{"id":407,"date":"2014-01-11T09:34:55","date_gmt":"2014-01-11T09:34:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-philosophie-am-davoser-wef\/"},"modified":"2014-01-11T09:34:55","modified_gmt":"2014-01-11T09:34:55","slug":"kultur-und-philosophie-am-davoser-wef","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-philosophie-am-davoser-wef\/","title":{"rendered":"Kultur und Philosophie am Davoser WEF"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">30.01.2009 &#8212; Am Davoser World Economic Forum treffen sich wieder einmal die M\u00e4chtigen der Welt. Heuer reiben sie sich die Augen und fragen sich, wie in der Weltwirtschaft alles kommen konnte, wie es 2008 bekanntlichermassen gekommen ist. Einige der Verantwortlichen \u2212 etwa den Chef der Pleite gegangenen Investment-Bank Lehman Brothers oder den abgetretenen UBS-Boss \u2212 sieht man in Davos nicht mehr, und auch die grossartigen Auftritte popul\u00e4rer Stars wie Bono, Angelina Jolie oder Sharon Stone ziehen die Blicke nicht mehr auf sich, was ja auch nicht unbedingt ein Verlust ist.<\/p>\n<p> Daf\u00fcr hatte dieses Jahr Benjamin Zander, der Dirigent des Boston Philharmonic Orchestra, einen bemerkenswerten Auftritt. Unter dem Titel \u00abManaging Complexity: A Different Approach\u00bb erteilte er dem WEF-Publikum eine Kammermusik-Lektion. Die Detailarbeit an einem Divertimento des 15-j\u00e4hrigen Mozarts geriet ihm zu einem Motivationsseminar, in dem er dazu aufforderte, Probleme immer mal wieder aus einem \u00fcberraschenden Blickwinkel zu betrachten und sich statt von starrer Routine von energetisch geladenen Visionen f\u00fchren zu lassen (seine Pr\u00e4sentation l\u00e4sst sich <a href=\"http:\/\/gaia.world-television.com\/wef\/worldeconomicforum_annualmeeting2009\/default.aspx?sn=7064%E2%8C%A9=en\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> im Web ansehen).<\/p>\n<p> Unter dem Titel \u00abThe Power of Music in Healing Mind and Body\u00bb hat das WEF \u00fcberdies ein Konzert mit Musik von George Gershwin angezeigt. Zanders Auftritt (den wir nat\u00fcrlich nicht vor Ort, sondern bloss in einer Aufzeichnung des Schweizer Fernsehens mitverfolgt haben) war erfreulich \u2212 aber leider nur eine Randerscheinung in Davos. <\/p>\n<p> Viele \u2212 vor allem Globalisierungsgegner \u2212 werfen dem globalen Spitzentreffen von Politikern und Wirtschaftskapit\u00e4nen ja vor, eine undemokratische Veranstaltung zu sein, bei der in informellen Treffen hinter verschlossenen T\u00fcren auf intransparente Weise Machtanspr\u00fcche und Wirtschaftsinteressen verfolgt werden. Wir geh\u00f6ren nicht zu diesen Kritikern und sind sogar stolz, dass die Schweiz einen derart hochkar\u00e4tigen Weltanlass beherbergen darf. <\/p>\n<p> Unsere Bedenken sind anderer Art. Sie betreffen das Bild des kulturellen und philosophischen Niveaus, welches das WEF von einem Think Tank der Weltpolitik vermittelt. Es wird n\u00e4mlich nicht durch Auftritte wie denjenigen Zanders gepr\u00e4gt, sondern durch Repr\u00e4sentanten wie Paulo Coelho, den brasilianischen Verfasser gehobener Erbauungsliteratur, der in Davos als Dauergast pr\u00e4sent ist. In Sachen Philosophie und Kunst gibt man sich in Davos generell mit eher einfachen Botschaften zufrieden. Medial wird das Bild einer Community vermittelt, die dem unverbindlichen Wohlf\u00fchlspiritualismus hablicher Wellness-Kunden fr\u00f6nt.<\/p>\n<p> Das Resultat: Es wird viel von Ethik, Werten und Liebsein-miteinander gesprochen (was sogar unserem fr\u00fcheren Preis\u00fcberwacher Rudolf Strahm am Open Forum aufgefallen ist), ohne dass daraus auch konkrete Handlungsanleitungen abgeleitet w\u00fcrden. W\u00e4r&#8217;s anders, dann w\u00e4r&#8217;s ja auch nicht zur Grossen Krise gekommen. <\/p>\n<p> Wir finden, die globalen Wirtschafts- und Staatsf\u00fchrer h\u00e4tten in Sachen Kultur- und Religionsdiskussion besseres verdient als mediengewandte Selbstdarsteller der Popul\u00e4rkultur, zu mystischem Bombast neigende Literaten und gelegentliches Schulterklopfen f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeiten wie Hans K\u00fcng, Yo-Yo Ma, Muhammad Yunus oder Jos\u00e9-Antonio Abreu. Und Philosophie und Kultur m\u00fcssten an einem derartigen Spitzenanlass mit dem gleichen Willen zur intellektuellen Qualit\u00e4t vermittelt werden wie Politik- und Wirtschaftsfragen. Dass sie in der Weltpolitik nicht den ihnen geb\u00fchrenden Stellenwert haben, ist n\u00e4mlich auch eine Folge von dem Bild, das von ihnen an solchen Anl\u00e4ssen vermittelt wird.<\/p>\n<p> Aber m\u00f6glicherweise ist es den WEF-Teilnehmern ja zu anstrengend, sich einer nachhaltigen und intellektuell tragf\u00e4higen Diskussion um Werte, geistige Offenheit und Kreativit\u00e4t zu stellen. Es k\u00f6nnte ihnen ja bewusst machen, dass sie in Sachen Kulturkompetenz nach oben durchaus noch Potential h\u00e4tten. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 30.01.2009 &#8212; Am Davoser World Economic Forum treffen sich wieder einmal die M\u00e4chtigen der Welt. 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