{"id":419,"date":"2014-01-11T09:42:48","date_gmt":"2014-01-11T09:42:48","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-wirtschaft-i-eidg-kreativ-hochschule\/"},"modified":"2014-01-11T09:42:48","modified_gmt":"2014-01-11T09:42:48","slug":"kultur-und-wirtschaft-i-eidg-kreativ-hochschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/11\/kultur-und-wirtschaft-i-eidg-kreativ-hochschule\/","title":{"rendered":"Kultur und Wirtschaft I: Eidg. Kreativ-Hochschule"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"70\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\">17.07.2009 &#8212; Kultur ist das notwendige Gegengewicht zum schn\u00f6den Geldscheffeln in der Wirtschaft. F\u00fcrs seelische Gleichgewicht des Volkes ist sie unerl\u00e4sslich, deshalb \u2013 der logische Schluss -: Her mit mehr (Steuer-)Kohle f\u00fcr Kultur. Das ist in etwa die Argumentation von K\u00fcnstlern und Kulturschaffenden, wenn sie sich dazu herablassen, sich politisch einzubringen. Nat\u00fcrlich ist das vergebliche Liebesm\u00fch, denn politisches Geh\u00f6r verschaffen sich Kultur- und Kreativwirtschaft nur, wenn sie nicht an vage ethische Prinzipien oder sch\u00f6ngeistige Defizite appellieren, sondern die heilige Dreifaltigkeit des Politikers im eigenen Schild f\u00fchren: Arbeitspl\u00e4tze schaffen, Staatsseckel f\u00fcllen, Wiederwahl sichern.<\/p>\n<p> Politiker haben ein relativ schnell versagendes Vorstellungsverm\u00f6gen. Sie haben&#8217;s lieber bodenst\u00e4ndig. Statt den Guten Willen zu beschw\u00f6ren, muss man ihnen konkrete Projekte schmackhaft machen, die mindestens zwei der dreifaltigen Forderungen erf\u00fcllen (wobei eine davon nat\u00fcrlich immer die letzte sein sollte). <\/p>\n<p> Nun sind Kreativprojekte naturgem\u00e4ss relativ weit entfernt von der Front der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und der Umsatzgenerierung, denn die Kreativwirtschaft ist eine typisch grundlagenorientierte Querschnittbranche. Dennoch ist sie die vitale Voraussetzung daf\u00fcr, dass am Schluss des Unternehmensprozesses eben die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und Steuersubstrat steht.<\/p>\n<p> Wie liesse sich dies besser sichtbar machen, respektive noch intensiver stimulieren? Eine hochkar\u00e4tige M\u00f6glichkeit w\u00e4re die Schaffung einer Eidgen\u00f6ssischen Kreativhochschule (EKH), die analog einer ETH Grundlagenforschung betreiben und in enger Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft an der Umsetzung \u00e4sthetischer Konzepte in wettbewerbsf\u00e4hige, weltmarkttaugliche Produkte und am kreativen Design der Gesch\u00e4ftsprozess-Optimierung arbeiten w\u00fcrde. Kreatives Denken kommt n\u00e4mlich nicht nur dem Produktedesign zugute; viele verknorzte Gesch\u00e4ftsprozesse liessen sich dank des Wissens der Kreativen um Eleganz, Einfachheit und Effizienz ebenfalls wesentlich verbessern.<\/p>\n<p> Wer die Idee einer EKH weit hergeholt findet, der sei daran erinnert, dass der Bund Forschungsinstitutionen selber betreibt oder mehrheitlich unterst\u00fctzt, die auf ihren Gebieten \u00e4hnliche Ziele verfolgen. Es gibt ein Eidgen\u00f6ssisches Hochschulinstitut f\u00fcr Berufsbildung, es existieren auf Bundesebene mehrere unter dem Titel Agroscope zusammengefasste Forschungsinstitutionen, welche die b\u00e4uerlich gepr\u00e4gte Landwirtschaft sekundieren. Bestens bekannt sind auch die \u00abSwiss Federal Laboratories for Materials Testing and Research\u00bb vulgo Empa; in Avenches betreibt der Bund sogar ein <em>Nationalgest\u00fct<\/em> (das auch so heisst!), zu nennen w\u00e4re im weiteren das Schweizerische Tropeninstitut oder das Swiss Institute of Bioinformatics (SIB). Es gibt noch ein paar andere diesen Kalibers.<\/p>\n<p> Selbst im Kulturbereich finden sich Institutionen des Bundes: In Sachen r\u00fcckw\u00e4rtsgewandter Dokumentation des Schweizer Kulturschaffens ist der Bund n\u00e4mlich durchaus aktiv. Er unterh\u00e4lt nicht nur eine Nationalbibliothek und ganz im Geist der St\u00fctzung regionaler Vielfalt ein Institut f\u00fcr Kulturforschung Graub\u00fcnden, sondern auch ein Schweizerisches Institut f\u00fcr Kunstwissenschaft, in das zwischen 2008 und 2011 insgesamt 10 Millionen Bundesfranken fliessen und von dem gem\u00e4ss Leistungsvereinbarung erwartet wird, dass es im Dienstleistungsbereich &#8211; der Restaurierung und Konservierung sowie in Sachen Expertisen, Redaktionsleistungen, Beratungen, Inventarisierung, Fotografie und so weiter &#8211; gewinnbringend arbeitet. Laut eigener Charakterisierung positioniert es sich seit 2008 \u00abals international orientiertes Institute for Advanced Study\u00bb, das \u00abeinen wichtigen Beitrag zur St\u00e4rkung des Forschungsplatzes Schweiz\u00bb leistet.<\/p>\n<p> In selbem Sinn und Geist m\u00fcsste man eine <em>zukunfts<\/em>gerichtete Forschungsst\u00e4tte ins Leben rufen, eine EKH eben. Eine ihrer Aufgaben m\u00fcsste es sein, das zu tun, was Nationalrat Ruedi Noser w\u00e4hrend der Debatte ums Kulturf\u00f6rderungsgesetz verspottet hat, als es um die m\u00f6gliche Schaffung eines Kulturrates ging: das Nachdenken dar\u00fcber, was das spezifisch Schweizerische hiesigen kreativen Schaffens sein k\u00f6nnte. Wenn man&#8217;s in seinen Wirtschaftsjargon \u00fcbersetzt, wird&#8217;s vielleicht auch f\u00fcr den Unternehmer einsichtig: Welches sind denn im globalen Wettbewerb die Alleinstellungsmerkmale Schweizer Designs und \u00e4sthetischen Denkens? <\/p>\n<p> Herauszufinden, was einen ergonomischen Kartoffelsch\u00e4ler, ein fast nicht umzubringendes Armeemesser, perfektionistische Sachfotografie (speziell in Form unendlicher Varianten von Eierbildern), Qualit\u00e4tsbeton, die Helvetica oder Frutiger genannten serifenlosen Linear-Antiqua und Tiefenpsychologie von Weltruf miteinander verbindet \u2013 das w\u00e4re schon mal ein Anfang.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 420px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Der Musikphilosoph Wolfgang B\u00f6hler (M.A.) studierte an der Universit\u00e4t Bern Wissenschaftstheorie, Mathematik und Musikwissenschaft. Er ist Chefredaktor des Codex flores Onlinemagazins.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 17.07.2009 &#8212; Kultur ist das notwendige Gegengewicht zum schn\u00f6den Geldscheffeln in der Wirtschaft. 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