{"id":416,"date":"2014-01-11T09:39:53","date_gmt":"2014-01-11T09:39:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/bern-braucht-starke-botschafter-der-kultur\/"},"modified":"2014-01-11T09:39:53","modified_gmt":"2014-01-11T09:39:53","slug":"bern-braucht-starke-botschafter-der-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/bern-braucht-starke-botschafter-der-kultur\/","title":{"rendered":"Bern braucht starke Botschafter der Kultur"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">06.06.2009 &#8212; \u00abThe Times They Are A-Changing\u00bb hiess in den sechziger Jahren ein Album des Protests\u00e4ngers Bob Dylan, und auch wenn seither mehr als vierzig Jahre vergangen sind, tun sie&#8217;s immer noch, die Zeiten: Sie \u00e4ndern sich. Gegenw\u00e4rtig trifft dies nicht zuletzt auf die Bedeutung zu, welche Kultur- und Kreativwirtschaft im Gesamtsystem einer europ\u00e4ischen National\u00f6konomie einnehmen. Ein lebendiges Kulturleben, das international wahrgenommen wird, weil es ein klares Profil besitzt, wird f\u00fcr die L\u00e4nder Zentraleuropas in Zukunft eine strategische Rolle spielen, um ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu wahren.<\/p>\n<p> Auch die Schweiz \u00e4ndert sich: Der hiesige Finanzplatz ist geschw\u00e4cht, die Auftr\u00e4ge der Industrie brechen dramatisch weg. Auf der andern Seite verf\u00fcgen heute viele Schwellenl\u00e4nder nicht mehr nur \u00fcber eigene Rohstoffe, sondern auch \u00fcber ein Potential an industriellem Wissen, K\u00f6nnen und Kompetenzen in Sachen Dienstleistungen, die fr\u00fcher wenig gef\u00e4hrdete Privilegien der Schweiz darstellten. <\/p>\n<p> In welcher Form aber leben Branchen weiter, die einst hierzulande das R\u00fcckgrat der Wirtschaft bildeten? Man nehme bloss das Beispiel der Textilindustrie. Vor Jahrzehnten boten Webst\u00fchle zahlreichen Arbeiterinnen und Arbeitern ein (teils k\u00e4rgliches) Auskommen. Heute kann in der Textilindustrie von der Schweiz aus auf dem Weltmarkt mitspielen, wer es dank Exzellenz im Umgang mit Stoffen und Weltklassedesign schafft, die neue amerikanische First Lady zu kleiden. Die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale unseres Landes werden in naher Zukunft nicht mehr Zuverl\u00e4ssigkeit und Pr\u00e4zision sein, sondern Originalit\u00e4t, Kreativit\u00e4t, Qualit\u00e4t und tief in der europ\u00e4ischen Tradition verwurzelte \u00e4sthetische Brillanz. <\/p>\n<p> Damit diese Botschaft in den aufstrebenden Regionen Ostasiens, Lateinamerikas und im Mittleren Osten ankommt, braucht es klare Profile strategischer Institutionen. Zentral ist dabei die Ausstrahlung, welche die Bundesstadt hat. Ihr Ruf wird nicht nur von Touristen, sondern auch von den diplomatischen Vertretern, die hier Wohnsitz haben, hinausgetragen. Eine bedeutende Rolle im Stadtmarketing spielen die traditionellen Kulturinstitutionen, allen voran Museen, Theater und Orchester (woran denkt man zuerst bei Stichworten wie Berlin, London, Wien, Sydney oder Paris? Und wie haben sich St\u00e4dte wie Birmingham oder Bilbao ins Bewusstein der Welt\u00f6ffentlichkeit katapultiert?) <\/p>\n<p> Die Einsicht, dass die Ausstrahlung einer Bundesstadt auf die internationale Wahrnehmung der Dynamik eines Landes eine nicht zu untersch\u00e4tzende Bedeutung hat, ist in der Schweiz offenbar noch nicht angekommen. Obwohl die Schweiz weitgehend vom Export lebt, konnte sie es sich bis vor nicht allzulanger Zeit getrost leisten, eine Bundesstadt zu haben, die vor allem als Spiegel der auf lokale Selbstgen\u00fcgsamkeit und den Ausgleich regionaler Minderheitenanspr\u00fcche fokussierten Politik diente. Nach aussen festigte diese Selbstbescheidung den Ruf des Landes als solider und zuverl\u00e4ssiger Werk- und Wirtschaftsplatz. <\/p>\n<p> Die Zeiten haben sich aber eben ge\u00e4ndert. Heute wirkt dieses Verharren in lokaler Selbstzufriedenheit r\u00fcckst\u00e4ndig und kr\u00e4ftehemmend. Entsprechend fatal sind die Signale, welche die gegenw\u00e4rtigen Querelen um Organisation und Finanzierung des Berner Stadttheaters und des Berner Symphonieorchesters aussenden (die Details dazu finden sich in <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=82\">diesem<\/a> Dossiertext). Bern bietet hochkar\u00e4tigen K\u00fcnstlern keine zuverl\u00e4ssige und anregende Arbeitsumgebung mehr; so ist es etwa fast nicht mehr m\u00f6glich, einen erstklassigen Nachfolger f\u00fcr den scheidenden Chefdirigenten Andrey Boreyko zu finden.<\/p>\n<p> Bund, Kanton und Stadt k\u00f6nnen sich auf den Standpunkt stellen, es handle sich hier bloss um ein Luxusproblem der Freizeitgestaltung einer an Hochkultur interessierten intellektuellen Elite. Dem ist aber nicht so. Es handelt sich um einen nicht zu untersch\u00e4tzenden Faktor im Kampf um die globale wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit unseres Landes. Statt die Institutionen Theater und Orchester der Bundesstadt, die f\u00fcr den Ruf der Schweiz eine so wichtige Rolle einnehmen m\u00fcssten, solide, nachhaltig und engagiert zu st\u00fctzen, w\u00e4hlt die lokale Politik von allen m\u00f6glichen Tr\u00e4gerschaften die schlechtestm\u00f6gliche: Sie gliedert die Kulturpolitik einer Regionalkonferenz an, deren Kerninteressen im Ausgleich der Ressourcen zwischen Stadt und Agglomerationsgemeinden liegen.<\/p>\n<p> Welche Dynamik die Entwicklung von Theater und Orchester dabei pr\u00e4gt, l\u00e4sst sich an den Fingern abz\u00e4hlen: Es geht da haupts\u00e4chlich darum, wie viel (respektive wie wenig) die Agglomerationsgemeinden zu deren Finanzierung beisteuern m\u00fcssen. Um sie freundlich zu stimmen, muss das Kulturangebot vor allem auf die Bed\u00fcrfnisse des lokalen Umlandes der Stadt abgestimmt werden. So wird der Ruf der Schweiz als tr\u00e4ges Gebilde gefestigt, dem die urbane Dynamik, welche die Weltwirtschaft heute pr\u00e4gt, per se suspekt ist. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 06.06.2009 &#8212; \u00abThe Times They Are A-Changing\u00bb hiess in den sechziger Jahren ein Album des Protests\u00e4ngers&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-416","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}