{"id":406,"date":"2014-01-11T09:34:29","date_gmt":"2014-01-11T09:34:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kreativitaet-die-schweiz-sagt-nein-danke\/"},"modified":"2014-01-11T09:34:29","modified_gmt":"2014-01-11T09:34:29","slug":"kreativitaet-die-schweiz-sagt-nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kreativitaet-die-schweiz-sagt-nein-danke\/","title":{"rendered":"Kreativit\u00e4t \u2212 die Schweiz sagt nein danke"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">16.01.2009 &#8212; 2009 ist f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union das \u00abJahr der Kreativit\u00e4t und Innovation\u00bb. Es wird dieser Tage (am Dienstag, 20. Januar, um genau zu sein), k\u00fcnstlerisch offiziell er\u00f6ffnet. Nun da sich die \u00f6konomische Krise verst\u00e4rkt, bildeten Kreativit\u00e4t und Innovation den Schl\u00fcssel zur St\u00e4rkung der europ\u00e4ischen Wettbewerbsf\u00e4higkeit, erkl\u00e4rt die offizielle Webseite des Jahres (<a href=\"http:\/\/create2009.europa.eu\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">create2009.europa.eu<\/a>). Zum Jahr schreibt Deutschland unter dem Titel \u00abMusik im Kopf\u00bb zum Beispiel einen Kompositionswettbewerb f\u00fcr Sch\u00fcler aus (n\u00e4heres dazu unter <a href=\"http:\/\/www.jmd.info\/Bundeswettbewerb-Komposition.140.0.html\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.jmd.info<\/a>). Genauso gibt\u2019s aber ein Begleitprogramm zur Messe Biotechnica, mit dem Sch\u00fcler dazu animiert werden sollen, auf Zukunftsgebieten in Ingenieurberufe einzusteigen.<\/p>\n<p> Auch das Creativity World Forum (mehr dazu unter <a href=\"http:\/\/www.cwf2008.be\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.cwf2008.be<\/a>) wird 2009 unter der Schirmherrschaft des europ\u00e4ischen Jahres der Kreativit\u00e4t und Innovation durchgef\u00fchrt. Das Forum ist die j\u00e4hrliche Hauptaktivit\u00e4t des Internationalen Netzwerks \u00abDistricts of Creativity\u00bb, einem 2004 gegr\u00fcndeten globalen Netzwerk kreativer und innovativer Regionen. Die Themen des diesj\u00e4hrigen Forums: Regionale Initiativen f\u00fcr Kreativwirtschaft und Kreativit\u00e4t sowie Innovationspolitik.<\/p>\n<p> Zu den hier zusammengeschlossenen Regionen geh\u00f6ren: Flandern (Belgien), Baden-W\u00fcrttemberg (Deutschland), Rhone-Alpes und Nord Pas de Calais (Frankreich), Lombardei (Italien), Katalonien (Spanien), Schottland, Tampere (Finnland), Oklahoma (USA), Quebec (Kanada), Karnataka (Indien) sowie Shanghai und Qingdao (China).<\/p>\n<p> Fehlt da nicht etwas? Gut, wir Schweizer k\u00f6nnen ja sagen, was k\u00fcmmert uns Kreativit\u00e4t, was sollen wir mit Innovation, wir geh\u00f6ren ja nicht zur Europ\u00e4ischen Union, und m\u00fcssen deshalb nicht jede Schnapsidee unterbesch\u00e4ftigter Br\u00fcsseler Funktion\u00e4re mitmachen, und wenn wir schon mal nicht dazu gezwungen sind, die Ideen der Union autonom nachzuvollziehen, k\u00f6nnten wir ja gerade in diesem Fall mal ein Exempel statuieren und aller Welt zeigen, dass wir nicht im Gleichschritt mit der kontinentalen Gemeinschaft mitmarschieren: Verzichten wir also demonstrativ auf Kreativit\u00e4t und Innovation! Kostet ja doch nur und verhilft bloss ein paar linken Gutmenschen zu Staatsauftr\u00e4gen und ein paar Kultur-\u00abExperten\u00bb zu lukrativen Beraterhonoraren.<\/p>\n<p> Die \u00abWeltwoche\u00bb k\u00f6nnte dazu ja ein Titelbild kreieren, auf dem jemand mit Kreide auf eine Wandtafel \u00abLa cr\u00e9ativit\u00e9 n&#8217;existe pas\u00bb geschrieben hat und die Ausgabe mit Essays mehr oder weniger bekannter Publizisten vollf\u00fcttern, die zeigen, dass Kreativit\u00e4t und Innovation masslos \u00fcbersch\u00e4tzt sind (Christoph M\u00f6rgeli w\u00fcrde vermutlich eine bissige Kolumne beisteuern, in der er darauf hinweist, dass Schweizer Qualit\u00e4t in erster Linie darin besteht, in die H\u00e4nde zu spucken und anzupacken, statt wie die Staatsk\u00fcnstlerin Pipilotti Rist charakterlos zu schwadronieren und daf\u00fcr die hohle Hand zu machen).<\/p>\n<p> Die NZZ k\u00f6nnte in der Wochenendbeilage daf\u00fcr einen metapherngetr\u00e4nkten Aufsatz Peter Sloterdijks ver\u00f6ffentlichen, der nahelegt, dass C\u00e4sar den Helvetiern bereits 58 v.Chr. in der Schlacht von Bibracte jegliche kreativen Impulse ausgetrieben hat und die Nation seither an einem bloss schlecht verdr\u00e4ngten kollektiven Trauma der Innovationsverweigerung leidet, das sich in einem obsessiven Zwang \u00e4ussert, aus K\u00e4se Geld zu machen.<\/p>\n<p> Aber wir wollen gerecht sein, es tut sich in Sachen Innovationsf\u00f6rderung auch in der Schweiz etwas: Soeben hat die Kommission f\u00fcr Wissenschaft, Bildung und Kultur des St\u00e4nderates sich daf\u00fcr stark gemacht, als Konjunkturmassnahme die Strukturen der Innovationsf\u00f6rderung zu erneuern und besser zu alimentieren. Die KTI, die F\u00f6rderagentur f\u00fcr Innovation des Bundes, soll zudem mehr Geld erhalten.<\/p>\n<p> Auch in Sachen Kulturf\u00f6rderung tut sich mit Blick auf die Europ\u00e4ische Union etwas: Die Schweiz soll weiterhin am Filmf\u00f6rderprogramm Media der EU teilnehmen. Bloss die Einsicht, dass das eine mit dem andern etwas zu tun hat und Kulturf\u00f6rderung eben auch Teil der Innovations- und damit Wirtschaftsf\u00f6rderung ist, hat sich in den K\u00f6pfen der Schweizer Politiker noch nicht richtig festgesetzt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 16.01.2009 &#8212; 2009 ist f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union das \u00abJahr der Kreativit\u00e4t und Innovation\u00bb. 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