{"id":413,"date":"2014-01-11T09:38:24","date_gmt":"2014-01-11T09:38:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-schweiz-als-kultur-vorbild-deutschlands\/"},"modified":"2014-01-11T09:38:24","modified_gmt":"2014-01-11T09:38:24","slug":"die-schweiz-als-kultur-vorbild-deutschlands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/die-schweiz-als-kultur-vorbild-deutschlands\/","title":{"rendered":"Die Schweiz als Kultur-Vorbild Deutschlands?"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">24.04.2009 &#8212; Der Ausschuss f\u00fcr Kultur und Medien des Deutschen Bundestages hat einer vorgesehenen Verankerung des Staatsziels Kultur im Grundgesetz vorerst den Riegel geschoben (der Ausschuss ist in Deutschland so etwas wie ein Gegenst\u00fcck zur Schweizer Parlaments-Kommission). Die Bedenken gegen\u00fcber eines allzu expliziten Engagements des Bundes t\u00f6nen \u00e4hnlich wie in der Schweiz: Bildung und Kultur sind Sache der L\u00e4nder, und deren Hoheit soll nicht in Frage gestellt werden. Die Diskussion l\u00e4uft in der Schweiz auch sonst \u00e4hnlich: So hat sich der Schweizer Nationalrat in der letzten Session gegen eine Aufnahme eines Zweckartikels ins geplante eidgen\u00f6ssische Kulturf\u00f6rderungsgesetz ausgesprochen. Schweizer Parlamentarier sind eben genauso wie ihre deutschen Kollegen eher aus dem Holz stampfender Kavalleriepferde geschnitzt, denn aus demjenigen von Indianern, die sich im Gel\u00e4nde mit allen Sinnen offen und wendig zu bewegen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p> Interessant sind Passagen des Zwischenberichts der Enquete-Kommission \u00abKultur in Deutschland\u00bb, der bei unserem n\u00f6rdlichen Nachbarn den Boden f\u00fcr ein Staatsziel Kultur bereiten soll. Der Bericht wirft einen Blick in die Verfassungen europ\u00e4ischer Staaten und fragt sich, wie diese es denn so haben mit der Kultur. F\u00fcndig wird er in den Grundgesetzen der EU-Mitglieder Spanien und Polen \u2013 und in der Schweiz. Gelobt wird dabei ausdr\u00fccklich, dass die junge Schweizer Bundesverfassung dem Staat ausdr\u00fccklich auftrage, Kultur zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p> Als Kronzeuge gilt der Enquete-Kommission Artikel 2, Absatz 2 der Schweizer Bundesverfassung: \u00abSie (die Eidgenossenschaft) f\u00f6rdert die gemeinsame Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes.\u00bb <\/p>\n<p> Bevor unsere deutschen Kulturfreunde darob allzusehr in Verz\u00fcckung geraten, muss man ihnen vermutlich erkl\u00e4ren, dass der Akzent hier eher auf <em>Vielfalt<\/em>, denn auf <em>Kultur<\/em> liegt und damit eher nicht die <em>Kultur<\/em> gemeint ist, die in die N\u00e4he der <em>Kunst<\/em> ger\u00fcckt wird, sondern eher das Bekenntnis zum <em>F\u00f6deralismus<\/em> bekr\u00e4ftigt wird. Die Schweiz ist bekanntlicherweise eine Willensnation (oder je nach Standpunkt eine Unwillensnation), die dem Ausgleich der Interessen einer F\u00fclle von Minderheiten zu verdanken ist.<\/p>\n<p> \u00abKulturelle Vielfalt\u00bb bekr\u00e4ftigt dabei das staatspolitisch vitale Prinzip, dass hierzulande alle ihr eigenes S\u00fcppchen kochen sollen d\u00fcrfen. Das nennt man dann hierzulande eben \u00abKultur\u00bb. Kultur wird in der Schweiz also fast beliebig weit gefasst (das traditionelle Schweizer Kulturverst\u00e4ndnis hatte ja schon bei der Gr\u00fcndung des mdernen Bundestaates im 19. Jahrhundert fast postmoderne Z\u00fcge, bevor der Begriff auch nur am Horizont der europ\u00e4ischen Kulturschickeria aufschien). <\/p>\n<p> Nebenbei gesagt: Ironischerweise wurde diese Konzeption von Kultur von den Schweizer Parlamentariern in der Debatte ums Kulturf\u00f6rderungsgesetz genutzt, um die Idee eines Kulturrates zu bodigen: Wenn unter Kultur alles und jedes verstanden werde, dann m\u00fcsse ein Kulturrat zum Debattierklub der Beliebigkeit verkommen, warnten sie. Dem Kulturf\u00f6rderungsgesetz einen Artikel voranzustellen, der etwas genauer eingrenzen w\u00fcrde, <em>welche<\/em> Kultur denn nun mit ebendiesem explizit gef\u00f6rdert werden soll, fanden die gleichen Kreise aber wiederum nicht n\u00f6tig, womit das Gesetz genauso zum F\u00f6rderinstrument der Beliebigkeit verkommen m\u00fcsste. Parlamentsarbeit ist eben auch die Kunst des flexiblen Argumentierens.<\/p>\n<p> Aber zur\u00fcck zum Staatsziel Kultur: In der Schweiz tut man sich genauso schwer mit einer offizi\u00f6sen Verpflichtung auf die Kultur wie in Deutschland. Trotz einer zur Zeit zuf\u00e4lligerweise jungen und damit zumindest passagenweise nat\u00fcrlicherweise modernen Verfassung: Die Schweiz eignet sich kaum als Vorbild f\u00fcr einen zukunftsgerichteten Umgang mit Kultur in der Politik. Auch nicht f\u00fcr Deutschland. Die beiden L\u00e4nder sitzen in dieser Hinsicht mehr oder weniger im gleichen Boot. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 24.04.2009 &#8212; Der Ausschuss f\u00fcr Kultur und Medien des Deutschen Bundestages hat einer vorgesehenen Verankerung des&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-413","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=413"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}