{"id":417,"date":"2014-01-11T09:40:38","date_gmt":"2014-01-11T09:40:38","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/keine-konjunkturspritze-fuer-die-kreativen\/"},"modified":"2014-01-11T09:40:38","modified_gmt":"2014-01-11T09:40:38","slug":"keine-konjunkturspritze-fuer-die-kreativen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/keine-konjunkturspritze-fuer-die-kreativen\/","title":{"rendered":"(Keine) Konjunkturspritze f\u00fcr die Kreativen"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">19.06.2009 &#8212; Der Schweizer Bundesrat hat \u00abeine dritte Stufe konjunktureller Stabilisierungsmassnahmen\u00bb beschlossen. Mit \u00abgezielten, zeitlich befristeten Massnahmen f\u00fcr <em>besonders verletzliche Zielgruppen<\/em>\u00bb sollen \u00abder Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit bek\u00e4mpft und damit Aussteuerungen verhindert werden\u00bb (in Anf\u00fchrungszeichen gesetzt sind Zitate aus der entsprechenden Medienmitteilung des Bundes, die Kursivsetzung geht auf unsere Kappe). Und wie will der Bund Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit bek\u00e4mpfen? Unter anderem \u00abmit befristeten Anstellungen in Stellennetzen f\u00fcr Eins\u00e4tze in <em>nichtprofitorientierten Organisationen<\/em> und f\u00fcr <em>Sonderaufgaben<\/em>, beispielsweise in den Bereichen Natur, Pflege, Tourismus und Jugend\u00bb.<\/p>\n<p> Das W\u00f6rtchen, das da noch einen Funken Hoffnung mit Blick auf die Kreativ- und Kulturwirtschaft aufscheinen l\u00e4sst, ist im letzten Satz \u00abbeispielsweise\u00bb, denn in der Aufz\u00e4hlung fehlen diese Erwerbszweige. Auf Bundesebene wird mit notorischer Regelm\u00e4ssigkeit \u00fcbersehen, dass Kreativ- und Kulturwirtschaft nicht nur f\u00fcrs Image des Landes und die national\u00f6konomisch unerl\u00e4ssliche Innovationsf\u00e4higkeit eine wichtige strategische Bedeutung haben, sondern auch f\u00fcr viele existenzsichernde Arbeitspl\u00e4tze verantwortlich sind \u2013 im Raum Z\u00fcrich zum Beispiel f\u00fcr mehr als die Finanzwirtschaft.<\/p>\n<p> Wenn es also darum geht, Arbeitspl\u00e4tze zu sichern, bis die Betroffenen wieder auf eigenen Beinen stehen k\u00f6nnen, dann w\u00e4ren Kreativbetriebe eine wichtige Adresse f\u00fcr die jetzt vom Bund ins Auge gefassten F\u00f6rdermassnahmen. Man k\u00f6nnte dabei unter Umst\u00e4nden sogar zwei Fliegen auf einen Schlag treffen, indem man etwa Praktika von Designern, Musikern oder Textern \u00fcber die Sprachgrenzen hinweg f\u00f6rdern w\u00fcrde, um die nationale Identit\u00e4t zu st\u00e4rken, oder mit einer bewusst gef\u00f6rderten Zusammenarbeit von Industriebetrieben und kreativen Think Tanks aus der Kultur, in deren Rahmen neue, weltmarktf\u00e4hige Produkte oder Dienstleistungen angedacht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p> Auf solche Ideen kommen Politiker nicht von selber. Ideen-haben ist ganz allgemein kein herausragendes Kennzeichen von Politikern. Politiker halten sich lieber an das launische Bonmot aus der Startup-Szene, dass wer Visionen habe, besser zum Psychiater gehe als zum Risikokapitalgeber. Politiker f\u00fcrchten Ideen, speziell diejenigen der originellen Sorte, denn diese sind in der Regel schon nur deshalb nicht mehrheitsf\u00e4hig, weil sie von der Mehrheit gar nicht erst verstanden werden; lieber verhandeln unsere Volksvertreter Gesetzesentw\u00fcrfe. Die kann man schwarz auf weiss nach Hause tragen.<\/p>\n<p> Irgendwie hat das auch seine Richtigkeit, denn unsere Politiker sind verh\u00e4ltnism\u00e4ssig schlecht bezahlte Milizion\u00e4re, die ihre Familien genausowenig mit Ideen durchf\u00fcttern k\u00f6nnen wie K\u00fcnstler die ihrigen mit dem K\u00fcnstlerlohn, dem Applaus des Publikums. Das Ideen-haben ist in der Schweiz Sache der einschl\u00e4gigen Interessengruppen; sie stopfen damit die Aktenk\u00f6fferchen von Lobbyisten voll und lassen sie von diesen in die Rath\u00e4user tragen.<\/p>\n<p> Geht&#8217;s nun darum, auch den Kreativen in der Krise \u00fcber die Runden zu helfen, zeigt sich einmal mehr auf empfindliche Weise das Fehlen einer Lobby f\u00fcr ihre Belange. Vor allem die staatstragende b\u00fcrgerliche Mitte ist auf diesem Auge blind; und die einzige zaghaft angezeigte Initiative aus den Kreisen der Kreativen selber, ein <a href=\"http:\/\/www.kreativwirtschaft.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Verband Kreativwirtschaft Schweiz<\/a> scheint nicht so recht aus den Startl\u00f6chern zu kommen.<\/p>\n<p> Da droht bereits der R\u00fcckfall in die keineswegs guten alten Zeiten, als M\u00fctter ihren T\u00f6chtern und V\u00e4tern ihren S\u00f6hnen (oder kreuz\u00fcber anders) noch einsch\u00e4rften, statt Schauspieler, Lyrikerin, Musiker oder Bildhauerin zu werden doch besser \u00abetwas Anst\u00e4ndiges\u00bb zu lernen, denn Kunst kann nur dann nach Brot gehen, wenn solches auch gebacken wird.<\/p>\n<p> Die Folgen des drohenden Braindrains werden sich im Aufschwung zeigen: Wenn dann wieder Ideen, Innovationslust, Originalit\u00e4t und eine anregende kreative Stimmung gefragt sind, um das Land auf Touren zu bringen, dann wird keiner mehr da sein, der weiss, wie man diesen Motor anwirft. Diese besonders verletzliche Zielgruppe wird dann in den Massnahmen zur St\u00fctzung der Konjunktur irgendwie verlorengegangen sein. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 19.06.2009 &#8212; Der Schweizer Bundesrat hat \u00abeine dritte Stufe konjunktureller Stabilisierungsmassnahmen\u00bb beschlossen. 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