{"id":408,"date":"2014-01-11T09:35:29","date_gmt":"2014-01-11T09:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/sonderfall-schweiz-in-sachen-kreativitaet\/"},"modified":"2014-01-11T09:35:29","modified_gmt":"2014-01-11T09:35:29","slug":"sonderfall-schweiz-in-sachen-kreativitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/sonderfall-schweiz-in-sachen-kreativitaet\/","title":{"rendered":"Sonderfall Schweiz in Sachen Kreativit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">13.02.2009 &#8212; Dieses Jahr soll ein Verband Kreativwirtschaft Schweiz seine Aktivit\u00e4ten aufnehmen (N\u00e4heres wird sich im Web unter <a href=\"http:\/\/www.kreativwirtschaft.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.kreativwirtschaft.ch<\/a> finden). Die Initiativen rund um die kreativen Kr\u00e4fte in der Schweiz konzentrieren sich \u2212 nicht \u00fcberraschend \u2212 auf den Grossraum Z\u00fcrich und dort vor allem auf Architektur, Design und Film. Man w\u00fcnschte sich eine breitere Abst\u00fctzung der Lobbyarbeit. Dass vornehmlich die vom Rest der Schweiz immer mal wieder mit Argwohn be\u00e4ugte \u00abGreater Zurich Area\u00bb den Hals in die H\u00f6he reckt, kann f\u00fcr einmal aber nicht dieser selber angelastet werden. Alle Bem\u00fchungen darum, in der Schweiz ein Bewusstsein daf\u00fcr zu sch\u00e4rfen, dass Kultur und Kreativwirtschaft eng zusammengeh\u00f6ren und in der k\u00fcnftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes eine strategische Rolle einnehmen werden, sind n\u00e4mlich offen konzipiert. Alle Regionen, Verb\u00e4nde, Einzelpersonen und sonstigen Betroffenen sind eingeladen, sich einzubringen.<\/p>\n<p> Es w\u00e4re schade, wenn die Kreativwirtschaft \u2212 also die \u00dcberzeugung, dass Kultur und Kreativit\u00e4t nicht nur ein privates Selbstfindungsprojekt sind, sondern auch eine wirtschaftliche Chance darstellen \u2212 aus einem Anti-Z\u00fcrich-Reflex regionaler Kulturschaffender bloss zur Sache der Zwingli-Stadt w\u00fcrde. Es w\u00e4re eine Art sich selber erf\u00fcllender Prophezeiung, denn so weit kann es nur kommen, wenn Z\u00fcrich die Z\u00fcgel einfach \u00fcberlassen werden, obwohl da Bem\u00fchen sp\u00fcrbar ist, die Initiative auf eine breitere Basis zu stellen.<\/p>\n<p> Tats\u00e4chlich wird eine Schweizer Kreativ- und Kulturwirtschaft im internationalen Wettbewerb ihre Alleinstellungsmerkmale eben gerade in einem f\u00fcr unser Land typischen Ausgleich st\u00e4dtischer und regionaler Eigenheiten finden. Mitten im Spannungsfeld der europ\u00e4ischen Wirtschafts- und Innovationsmotoren Baden-W\u00fcrttemberg (Deutschland), Katalonien (Spanien), Lombardei (Italien) und Rh\u00f4ne-Alpes (Frankreich) muss sie diese unverwechselbaren St\u00e4rken unbedingt ausspielen.<\/p>\n<p> In den Schweizer K\u00f6pfen d\u00fcrfen zwei Vorurteile keinesfalls am Nisten bleiben: Falsch ist einerseits anzunehmen, Kreativwirtschaft ergreife Partei in einem Konflikt zwischen isolationistischer und beh\u00e4biger L\u00e4ndlichkeit, die sie behindere, und weltoffener und dynamischer Urbanit\u00e4t, die sie bef\u00f6rdere. Vielmehr scheint es eine St\u00e4rke der f\u00f6rderalistischen und basisdemokratischen Schweiz zu sein, gerade auch die St\u00e4rken der Landschaft kreativ zu nutzen. Man denke etwa an traditionelle Stoffe aus dem St. Gallischen, die selbst die amerikanische Pr\u00e4sidentengattin Michelle Obama kleiden, an Museen wie eine Fondation Gianadda, die auch nicht gerade am urbanen Verkehrsbreitband liegen, oder musikalische Schmelztiegel wie Davos, Meiringen, Interlaken, Gstaad, Boswil und Ernen \u2212 alle ja auch nicht gerade Zentrumsquartiere des Grossen Kreativz\u00fcrichs.<\/p>\n<p> Andererseits d\u00fcrfen Kreativ- und Kulturwirtschaft hierzulande auch nicht als die typische Dom\u00e4ne der Jugend betrachtet werden. Sie paaren sich zwar gerne mit Lifestyle- und Ausgehmoden. Die Impulse kommen in dieser Hinsicht aber vor allem aus urbanen europ\u00e4ischen Metropolregionen, mit denen selbst das Millionenz\u00fcrich nicht konkurrenzieren kann (man kann sogar die These aufstellen, dass die glamour\u00f6se und kreative Partyszene Z\u00fcrichs mit dem Wandel der Hochfinanz von der Grossspurigkeit zum Schmalspurformat ihre impulsgebende Kraft an der Limmat weitgehend verlieren wird). Die Schweiz hat nun einfach mal keine Metropolregionen wie Paris, Berlin, Wien, London oder Barcelona.<\/p>\n<p> Die \u00e4lteren Generationen d\u00fcrfen in der Schweiz nicht einfach mit Francine Jordi, dem Jodlerklub Wiesenberg und Telemark statt Snowboard gleichgesetzt werden. Auch auf dem Land h\u00f6ren Alte Lachenmann und Boulez, und auch in der Stadt gibt es Pension\u00e4re. Das dritte, vierte und bald einmal f\u00fcnfte Lebensalter haben in der Schweiz einen ganz eigenen Charakter: Seine Vertreter (und noch viel mehr die Vertreterinnen) sind ein Leben lang in weltweit einmaliger Art in Sachen politischer und bildungsm\u00e4ssiger Partizipation sozialisiert worden, und sie sind &#8211; wagen wir mal zu behaupten &#8211; weltoffener als der Durchschnitt der europ\u00e4ischen Pension\u00e4re.<\/p>\n<p> Ein neuer Stadt-Land- und Generationenpakt m\u00fcsste also der Treibstoff sein, der die Schweizer Kreativ- und Kulturwirtschaft zum globalen Wettbewerbsvorteil des Landes werden liesse. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 13.02.2009 &#8212; Dieses Jahr soll ein Verband Kreativwirtschaft Schweiz seine Aktivit\u00e4ten aufnehmen (N\u00e4heres wird sich im&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-408","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=408"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}