{"id":412,"date":"2014-01-11T09:37:55","date_gmt":"2014-01-11T09:37:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-prioritaeten-zuerichs-in-der-kulturpolitik\/"},"modified":"2014-01-11T09:37:55","modified_gmt":"2014-01-11T09:37:55","slug":"die-prioritaeten-zuerichs-in-der-kulturpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-prioritaeten-zuerichs-in-der-kulturpolitik\/","title":{"rendered":"Die Priorit\u00e4ten Z\u00fcrichs in der Kulturpolitik"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">10.04.2009 &#8212; Wenn auf einem Gebiet immer mal wieder der argumentative Wahnsinn Methode zu entwickeln scheint, dann kann man fast sicher sein, dass man sich in eine kulturpolitische Debatte verirrt hat. Etwa, wenn auf nationaler Ebene aufwendige Ratsdebatten organisiert werden, um eine Million Franken im Jahresbudget der Kulturstiftung Pro Helvetia zu verhandeln, w\u00e4hrend die Kantone \u00fcber eine halbe Milliarde Kulturgelder aus den Lotterie-Einnahmen praktisch unkontrolliert verf\u00fcgen k\u00f6nnen. Eine Million sind zwei Promille (!) von 500 Millionen. Kulturpolitik ist offenbar die Kunst des Definierens individueller Priorit\u00e4ten.<\/p>\n<p> \u00c4hnlich absurd scheint auf den zweiten Blick die Lekt\u00fcre des T\u00e4tigkeitsberichtes der Fachstelle Kultur des Kantons Z\u00fcrich. Da darf sich im R\u00fcckblick auf 2008 etwa die Z\u00fcrcher Filmstiftung eingehend vorstellen. Wir erfahren auch, dass der Singkreis Z\u00fcrcher Unterland in B\u00fclach f\u00fcr ein Konzertprojekt 500 Franken erhalten hat, und der Kulturkreis Birmensdorf 325 Franken f\u00fcr eine kulturelle Veranstaltung. \u00dcber viele, viele weitere Projekte werden wir ebenfalls im Detail informiert (zum Beispiel \u00fcber 400 Franken f\u00fcr die Camerata Concertante Gibswil und dar\u00fcber, dass der Kanton f\u00fcr 25&#8217;000 Franken ein bewegtes Aluminium-Rahmenobjekt von Nelly Rudin aus Uitikon Waldegg gekauft hat). <\/p>\n<p> Wir erfahren auch einiges \u00fcber Finanz- und Lastenausgleich, \u00fcber einen Kompositionsauftrag an Daniel Schnyder (25&#8217;000 Franken) und das Verst\u00e4ndnis, das der Kanton f\u00fcr das Literaturhaus Z\u00fcrich aufbringt, und dass er diesem zum Jubil\u00e4um seines zehnj\u00e4hrigen Bestehens deshalb 50&#8217;000 Franken zuschiebt.<\/p>\n<p> Das also ist es, was Z\u00fcrich in der Kulturf\u00f6rderung macht, und wof\u00fcr der Fachstelle Kultur gem\u00e4ss des Budgets 2008 des Kantons 83&#8217;947&#8217;400 Franken zur Verf\u00fcgung gestanden haben (ohne Investitionsausgaben)?<\/p>\n<p> Liest man den Bericht etwas genauer, ist eine recht gut versteckte Zahl allerdings nicht mehr zu \u00fcbersehen: Das Opernhaus Z\u00fcrich hat 2008 von den 83&#8217;947&#8217;400 Franken 75&#8217;740&#8217;042 Franken erhalten. Das sind nach Adam Riese <em>90 Prozent<\/em> des kantonalen Kulturbudgets. In Worten: neunzig Prozent. <\/p>\n<p> Aus dem T\u00e4tigkeitsbericht der Fachstelle Kultur des Kantons Z\u00fcrich erfahren wir also, dass der Kulturkreis Birmensdorf 325 Franken erhalten hat (ob er die wohl verdient hat? Es findet sich sicher ein Parlamentarier, der dazu beim Regierungsrat eine Anfrage deponieren m\u00f6chte). Was mit 90 Prozent des Kulturbudgets des Kantons geschieht, dar\u00fcber verliert der T\u00e4tigkeitsbericht der Fachstelle <em>nicht ein Wort<\/em>. Nicht einmal die simple Tatsache, dass 90 Prozent des Kulturbudgets des Kantons ins Opernhaus fliessen, findet er erw\u00e4hnenswert.<\/p>\n<p> Was geschieht mit dem vielen Geld? Ob man es glaubt oder nicht: Damit werden unter anderem <em>Managerboni<\/em> bezahlt. Zu entnehmen ist dies der Antwort des Regierungsrates auf eine Anfrage des Kantonsrates Hans L\u00e4ubli und der Kantonsr\u00e4tinnen Claudia Gambacciani und Esther Guyer. Er schreibt am 4. Juni 2008: \u00abVom Verwaltungsrat festgelegt wird der Bonus des kaufm\u00e4nnischen Direktors. Die Gesch\u00e4ftsleitung legt den Bonus des technischen Direktors fest.Weitere Boni erhalten Kadermitarbeiter und -mitarbeiterinnen. F\u00fcr besondere Leistungen erh\u00e4lt auch weiteres Personal in Einzelf\u00e4llen Boni. Die Boni sind von einem positiven Gesamtergebnis, der Kosteneinhaltung sowie weiteren qualitativen Kriterien abh\u00e4ngig.\u00bb Die Boni seien anstelle von Lohnerh\u00f6hungen eingef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p> Nun sind (vermutlich bescheidene) Boni f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte eines Opernhauses, die tats\u00e4chlich nur im Falle eines positiven Gesamtergebnisses ausbezahlt werden, wohl kaum mit den horrenden Gegenst\u00fccken f\u00fcr Banker zu vergleichen, die daf\u00fcr ganze Volkswirtschaften in den Sand setzen.<\/p>\n<p> In den Sand gesetzt werden im Opernhaus Z\u00fcrich h\u00f6chstens die Soldaten in einer \u00abAida\u00bb-Auff\u00fchrung. <em>Wie<\/em> bescheiden der jeweilige Zustupf im Opernhaus ist, wissen wir aber nicht, denn der Gesch\u00e4ftsbericht des Hauses schweigt sich dazu aus (er schweigt sich \u00fcberhaupt \u00fcber die Tatsache aus, dass Boni bezahlt werden). Und interessanterweise schweigen auch die Politiker, die mit Blick auf Banken Boni-Systeme prinzipiell verurteilen, weil sie unweigerlich dazu f\u00fchren, dass Mitarbeiter statt des Gemeinwohl vor allem den eigenen kurzfristigen Vorteil im Auge haben.<\/p>\n<p> Trifft das in einem Opernhaus per se nicht zu? Sind Boni-Systeme dort per se eine Inkarnation buchhalterischer Unschuld? Dass kein Politiker (und keine Politikerin) diese Debatte sucht, lehrt uns ein Weiteres: Kulturpolitik ist, wenn Kulturmanager mit andern Ellen gemessen werden als Bankangestellte. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 10.04.2009 &#8212; Wenn auf einem Gebiet immer mal wieder der argumentative Wahnsinn Methode zu entwickeln scheint,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-412","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=412"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/412\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}