr die Initiative keine W\u00e4hlerstimmen bringt. Das ist als Negativmotiv auch nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p> Vielleicht w\u00e4ren die <em>deklarierten<\/em> Antworten der pragmatischen Macher in der Politik etwas (aber nur etwas) parf\u00fcmierter, als hier skizziert. Sie sind es ja gewohnt, Politik dem B\u00fcrger so zu verkaufen, dass er jeweils das richtige W\u00f6rtchen auf einen Stimmzettel oder den richtigen Namen auf den Wahlzettel schreibt. Die <em>effektive<\/em> Haltung zur Musik w\u00fcrde sich ungefiltert aber in solchen S\u00e4tzen \u00e4ussern.<\/p>\n<p> Wenn Kulturanliegen in der Politik Erfolg haben sollen, dann m\u00fcssen sie immer wieder darauf hinweisen, dass die Macher da in jedem der drei Punkte einem verh\u00e4ngnisvollen Irrtum verfallen. Die Forderungen der Kultur m\u00fcssen dabei nicht einmal wie so viele andere \u2212 man denke etwa an Themen wie Parallelimporte, Personenfreiz\u00fcgigkeit, Panzerk\u00e4ufe oder freie Arztwahl \u2212 so verpackt werden, dass Schw\u00e4chen in der Argumentation m\u00f6glichst \u00fcbert\u00fcncht werden. Das politische, wirtschaftliche und soziale Potential des Anliegens der Musikinitiative ist vielmehr so solide, dass es bloss darum geht, ihm mit den Mitteln der politischen Kommunikation zu dem ihm wirklich zustehenden Recht zu verhelfen.<\/p>\n<p> Man kann da von der Partei lernen, die das politische Marketing in der Schweiz neu erfunden hat (und keine Gelegenheit ausl\u00e4sst, Kultur zur reinen Privatsache zu erkl\u00e4ren). Ihren Exponenten wird offenbar immer wieder eingebl\u00e4ut, f\u00fcnfmal am Tag das Partei-Mantra herunterzubeten: EU-Beitritt verhindern, Steuern senken, kriminelle Ausl\u00e4nder ausschaffen. So bringt man Botschaften r\u00fcber. Was wollen wir? Keinen EU-Beitritt, Steuern senken, kriminelle Ausl\u00e4nder ausschaffen. Sie k\u00f6nnen&#8217;s ruhig noch einmal h\u00f6ren, falls die Botschaft immer noch nicht angekommen ist. Wir ersparen&#8217;s unsern Lesern.<\/p>\n<p> Wie bringt man den Nutzen von Musikbildung auf den Punkt? Man muss ihr eigenes Mantra entwickeln. Musikschulung bringt das Schweizer Schulsystem wieder auf international konkurrenzf\u00e4higes Niveau, Kreativ- und Kulturwirtschaft spielen eine Schl\u00fcsselrolle in der k\u00fcnftigen Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen und der schweizerischen Wirtschaft, und ein reiches Kulturangebot kostet nicht, es f\u00fcllt direkt und \u00fcber Umwegrentabilit\u00e4t die \u00f6ffentlichen Kassen. Zu allen Behauptungen gibt&#8217;s genug Studien und praktische Erfahrungen, die sie belegen. Und auf W\u00f6rter wie \u00abUmwegrentabilit\u00e4t\u00bb und \u00abWettbewerbsf\u00e4higkeit\u00bb springen Politiker ungleich besser an als auf \u00abseelisches Gleichgewicht\u00bb oder \u00absensiblere Wahrnehmung\u00bb.<\/p>\n<p> Und wie schafft man Aufmerksamkeit f\u00fcr das Anliegen? Auch da gibt es ein bevorzugtes Rezept. Es wird vor allem von Initianten ohne m\u00e4chtige Lobby und genug Geld angewendet (man denke etwa an die Bek\u00e4mpfung der Hanf- oder die Bef\u00fcrworter der Verwahrungs-Initiative). Das Zauberwort heisst \u00abAlarmismus\u00bb: Tu so, als ob die Welt stante pede untergeht, wenn nicht sofort etwas geschieht. In deinem Sinne nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p> Man male also das Schreckensbild von Heerscharen dank musischer F\u00e4higkeiten h\u00f6chst kreativer asiatischer, australischer und lateinamerikanischer Forscher und Entwickler an die Wand, die der europ\u00e4ischen Wirtschaft in Sachen Kreativit\u00e4t und Originalit\u00e4t das Wasser abgraben. Man schildere in den d\u00fcstersten Farben, wie nach Industrie, IT- und Finanzdiensleistungen noch die letzten \u00dcberreste der europ\u00e4ischen Wirtschaft, n\u00e4mlich Wissenschaft, Bildung, Kunst und Design in die Schwellenl\u00e4nder abwandern werden und Westeuropa zum intellektuell ausgetrockneten Armenhaus der Welt verkommt.<\/p>\n<p> Gross \u00fcbertreiben muss man dabei leider nicht, die Entwicklung hat n\u00e4mlich schleichend bereits eingesetzt. \u00dcbersehen wird sie, weil in den europ\u00e4ischen Parlamenten kaum mehr echte Kulturkompetenz zu finden ist, vor allem im b\u00fcrgerlichen Lager nicht. Die Ausd\u00fcnnung der Bildungspl\u00e4ne in den Schulen hat daf\u00fcr bereits gesorgt. Da dominiert mittlerweile der Tunnelblick auf Finanzdienstleister und \u00fcberalterte Industrie-Dinosaurier, die trotzdem oder gerade deswegen zur Zeit mehr oder weniger alle kollabieren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 19.12.2008 &#8212; Nun ist die Musikinitiative deponiert (siehe Nachricht), und der Kampf um den Gewinn der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-405","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=405"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/405\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}